{"id":2648,"date":"2011-03-21T22:14:52","date_gmt":"2011-03-21T21:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2648"},"modified":"2011-03-25T22:59:25","modified_gmt":"2011-03-25T21:59:25","slug":"nabucco-nabucodonosor-nabukadnezar-%e2%80%93-rom-teatro-dellopera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2648","title":{"rendered":"NABUCCO (Nabucodonosor, Nabukadnezar) \u2013 Rom, Teatro dell&#8217;Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), lyrisches Drama in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. M\u00e4rz 1842, Mailand, Teatro alla Scala<br \/>\nRegie: Jean-Paul Scarpitta, Kost\u00fcme: Maurizio Millenotti, Licht: Urs Sch\u00f6nebaum, Fernsehregie: Lorena Sardi<br \/>\nDirigent: Riccardo Muti, Orchester und Chor der Opera Roma, Chorleiter: Roberto Gabbiani<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Solisten: Leo Nucci (Nabucco), Antonio Poli (Ismaele), Dmitry Beloselskiy (Zaccaria), Csilla Boross (Abigaille), Anna Malavasi (Fenena), Goran Juri\u0107 (Hohepriester des Baal) u.a.<br \/>\nModeration: Annette Gerlach<br \/>\nArte: 17. M\u00e4rz 2011, 22.15 Uhr (zeitversetzte Live-Aufnahme, Premiere 12. M\u00e4rz 2011)<br \/>\n<strong><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Rom-Nabucco1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2666\" title=\"Rom-Nabucco\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Rom-Nabucco1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Rom-Nabucco1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Rom-Nabucco1-300x180.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Anla\u00df der TV-\u00dcbertragung war der 150. Jahrestag der italienischen Staatsgr\u00fcndung. Den wichtigsten Festakt beging man im Opernhaus in Anwesenheit des italienischen Pr\u00e4sidenten Giorgio Napolitano, des Ministerpr\u00e4sidenten und des B\u00fcrgermeisters Roms.<\/p>\n<p>Moderatorin Annette Gerlach wies immer wieder auf den Freiheitskampf des italienischen Volkes gegen die damalige \u201eBesatzung\u201c \u00d6sterreichs hin. Eine Oper als Fanal einer politischen Manifestation erinnert an die h\u00e4ufig in der Wissenschaft getadelte Tatsache, da\u00df die F\u00fcrsten zur Barockzeit die Kunstwerke f\u00fcr ihre Zwecke benutzten.<\/p>\n<p>Verdi hatte allerdings kaum die Absicht, mit seiner Oper der italienischen Nation zu\u00a0 ihrer nationalen Einheit zu verhelfen. Ihm ging es um eine Darstellung der biblischen Geschichte der Babylonischen Gefangenschaft. Hierauf hat Ricardo Muti im Gespr\u00e4ch mit der Moderatorin dankenswerterweise deutlich verwiesen.<\/p>\n<p>Aber es wurde musikalisch ein bemerkenswerter Opernabend.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt keine Aufbauten bis auf ein Bild vom Babylonischen Turm, der in grauer Farbe angedeutet auf der Leinwand im B\u00fchnenhintergrund erscheint, und zwar in dem Augenblick, in dem Nabucco sich zum Gott erhebt und vom Wahnsinn geschlagen wird. W\u00e4hrend der Opernhandlung sieht man einen wolkenverhangenen, grauen Himmel vor einer Mondscheibe. Oder ist es eine Sonne? Die Hebr\u00e4er, Frauen wie M\u00e4nner, tragen k\u00f6rperlange wollene, grau-wei\u00dfe Gew\u00e4nder, Kopf, Schultern und H\u00fcfte sind mit einem breiten Schal bedeckt. Die Baalpriester erscheinen ganz in schwarzen Gew\u00e4ndern und tragen helmartige Kopfbedeckung, w\u00e4hrend die assyrischen Soldaten in schwarzen Hosen mit \u00a0gepanzertem Oberk\u00f6rper auftreten. Die Hauptpersonen sind dagegen pr\u00e4chtig in der babylonischen Zeit nachempfundenen Gew\u00e4ndern gekleidet. Nabucco und Abigail zeigen jeweils rotgelockte Haare, Fenena tritt wie eine Hebr\u00e4erin in wei\u00dfes Gewand auf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Ein S\u00e4ngeraufgebot h\u00f6chster Qualit\u00e4t war zu bewundern. Der weltbekannte <strong>Leo Nucci<\/strong> stellte den gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Nabucco, den liebenden Vater und den zu hebr\u00e4ischen Glauben bekehrten assyrischen K\u00f6nig sowohl mit gro\u00dfer Kraft und als auch sanfter Stimmf\u00fchrung dar, obwohl ihm letzteres nicht immer zu gelingen schien. Dennoch eine gro\u00dfe Leistung f\u00fcr einen S\u00e4nger mit \u00fcber 60 Jahren!<\/p>\n<p><strong>Dmitry Beloselskiy<\/strong> aus dem St. Petersburger Mariinsky Theater erschien w\u00fcrdevoll als Prophet Zaccaria. Mit seiner hohen Gestalt und ernstem Gesicht konnte man sich den Anf\u00fchrer der geknechteten Hebr\u00e4er gut vorstellen. Aber wohl nicht wegen seines sch\u00f6nen \u00c4u\u00dferen hatte man ihn engagiert, sondern wegen seiner \u00fcberaus angenehmen Ba\u00dfstimme. Kleine Fl\u00fcchtigkeiten zu Anfang, wohl der Nervosit\u00e4t geschuldet, doch genaueste Tongebung, nie zu laut, nie zu leise, nur die Tiefen manchmal nicht stark genug, die H\u00f6hen immer leicht und nicht forciert. Verdi hatte immer ein Faible f\u00fcr solche Gestalten und formte sie auf unnachahmliche Weise.<\/p>\n<p>Mit seiner klaren, hellen Tenorstimme brillierte <strong>Antonio Poli<\/strong> (Ismaele) bei seinen kurzen Auftritten. Seine Partnerin <strong>Anna Malavasi<\/strong> (Fenena) schien die Sch\u00fcchternheit und Hingabe ihrer Rolle auf den Leib geschneidert. Ihr Niveau hielten die beiden jungen S\u00e4nger auch im Terzett mit Csilla Boross, deren strahlender Sopran sie leicht h\u00e4tte untergehen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und mit letzterer sind wir beim s\u00e4ngerischen H\u00f6hepunkt. Verdi hat hier ja eine ungeheuer wirkungsvolle Gesangslinie geschaffen, die nur mit absoluter makelloser Technik im Belcantosingen zu bew\u00e4ltigen ist. Und die Ungarin <strong>Csilla Boross<\/strong> (Abigaille), durchma\u00df alle H\u00f6hen und Tiefen mit schier unglaublichem K\u00f6nnen und souver\u00e4ner Leichtigkeit. Schon im erw\u00e4hnten Terzett kam das \u201ehohe C\u201c (C\u00b4\u00b4\u00b4) glockenrein, ohne jegliche Aspiration mit tongenauer Widergabe der anschlie\u00dfenden abenteuerlich schnellen Tonleiterl\u00e4ufe. Die Abst\u00fcrze vom G\u00b4\u00b4 bis zum tiefen C\u00b4 im Finale I <em>Colei, che il solo mio ben contende \u2013 <\/em><em>Sie, die mir den Geliebten streitig machte <\/em>sind f\u00fcr sie problemlos. Den Gipfel erreichte ihre Gesangskunst in ihrem Solo <em>Anch&#8217;io dischiuso un giorno \u2013 <\/em><em>Auch mein Herz war der Freud&#8216; einst offen<\/em> (2. Akt): zweimalige Kettentriller beim Aufstieg zum C\u00b4\u00b4\u00b4 und Tonleiter abw\u00e4rts bis zum C\u2018, wobei sie das vor dem C\u00b4 gesetzte H\u00b0 tadellos rund herausbrachte. Csilla Boross geh\u00f6rt zweifellos zu den gewichtigsten Verdis\u00e4ngerinnen. Kaum zu glauben, da\u00df man sie jetzt erst auf einer gro\u00dfen B\u00fchne erleben darf.<\/p>\n<p>Die <strong>Ch\u00f6re<\/strong> im Nabucco werden immer ger\u00fchmt und das geschieht zu Recht. Verdi hat sie sehr oft eingesetzt. Ihren Gipfelpunkt erreichten sie mit dem \u201eSchmuckst\u00fcck\u201c der Oper (Julian Budden), dem Chor <em>Va\u2018 pensiero \u2013 flieg Gedanke,<\/em> der in seiner Beliebtheit in Italien einer Nationalhymne gleichkommt. Nach nicht endendem Applaus wandte sich Riccardo Muti zum Publikum und erkl\u00e4rte u.a. da\u00df, wenn die Kultur in Italien weiter erstickt w\u00fcrde, das eintr\u00e4te, was der Chor gesungen hat: <em>Oh mia patria s\u00ec bella e perduta \u2013 <\/em><em>Oh mein Vaterland, so sch\u00f6n <em>\u2013<\/em> <\/em><em>und verloren!<\/em> Und er forderte das Publikum auf nun mitzusingen, was alle aus vollem Herzen taten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Durch die st\u00e4ndigen, f\u00fcr die geschminkten S\u00e4nger nicht immer vorteilhaften Nahaufnahmen (z.B. bei Anna Malavasi (Fenena) die farbliche Betonung der Backenknochen) wurde man von der tristen Inszenierung Jean-Paul Scarpittas abgelenkt. In einem Interview mit Annette Gerlach betonte er, da\u00df die Abwesenheit des Dekors die Aufgabe habe, den<em> <\/em>Zusammenprall der Figuren deutlicher zu machen und nicht der biblische Kontext<em>.<\/em> Der Regisseur also in der Nachfolge des sich zum Gott erkl\u00e4renden Nabucco?<\/p>\n<p>Eine gute Tat allerdings von Arte, dieses gro\u00dfe Verdische Meisterwerk mit den \u00fcberragenden S\u00e4ngern aus der italienischen Hauptstadt zu \u00fcbertragen!<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Corrado Maria Falsini<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Leo Nucci (Nabucco) inmitten der assyrischen Soldaten, hinter den Hebr\u00e4ern, Antonio Poli (Ismaele) sowie Dmitry Beloselskiy (Zaccaria), Anna Malavasi (Fenena) am Arm h\u00e4lt, re Csilla Boross (Abigaille)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), lyrisches Drama in vier Teilen, Libretto: Temistocle Solera, UA: 9. 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