{"id":2640,"date":"2011-02-27T20:57:59","date_gmt":"2011-02-27T19:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2640"},"modified":"2011-03-23T21:00:52","modified_gmt":"2011-03-23T20:00:52","slug":"der-protagonistder-bajazzo-dessau-anhaltisches-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2640","title":{"rendered":"DER PROTAGONIST\/DER BAJAZZO &#8211; Dessau, Anhaltisches Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), Oper in einem Akt, Text von Georg Kaiser, UA: 1926, Dresden<\/p>\n<p>von Ruggero Leoncavallo (1857-1919), Drama in 2 Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 1892, Mailand<\/p>\n<p>Regie: Andre B\u00fccker, B\u00fchne: Oliver Proske,<\/p>\n<p>Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie, Chor und Kinderchor des Anhaltischen Theaters, Choreinstudierung: Helmut Sonne<\/p>\n<p><em>Der Protagonist<\/em> . Solisten: Angus Wood (Der Protagonist), Iordanka Derilova (Seine Schwester), Wiard Witholt (Der junge Herr), David Ameln (Hausmeister des Herzogs), Ulf Paulsen (Wirt)<\/p>\n<p><em>Bajazzo<\/em>, \u00a0Solisten: Sergey Drobyshevskiy (Canio), Iordanka Derilova (Nedda), Ulf Paulsen (Tonio), David Ameln (Peppe), Wiard Witholt (Silvio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Februar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Dessau-Protagonist.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2641\" title=\"Dessau-Protagonist\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Dessau-Protagonist.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Dessau-Protagonist.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Dessau-Protagonist-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip sind die Handlungen beider St\u00fccke miteinander verwandt: Eine reisende Schauspieltruppe kommt in eine Stadt, und k\u00fcndigt eine Vorstellung an. Die Beziehung zwischen den beiden Hauptdarstellern beginnt heftig zu kriseln, als der Liebhaber der Frau dazu kommt. Die Dreiecksgeschichte zwischen Mann, Frau und Liebhaber eskaliert w\u00e4hrend der Vorstellung, der Mann will die Frau nicht an den Liebhaber verlieren. In rasender Eifersucht ersticht der Mann die Frau.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild bietet eine sehr flexible Spielfl\u00e4che f\u00fcr beide Opern. Nach drei Seiten wird sie von einer Wand begrenzt, die aus einer quadratischen Wabenstruktur besteht. Diese Waben lassen sich aus- und umklappen, so da\u00df Fenster, T\u00fcren, Balkone, Dachb\u00f6den, Aufz\u00fcge, Alt\u00e4re, Kreuze oder sogar eine Bar entstehen. Das funktioniert so reibungslos und lautlos, da\u00df es f\u00fcr manche Verwandlung sogar Szenenapplaus gab. Durch eine Versenkung in der B\u00fchnenmitte k\u00f6nnen ganze Gruppen auf- und abtreten, verschwinden Tische und andere Requisiten.<\/p>\n<p>Im <em>Bajazzo<\/em> landet die Schauspieltruppe mit einem Ballon.<\/p>\n<p>Im <em>Protagonist<\/em> wird die Trag\u00f6die in der Pantomime von einer Gruppe mit Totenkopfmasken dramatisiert. Der heitere erste Teil der Pantomime wird f\u00fcr den Auftraggeber, dem Hausmeister des Herzogs, als deftige Dorf-Posse vorgef\u00fchrt. Das Messer als sichtbares Bindeglied zwischen beiden Opern, wird am Anfang vom Tod in den B\u00fchnenboden gesteckt, dort verbleibt es auch in der Pause, um am Ende vom Tod dort wieder abgeholt zu werden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man die musikalischen Darbietungen beider St\u00fccke vergleicht, war der \u00fcberragende S\u00e4nger der Protagonist Angus Wood, der bislang als Ensemble-Mitglied in Dessau in kleineren Tenorrollen auffiel. Hier gl\u00e4nzte er als ausdrucksstarker und sicherer Operettentenor, w\u00e4hrend <strong>Sergey Drobyshevskiy<\/strong> (Canio) indisponiert war und so nicht an den Erfolg als Kalaf (<em>Turandot<\/em>) ankn\u00fcpfen konnte. Ebenso aus dem Ensemble stammen der Tenorbuffo <strong>David Ameln<\/strong> als Hausmeister des Herzogs bzw. Peppe und Wiard Wiholt als junger Liebhaber der Schwester bzw. Silvio, ein vielversprechender Ba\u00df-Bariton mit sch\u00f6ner, aber noch nicht sicherer H\u00f6he. Eine sichere Bank ist <strong>Ulf Paulsen<\/strong> als intriganter Tonio bzw. d\u00e4monischer Wirt. Hinsichtlich Ausdruckskraft, stimmlicher Gestaltung und Reichweite in den oberen und tiefen Registern war das eine beispielhafte Ausgestaltung dieser d\u00e4monischen Rollen. Weiblicher Hauptdarsteller des Abends war <strong>Iordanka Derilova<\/strong> als Nedda und Schwester des Protagonisten. Neddas Kolaraturen in Hysterie aneinander gekettet, begleitet von hoher Durchschlagskraft in absolut sicherer, strahlender H\u00f6he, brachte dem Zuh\u00f6rer die Verzweiflung dieser Rollen nahe.<\/p>\n<p>Die musikalische Leitung lag in den H\u00e4nden von <strong>Antony Hermus<\/strong> \u2013 und auch er interessierte sich mehr f\u00fcr den <em>Protagonisten <\/em>als f\u00fcr den <em>Bajazzo<\/em>. Er bem\u00fchte sich sehr dessen musikalisches Niveau in den Rang einer \u201eDreigroschen-Oper\u201c zu r\u00fccken, die musikalische Interpretation der beiden Pontomimen-Slapstick-Tanzeinlagen machte diese Einsch\u00e4tzung nachvollziehbar. Der <em>Bajazzo <\/em>hingegen wirkte fast wie ein Begleitprogramm und litt unter der Indisposition Canios, w\u00e4hrend die Auseinandersetzung zwischen Tonio und Nedda auf einmal ein musikalischer H\u00f6hepunkt wurde. Bemerkenswert auch der Kinderchor, der dem Opernchor fast den Rang ablief.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit viel Liebe zu den Details versucht das Anhaltische Theater die Parallelen zwischen den beiden St\u00fccken deutlich zu machen. Da\u00df dabei der Schwerpunkt bei dem unbekannten <em>Protagonisten <\/em>liegt, ist verst\u00e4ndlich. Die beiden Pantomimen in diesem St\u00fcck sind perfekt choreographiert und ernten Szenenapplaus. Gleiches gilt auch f\u00fcr die detaillierte Personenf\u00fchrung und das raffiniert verschachtelte B\u00fchnenbild. Auch gesanglich ist der Angus Wood als Protagonist dominanter als der (deutlich indisponierte) Canio von Drobyshevskiy, der dar\u00fcber hinaus von dem \u00fcberragenden Ulf Paulsen als Tonio an die Wand gesungen wird. Ob sich der <em>Protagonist <\/em>im B\u00fchnenbetrieb durchsetzen wird, mu\u00df sich zeigen. Die Dessauer Produktion hat jedoch gezeigt, da\u00df der <em>Protagonist <\/em>musikalisch keinesfalls ein Leichtgewicht ist und durchaus mit dem <em>Bajazzo<\/em> mithalten kann. Das Publikum feierte den Versuch mit donnerndem Applaus, ein w\u00fcrdiger Beitrag zum Kurt Weill Fest.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jan-Pieter Fuhr<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Bajazzo: Canio (Sergey Drobyshevskiy), Nedda (Iordanka Derilova ) und die Schauspieltruppe landen im Ballon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Weill (1900-1950), Oper in einem Akt, Text von Georg Kaiser, UA: 1926, Dresden von Ruggero Leoncavallo (1857-1919), Drama in 2 Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 1892, Mailand Regie: Andre B\u00fccker, B\u00fchne: Oliver Proske, Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2640\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[54,1],"tags":[],"class_list":["post-2640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dessau-anhaltisches-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2640"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2643,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2640\/revisions\/2643"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}