{"id":2629,"date":"2011-03-14T21:45:58","date_gmt":"2011-03-14T20:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2629"},"modified":"2011-03-16T21:26:44","modified_gmt":"2011-03-16T20:26:44","slug":"rusalka-%e2%80%93-kiel-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2629","title":{"rendered":"RUSALKA \u2013 Kiel, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k (1841\u20131904), Lyrisches M\u00e4rchen in drei Akten, Libretto: Jaroslav Kvapil, UA: 31. M\u00e4rz 1901, Nationaltheater, Prag<\/p>\n<p>Regie: Roman Hovenbitzer, B\u00fchne: Tilo Steffens, Kost\u00fcme: Henrike Bromber, Dramaturgie: Cordula Engelbert.Dirigent: Johannes Willig, Philharmonisches Orchester Kiel, Opernchor des Theaters Kiel<\/p>\n<p>Solisten: Sung Kyu Park (Prinz), Eva Leitner (Fremde F\u00fcrstin), Ekaterina Isachenko (Rusalka), Petros Magoulas (Wassermann), Marina Fideli (Je\u017eibaba), Michael M\u00fcller (Heger), Vera Semieniuk (K\u00fcchenhilfe), \u015een Acar (1. Elfe), Heike Wittlieb (2. Elfe), Juliane Harberg (3. Elfe) und Statisterie des Theaters Kiel<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Kiel-Rusalka1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2638\" title=\"Kiel-Rusalka\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Kiel-Rusalka1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"236\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Kiel-Rusalka1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Kiel-Rusalka1-300x202.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rusalka ist in den Prinzen verliebt und m\u00f6chte um jeden Preis in seiner Welt leben. Sie l\u00e4\u00dft sich von Je\u017eibaba in einen Menschen verwandeln, doch mu\u00df sie daf\u00fcr auf ihre Stimme verzichten und kann nie wieder ein Wasserwesen werden. Der Prinz ist irritiert von Rusalkas Sprachlosigkeit und K\u00e4lte, weswegen er sich schnell der fremden F\u00fcrstin zuwendet. Rusalka ist ersch\u00fcttert von der Untreue. Die Liebe der fremden F\u00fcrstin zum Prinzen war nur Verf\u00fchrung. Der Prinz kehrt reum\u00fctig an das Wasser zur\u00fcck, doch Rusalka kann nicht verzeihen. Der Prinz bittet um t\u00f6dliche Erl\u00f6sung durch Rusalkas Ku\u00df und stirbt. Rusalka mu\u00df f\u00fcr immer Irrlicht bleiben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das erste Bild zeigt eine Grotte mit Brunnen, \u00fcber die eine Nixen-Statue wacht. Die menschliche Welt ist nur \u00fcber eine lange Leiter zu erreichen. Die Wasseratmosph\u00e4re wird durch echtes Wasser aus der Quelle und schimmernde Lichteffekte realistisch nachgestellt. Auch das bunte Treiben des Naturvolks ist ein Blickfang: die Elfen in bunten Gew\u00e4ndern und die Nixen in folkloristisch-osteurop\u00e4ischen Trachten mit Kopfbedeckungen, die an Schwanzflossen erinnern. Es gibt sogar niedliche Naturvolk-Kinder. Das zweite Bild wird durch einen transparenten Vorhang mit eindrucksvollen Bauwerken wie dem Kreml, der Freiheitsstatue und dem Empire State Building umrahmt. Die Gesellschaft des Prinzen findet sich in einem prachtvollen Raum mit Las Vegas- oder Rotlichtmilieu-Atmosph\u00e4re wieder. Auch der Chor repr\u00e4sentiert mit seinen Kost\u00fcmen ein hedonistisches Treiben: T\u00e4nzerinnen in Meerjungfrauen-Kost\u00fcmen, unversch\u00e4mte, prollige Freier und exzentrische Frauen. Ein Whirl-Pool darf auch nicht fehlen. Im dritten Bild, das mit einer B\u00fchnendrehung erscheint, bietet sich ein verarmtes Altersheim oder Auffanglager mit einem ganzen Arsenal von mehrst\u00f6ckigen Betten dar. Je\u017eibaba und die Fremde F\u00fcrstin tragen beide das gleiche pailletten-besetzte Kleid, Sonnenbrille und rauchen, was wohl kein Zufall ist.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Kapellmeister <strong>Johannes Willig<\/strong> f\u00e4ngt den tschechischen Ton melodisch \u00fcberzeugend ein und wechselt\u00a0geschickt die Stimmungen zwischen dem Natur-Motiv und dem menschlich-konventionellen Ton. Besonders sch\u00f6n gelingt das Rusalka-Motiv mit seinen Harfenarpeggien, Lieget\u00f6nen bei den Holzbl\u00e4sern und der Melodie in Fl\u00f6te und Klarinette.\u00a0<strong>Ekaterina Isachenko<\/strong> (Rusalka) verk\u00f6rpert die Figur m\u00e4dchenhaft und unschuldig, was in die Inszenierung pa\u00dft. Durch ihre russische Herkunft kann sie den osteurop\u00e4ischen Sprachduktus sehr gut artikulieren. Sie beginnt verhalten, was auch mit ihrer Charakterentwicklung gewollt inszeniert sein kann, doch sp\u00e4testens beim Lied an den Mond zeigt sie ihr ganzes K\u00f6nnen. Kein Mensch sein zu k\u00f6nnen und dennoch ihre Liebe zum Prinzen auszudr\u00fccken erreicht sie mit viel Gef\u00fchl und Dynamik in der Stimme. Als sie ihr Leid bekundet, gelingen ihr gef\u00fchlvolle Koloraturen, die einem verzweifelten Weinen so nahe kommen, da\u00df sie den Zuh\u00f6rer damit ersch\u00fcttert. <strong>Marina Fideli<\/strong> als Hexe Je\u017eibaba verk\u00f6rpert die Exzentrik mit schrillen Tonh\u00f6hen und sauberen Spr\u00fcngen. <strong>Sung Kyu Park<\/strong> (Prinz) \u00fcberzeugt mit seinem sanften gef\u00fchlvollen Tenor, er trifft jeden Ton und die Spitzent\u00f6ne sitzen. Auch in den Duetten mit Rusalka und der Fremden F\u00fcrstin gl\u00e4nzt er. Diese, dargestellt von <strong>Ev<\/strong><strong>a Leitner<\/strong>, die zum ersten Mal in Kiel ist, ist \u00e4hnlich exzentrisch wie die Hexe. Die Hinterlist und Geh\u00e4ssigkeit sind in ihrer Interpretation herauszuh\u00f6ren und ihr gemeines Lachen ist markersch\u00fctternd. <strong>Petros Magoulas<\/strong> als der Wassermann bringt eine konstante Leistung, sein Ba\u00df wirkt mit seiner stetigen Pr\u00e4senz wie der ruhende Pol auf der Szene.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum belohnt diesen Opernabend mit zun\u00e4chst verhaltenem, aber daf\u00fcr umso l\u00e4ngerem Applaus. Die exzentrische Darstellung der Spa\u00dfgesellschaft ist arg gesellschaftskritisch und macht nachdenklich. Leben wir wirklich in so einer Welt? Der Proze\u00df des Alterns ist ein gelungener Schachzug in der Inszenierung. Verst\u00e4rkt wird er durch das eindrucksvolle und detailverliebte Auffanglager-B\u00fchnenbild. Man fragt sich: Ist Rusalka wirklich gealtert oder spiegelt sich ihr menschliches Lebensleid in ihrer \u00e4u\u00dferlichen Erscheinung wieder? Knallhart-bitter, aber auch traurig-sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Frederike Arns<\/p>\n<p>Bild: Olaf Struck<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ekaterina Isachenko (Rusalka), Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k (1841\u20131904), Lyrisches M\u00e4rchen in drei Akten, Libretto: Jaroslav Kvapil, UA: 31. 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