{"id":264,"date":"2008-04-15T17:45:16","date_gmt":"2008-04-15T15:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=264"},"modified":"2008-04-15T17:45:16","modified_gmt":"2008-04-15T15:45:16","slug":"bonn-opernhaus-margarethe-%e2%80%93-faust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=264","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; MARGARETHE \u2013 FAUST"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in 5 Akten, zweite \u00fcberarbeitete Fassung 1869Libretto: von Jules Barbier und Michel Carr\u00e9 nach Johann Wolfgang von Goethe.<br \/>\nUA: 19. M\u00e4rz 1859, Paris, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique<br \/>\nRegie: Vera Nemirova, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Ulrike Kunze<br \/>\nDirigent: Wolfgang Lischke, Beethoven Orchester Bonn, Chor: Einstudierung: Sibylle Wagner<br \/>\nSolisten: Julia Kamenik (Margarethe), Arturo Martin (Faust), Martin Tzonev (Mephisto), Aris Argiris (Valentin), Kamen Todorov (Wagner), Susanne Blattert (Siebel). Anjara I. Bartz (Marthe Schwertlein),<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 13. April 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-faust.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/bonn-faust.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-faust.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/bonn-faust.jpg\" \/><\/a>Faust, im vorger\u00fcckten Alter, ist dem Ringen nach Erkenntnis m\u00fcde geworden. Er greift nach dem Giftbecher. In Unmut \u00fcber die von drau\u00dfen in seine Studierstube dringenden religi\u00f6sen Ges\u00e4nge ruft er den Satan herbei, der als Edelmann erscheint. Der Pakt um Jugend, Kraft und Hoffnung gegen die Seele des Wissenschaftlers wird beschlossen. Durch einen Trank verj\u00fcngt, begehrt er das M\u00e4dchen auf dem ihm gezeigten Bild: Margarethe. Ihr Bruder Valentin verl\u00e4sst als Soldat die Stadt. Die Studenten Siebel und Wagner versprechen auf Grete zu achten. Mephisto mischt die heitere Gesellschaft mit d\u00fcsteren Prophezeiungen auf, es kommt zum Gerangel. Faust lernt Margarethe kennen. Mephisto verschafft Schmuck. Die geschw\u00e4tzige Nachbarin redet Grete zu, ihn zu behalten. Mephisto organisiert ein erstes Treffen. Margarethe wird von Faust verlassen; sie erwartete ein Kind von ihm. Der zur\u00fcckgekehrte Valentin stellt den Verf\u00fchrer im Kampf und wird von ihm t\u00f6dlich verwundet. Mephisto f\u00fchrt Faust auf einen Berg, den Brocken im Harz, wo w\u00e4hrend der Walpurgisnacht sinnliche Gen\u00fcsse aller Art auf ihn warten. Faust hat die Vision der leidenden Margarethe und flieht mit Mephisto zu der als Kindm\u00f6rderin verurteilten Grete ins Gef\u00e4ngnis. Dem Dr\u00e4ngen des Geliebten aus der Zelle Mephisto zu folgen, kann sie, die tugendhaft Reine, nicht nachgehen. Mephistos Ausruf: \u201egerichtet\u201c schallt das himmlische \u201egerettet\u201c entgegen und Grete schwebt gen Himmel.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nIn Bonn hat man sich f\u00fcr die franz\u00f6sische Version mit deutschen \u00dcbertiteln entschieden, was die musikalische Einheit verdichtet. Die Regiearbeit der Bulgarin Vera Nemirova, einer Sch\u00fclerin Peter Konwitzschnys, l\u00e4\u00dft ein einigerma\u00dfen deprimiertes Publikum zur\u00fcck. Bedauernswert, wenn einer Regisseurin zu der delikaten Musik von Charles Gounod mitunter platte, um nicht zu sagen, hausbackene Bilder einfallen. Das erste Bild l\u00e4\u00dft noch hoffen: Faust im hohen Raum eine Turms mit Wandtafeln, die mit mathematischen Formeln \u00fcbers\u00e4t sind. Er ist ein junger Mann, der sich nicht verj\u00fcngt, sondern zum Spiegelbild  Mephistos verwandelt wird. Die Rolle von Mephisto wird dominant, er ist nicht  nur treibende, sondern auch aktiv handelnde Kraft in der Verf\u00fchrungsszene. Margarethe hei\u00dft in Bonn letztlich Faust, was diese Betonung erkl\u00e4rte. Dennoch bleibt bei Gounod, im Gegensatz zu Goethe, Margarethe die Hauptperson.<br \/>\nDer Auftritt Mephistos, in hochfahrendem, roten Ledersessel sitzend, zeigt Wirkung. \u00dcber den neuerdings in Regiearbeiten unvermeidlichen Laptop sieht Faust Margarethes Bild.<br \/>\nDie andere Seite des \u201eStudierzimmers\u201c ist das wei\u00dfe Foyer einer Pflegestation f\u00fcr Senioren, in dem Margarethe als Pflegerin arbeitet und die Banalisierung der als romantische Oper gedachten Stoffes beginnt. Das Vestib\u00fcl bleibt Kulisse bis zum vorletzten Bild, wird Schauplatz des Bacchusfestes, eine Art Weinfest mit Menschen in Lederhosen und Sch\u00fcrzenkleidchen plattesten Kolorits.<br \/>\nFaust intoniert seine Arie Sei gegr\u00fc\u00dfet reines Heim ins Foyer hinein, was einen merkw\u00fcrdigen Beigeschmack bekommt. Margarethe mit Putzeimer und Lappen im dritten Akt, h\u00e4ngt mit Gounods zauberhafter Musik ihrem Geliebten nach. Wer m\u00f6chte das so sehen?<br \/>\nDas eindringlichste Bild ist die Gebetsszene, in der Margarethe um Gottes Gnade fleht und die Gl\u00e4ubigen sich gegen Mephisto, der seine eigene, satanische Messe zu zelebrieren scheint, stellen. Valentin R\u00fcckkehr aus dem Krieg wird zu einer Miniaturparade realsozialistischer Pr\u00e4gung. Kinder mit Spielzeuggewehren, selbst der Nelkenstrau\u00df fehlt nicht. Das Bacchanal der Walpurgisnacht in wilder Gebirgslandschaft ist als aus Eimer saufende Feierrunde mit blinkenden Teufelsh\u00f6rnchen und Papph\u00fctchen zu sehen. Margarethe wirft im Hintergrund der Party das tote Kind in eine f\u00fcr k\u00fchle Getr\u00e4nke bereit gestellte Gefriertruhe. Fausts Frage Wo sind wir? stellt man sich als Zuschauer selbst.<br \/>\n<strong>Die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Julia Kamenik<\/strong> (Margarethe) war allen voran eine w\u00fcnschenswerte Besetzung, die auch schauspielerisch einiges zu bieten hatte. \u00dcber eine sch\u00f6ne Stimme verf\u00fcgt der eigentlich als zweite Besetzung vorgesehene <strong>Arturo Martin<\/strong> (Faust). Noch scheint er der gro\u00dfen Partie nicht gewachsen zu sein. <strong>Martin Tzonev<\/strong> gab als Darsteller einen satanischen Mephisto, stimmlich h\u00e4tte man sich einen profunderen Charakterba\u00df vorstellen k\u00f6nnen. Aris Argiris \u00fcberzeugte als Valentin g\u00e4nzlich, <strong>Susanne Blattert<\/strong> f\u00fcllte die Rolle Siebels voll aus, wie Kamen Todorov und <strong>Anjara I. Bartz<\/strong> die von Wagner und Marthe Schwertlein. Der Chor hatte gro\u00dfe, gelungene Szenen. Das Beethovenorchester bietet nach einer etwas erdig t\u00f6nenden Ouvert\u00fcre h\u00f6rbares Bem\u00fchen um einen leichten, romantischen Tonfall, aus dem sich in erster Linie fein artikulierte Holzbl\u00e4serstellen herauskristallisierten.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<br \/>\nBild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt Julia Kamenik (Margarethe), Arturo Martin (Faust), Martin Tzonev (Mephisto), Anjara I. Bartz (Marthe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Charles Gounod (1818-1893), Oper in 5 Akten, zweite \u00fcberarbeitete Fassung 1869Libretto: von Jules Barbier und Michel Carr\u00e9 nach Johann Wolfgang von Goethe. UA: 19. 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