{"id":2633,"date":"2011-03-15T21:52:17","date_gmt":"2011-03-15T20:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2633"},"modified":"2011-03-15T21:52:17","modified_gmt":"2011-03-15T20:52:17","slug":"orlando-furioso-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2633","title":{"rendered":"ORLANDO FURIOSO &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Antonio Vivaldi (1678.1741),\u00a0 Dramma per musica in drei Akten,\u00a0 Libretto von Grazio Braccioli nach Ariosts <em>Orlando Furioso. <\/em>UA: 15. November 1727 im Teatro Sant\u2019Angelo, Venedig<\/p>\n<p>Regie: Pierre Audi, Dramaturgie: Willem Bruls B\u00fchnenbilder und Kost\u00fcme: Patrick Kinmonth, Licht: Peter van Praet<\/p>\n<p>Dirigent: Jean-Christophe Spinosi, Orchester: Ensemble Matheus, Chor: Ch\u0153ur du Th\u00e9\u00e2tre des Champs Elys\u00e9es, Choreinstudierung\u00a0: Gildas Pungier<\/p>\n<p>Solisten: Marie-Nicole Lemieux (Orlando), Jennifer Larmore (Alcina), Ver\u00f3nica Cangemi (Angelica), Philippe Jaroussky (Ruggiero), Christian Senn\u00a0 (Astolfo), Kristina Hammarstr\u00f6m (Bradamante), Romina Basso (Medoro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung\u00a0: 12. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Orlado-Furioso.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2634\" title=\"Paris-Orlado-Furioso\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Orlado-Furioso.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Orlado-Furioso.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Orlado-Furioso-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orlando liebt Angelica, aber Angelica liebt Medoro. Doch Alcina \u00fcberzeugt Orlando, da\u00df Medoro nur Angelicas Bruder ist. Sie gibt Ruggiero einen Liebestrank, und gewinnt ihn dadurch f\u00fcr sich. Bradamante, Ruggieros Gemahlin, erscheint verkleidet. Alcina verh\u00f6hnt Astolfo. Als Ruggiero wieder zu sich kommt, st\u00f6\u00dft Bradamante ihn erst von sich, vers\u00f6hnt sich aber dann doch wieder mit ihm. Um den immer st\u00fcrmischer werbenden Orlando loszuwerden, beauftragt Angelica ihn, den Jungbrunnen zu suchen. Er findet ihn auf einem verwunschenen H\u00fcgel, aus dessen Grotte er sich erst durch ein Erdbeben befreien kann. Zur\u00fcckgekehrt sieht er, da\u00df Medoro und Angelica geheiratet haben und verw\u00fcstet alles rundherum. Astolfo, Ruggiero und Bradamante schw\u00f6ren, Alcina zu vernichten. Doch schlie\u00dflich ist es Orlando, der in einem Wahnsinnsanfall das Ungeheuer, das Alcinas Zauberstatue bewacht, t\u00f6tet und die Statue zerst\u00f6rt, wodurch Alcina ihre Zaubermacht verliert und fliehen mu\u00df. Als Orlando, genesen aus einem tiefen Schlaf, erwacht, vergibt er Medoro und Angelica.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Pierre Audi schafft f\u00fcr dieses Dramma per musica mit schwarzwei\u00dfen Barockkulissen eine durchwegs d\u00fcstere Atmosph\u00e4re. Auf der B\u00fchne Louis XV St\u00fchle und ein Tisch, gelegentlich ein wei\u00dfer Murano-Kronleuchter und Gestalten in schwarzen Barock-Gew\u00e4ndern, oft schwarz maskiert, die in stetiger Bewegung sind. Claireobscur, sp\u00e4rliche Beleuchtung, bisweilen die S\u00e4nger nur als Silhouetten gegen einen blauen oder hellbraunen Hintergrund. Sonst keine Farben. Als szenischer H\u00f6hepunkt, der dritte Akt: Ein Piranesi-inspirierter, ganz leerer Gef\u00e4ngnisraum mit hohen Ziegelw\u00e4nden, in dem die sechs Gestalten in einem abgeschirmten Raum<em> <\/em>um den umnachteten Orlando herumirren und in einer raschen Abfolge von<em> <\/em>Ariosi, Lamenti oder Cavatinen wie in Gruppentherapie ihr Seelenleid preisgeben. Nur hin und wieder werden sie aufger\u00fcttelt und hineingerissen wie Fratzen aus Goyas <em>Caprichos<\/em> in den Wahnsinnstaumel des\u00a0 in Lumpen geh\u00fcllten, barf\u00fc\u00dfigen Helden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Trotz angek\u00fcndigter Indisposition stellt <strong>Marie-Nicole Lemieux<\/strong> mit kr\u00e4ftiger, aber beweglicher<em> <\/em>Altstimme einen urw\u00fcchsigen Orlando auf die B\u00fchne, deren schauspielerische wie stimmliche Leistung in den Wahnsinnszenen im dritten Akt gipfelt. Dabei erg\u00e4nzt Vivaldi in der Raserei seines Helden die \u00fcblichen Ausdruckformen der Oper (Rezitativ und Arie) durch ein wildes Recitativo accompagnato (von Instrumenten begleitetes Rezitativ, eine Technik, die H\u00e4ndel einige Jahre sp\u00e4ter in seinem eigenen <em>Orlando<\/em> und in <em>Alcina<\/em> \u00fcbernimmt). <strong>Jennifer Larmore<\/strong> durchl\u00e4uft von der arrogant-hoheitsvoll-verf\u00fchrerischen, manipulierenden Zauberin bis zur entmachteten Versto\u00dfenen meisterhaft alle Register ihrer Rolle, obwohl ihr tiefer voller Mezzosopran sich eigentlich erst im sorgenvollen Klagegesang <em>Cosi da questi dei (11. Szene, II .Akt)<\/em> voll entfaltet. <strong>Ver\u00f3nica Cangemi<\/strong> singt und spielt die komplexe Rolle der Angelica und ist mit ihrer sch\u00f6nen klaren Sopranstimme besonders bewegend im <em>Lamento<\/em>: <em>Poveri affetti miei <\/em>(5. Szene, III. Akt). Als <strong>Philippe Jaroussky<\/strong> mit hoher glockenklarer Countertenorstimme, manchmal in nur noch gehauchtem Pianissimi<em>, <\/em>im Duett mit der Solotraversfl\u00f6te im Orchester, die Liebestrunkarie <em>Sol da te, mio dolce amore<\/em> (11. Szene 1. Akt) anstimmt, h\u00e4lt das ganze Theater den Atem an, als ob ein Wunder geschehe. <strong>Kristine Hammerstr\u00f6m<\/strong> erfreut (wie schon einige Monate zuvor im selben Theater in <em>Alcina<\/em>) wieder als Bradamante. <strong>Romina Basso<\/strong> gibt einen eleganten Medoro. Und <strong>Christian Senns<\/strong> (Astolfo) warmer lyrischer Bariton f\u00fcgt sich als einzige tiefe Stimme harmonisch in das choreographisch und musikalisch aufeinander eingespielte Ensemble. Die klare Diktion der S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen in den langen, oft komplizierten<em> <\/em>Seccorezitativen ist erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p><strong>Jean-Christophe Spinosi<\/strong> f\u00fchrt mit\u00a0 verhaltenem Schwung das <strong>Ensemble Matheus<\/strong> und die S\u00e4nger durch alle Feinheiten von Vivaldis Musik. Gerne h\u00e4tte man allerdings die Bl\u00e4ser st\u00e4rker herausgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Vivaldis <em>Orlando furioso<\/em> geh\u00f6rt zu den sp\u00e4ten Opern des Komponisten und ist, trotz der verwickelten Handlung, eine seiner bekanntesten geblieben.<\/p>\n<p>Jean-Christophe Spinosi hatte die Originalversion des Werkes schon 2003 aus den Manuskripten des Turiner Vivaldi-Archivs zusammengestellt und im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es zur Auff\u00fchrung gebracht. Ohne die reiche Vielfalt der Partitur verlorengehen zu lassen versucht er diesmal, die Musik als Spiegel der menschlichen Psyche besonders hervorzuheben. Pierre Audi und seine Kollegen unterst\u00fctzen diese Absicht, indem sie dem Werk eine b\u00fchnenwirksam d\u00fcstere Dimension gegeben, die wohl mehr die Leiden, als die Freuden der verschlungenen Liebesverh\u00e4ltnisse unterstreichen soll. Ein eindruckvoller, sehr gelungener Premierenabend.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Alvaro Yan\u00e8s<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christian Senn\u00a0 (Astolfo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Antonio Vivaldi (1678.1741),\u00a0 Dramma per musica in drei Akten,\u00a0 Libretto von Grazio Braccioli nach Ariosts Orlando Furioso. UA: 15. 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