{"id":2644,"date":"2011-03-23T21:04:31","date_gmt":"2011-03-23T20:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2644"},"modified":"2011-03-23T21:04:31","modified_gmt":"2011-03-23T20:04:31","slug":"robin-hood-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2644","title":{"rendered":"ROBIN HOOD &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Albert Dietrich (1829-1908), Oper in drei Akten, Libretto: Reinhard Mosen, UA: 6. April 1879, Frankfurt a.M.<\/p>\n<p>Regie: J\u00fcrgen R. Weber, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Hank Irwin Kittel, Video Artist: Sven Klaus<\/p>\n<p>Dirigent: Johannes Pell, Philharmonisches Orchester und Chor, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut Erfurt<\/p>\n<p>Solisten: Peter Sch\u00f6ne (Richard L\u00f6wenherz), Markus Petsch (Robin Hood), Sebastian Pilgrim (John), Ilia Papandreou (Marian), Christa Maria Dalby (Ellen), Malwina Makala (Ralf) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Erfurt-Robin-Hood.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2645\" title=\"Erfurt-Robin-Hood\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Erfurt-Robin-Hood.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Erfurt-Robin-Hood.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Erfurt-Robin-Hood-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Robin Hood lebt mit seinen Freunden als Ge\u00e4chtete im Sherwood Forest und bestiehlt aus Protest gegen die unterdr\u00fcckende Herrschaft des Sheriffs von Nottingham in Abwesenheit des rechtm\u00e4\u00dfigen Herrschers K\u00f6nig Richard L\u00f6wenherz die Reichen, um die Armen zu beschenken. Au\u00dferdem ist er in Marian, das M\u00fcndel des Sheriffs verliebt. Diese soll gegen ihren Willen verheiratet werden, doch Robin will sie beim Maifest entf\u00fchren und somit von ihrem Schicksal erl\u00f6sen. Unerwartet erscheint Richard L\u00f6wenherz nach langer Gefangenschaft im Heiligen Land unerkannt im Wald und gibt sich erst sp\u00e4ter Robin zu erkennen. Er erlaubt den Rebellen im Wald zu walten, aber sie d\u00fcrfen die Bewohner von Nottingham nicht ver\u00e4rgern. Die geplante Entf\u00fchrung Marians mi\u00dflingt und Robin wird von den aufgebrachten B\u00fcrgern festgenommen. Sie verlangen vom K\u00f6nig die Todesstrafe. Dieser aber stellt Robin auf eine Probe. Er bietet ihm eine Stellung am Hofe an, welche Robin aus Treue zu Marian ablehnt. Damit hat er den Test bestanden. L\u00f6wenherz adelt Robin und schenkt ihm die Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wer einen \u00fcppigen Wald und mittelalterliche Schlo\u00dfansichten bei dieser Oper erwartet, wird wohl entt\u00e4uscht sein. Das eher Brechtsche B\u00fchnenbild der Erfurter Inszenierung \u00fcberrascht mit einer am\u00fcsanten Videoprojektion, welche \u00fcber den gesamten Opernverlauf den hinteren B\u00fchnenraum dominiert. Schwarz-wei\u00df skizzierte B\u00e4ume m\u00fcssen f\u00fcr den Wald herhalten und auch das k\u00f6nigliche Schlo\u00df mu\u00df mehr erdacht als gesehen werden. Zwei spitz zueinander laufende Stege f\u00fchren \u00fcber den Orchestergraben hinweg bis in die ersten Sitzreihen des Zuschauerraums und bieten den S\u00e4ngern eine zus\u00e4tzliche Raumnutzung.<\/p>\n<p>Der Vorhang \u00f6ffnet sich mit den ersten Kl\u00e4ngen des Orchesters, zwei B\u00fchnentechniker r\u00e4umen unansehnliche St\u00fchle an ihre Pl\u00e4tze und die Videoprojektion zeigt maskierte Waldrebellen im Foyer des Erfurter Theaters Jagd auf unbedarfte G\u00e4ste in mond\u00e4ner Abendgarderobe machen. Das Motto des Opernabends wird von Anfang an klar ersichtlich. W\u00e4hrend Robin und seine Gefolgschaft als auch Marian und dessen Freundin Ellen zun\u00e4chst noch in mittelalterlichen Gew\u00e4ndern aus Samt und Leder auftreten, erscheint K\u00f6nig L\u00f6wenherz in roter Ausgehuniform very british und die B\u00fcrger Nottinghams samt ihres Sheriffs und dessen Familie erinnern in ihren Anz\u00fcgen, Abendkleidern und den altmodischen Frisuren an die gehobene Gesellschaft der 70er und 80er Jahre.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter der in sich ruhenden, souver\u00e4nen Leitung von <strong>Johannes Pell<\/strong>, die man, dank Video\u00fcbertragung, teilweise auch auf der B\u00fchne erleben kann, zeigt sich das <strong>Philharmonische Orchester Erfurt<\/strong> erfreulich spielerisch. Dank der B\u00fchnenerweiterung in den Zuschauerraum hinein \u00fcberlagert der klangvolle Orchesterapparat dieses Mal in keiner Weise die singenden Kollegen. Der \u00f6sterreichische Titelheld <strong>Markus Petsch<\/strong> wird sowohl darstellerisch als auch s\u00e4ngerisch den Anspr\u00fcchen seiner Rolle gerecht, f\u00e4llt aber im direkten Vergleich zu <strong>Peter Sch\u00f6nes<\/strong> \u00fcberaus nat\u00fcrlichen, dabei nicht albernd wirkenden, androgynen Darstellung des in dieser Inszenierung wohl M\u00e4nner liebenden K\u00f6nig L\u00f6wenherz&#8216; eindeutig ab. Dessen schmeichelnder, abgerundeter und technisch einwandfreier Bariton ber\u00fchrt trotz des Witzes seines Spieles Herz und Seele des H\u00f6rers. Wiederholt \u00fcberraschte auch seine besondere Textverst\u00e4ndlichkeit im Gegensatz zu manch anderem. <strong>Sebastian Pilgrims<\/strong> (John) volumin\u00f6ser Ba\u00df und seine Darstellung der treuherzig-spa\u00dfigen Kumpane rundete das M\u00e4nnertrio ab. Ilia Papandreou als naiv-laszive Marian eroberte mit ihrem kraftvollen, dunkel timbrierten Sopran das Erfurter Publikum. Ihr zur Seite stand die quirlig-spritzige <strong>Christa Maria Dalby<\/strong> als Ellen, deren schwerelose und agile Stimme einen perfekten Ausgleich schaffte. <strong>Malwina Makala<\/strong> (Ralf) erfreute mit ihrem jugendlichem Sopran und keckem Spiel. Die raufw\u00fctigen, individuell inszenierten und stimmlich harmonisierenden <strong>M\u00e4nner des Erfurter Opernchores<\/strong> als Robins Mannen rundeten das Ensemble gekonnt ab.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es kann nicht verleugnet werden, da\u00df Albert Dietrichs sp\u00e4tromantische Oper in Hinsicht auf Musik und Text eher an einen versp\u00e4teten <em>Freisch\u00fctz<\/em> erinnert, doch erreicht das parodistische, mit regionalgeschichtlichen Bez\u00fcgen gespickte Regiekonzept der Erfurter Ausgrabung ein Absch\u00fctteln jeglichen Staubes und beweist, da\u00df Vergessenes im richtigen Kontext leicht zu aktuellem Tagesgeschehen einen k\u00fcnstlerisch wertvollen Beitrag leisten kann. Dem Einen oder Anderem k\u00f6nnen zwar die vielen linksrevolution\u00e4ren Parolen \u00e0 la <em>Heul nicht Genosse! Tu was! <\/em>auf die Dauer zu viel werden, aber am Ende des Abends geht man vergn\u00fcgt aus dem Kunstpalast.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Peter Sch\u00f6ne (L\u00f6wenherz) hat einen Plan zur Rettung Markus Petsch (Robin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Albert Dietrich (1829-1908), Oper in drei Akten, Libretto: Reinhard Mosen, UA: 6. April 1879, Frankfurt a.M. Regie: J\u00fcrgen R. 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