{"id":2615,"date":"2011-03-02T22:05:56","date_gmt":"2011-03-02T21:05:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2615"},"modified":"2011-03-09T22:12:21","modified_gmt":"2011-03-09T21:12:21","slug":"anna-bolena-luzern-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2615","title":{"rendered":"ANNA BOLENA &#8211; Luzern, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Tragedia lirica in zwei Akten, Libretto: Felice Romani. UA: 1830 in Mailand, Teatro Carcano<\/p>\n<p>Regie: Tobias Kratzer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Rainer Sellmaier, Dramaturgie: Dr. Christian Kipper, Licht: G\u00e9rard Cleven<\/p>\n<p>Dirigent: Florian Pestell, Luzerner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor des Luzerner Theaters, Choreinstudierung: Lev Vernik<\/p>\n<p>Solisten: Olga Privalova (Smeton), Caroline Vitale (Giovanna Seymour), Madelaine Wibom (Anna Bolena), Flurin Caduff (Lord Rochefort), Utku Kuzuluk (Riccardo Percy), Robert Maszl (Sir Hervey), Boris Petronje (Enrico VIII)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Februar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Luzern-Anna-Bolena.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2616\" title=\"Luzern-Anna-Bolena\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Luzern-Anna-Bolena.gif\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Luzern-Anna-Bolena.gif 234w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Luzern-Anna-Bolena-200x300.gif 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Enrico und Anna sind das k\u00f6nigliche Paar, dessen Gef\u00fchle nach einigen Jahren Ehe abgek\u00fchlt sind. Enrico wei\u00df seine Macht und Stellung egoistisch zu nutzen. Seine ehemalige M\u00e4tresse Anna ist seine zweite Frau, doch dabei bleibt es nicht. Seine neue Geliebte Giovanna hat es auf den Thron abgesehen. Annas ehemaliger Geliebte Riccardo wird aus dem Exil entlassen, damit der K\u00f6nig eine Intrige einleiten und die K\u00f6nigin des Ehebruchs beschuldigt werden kann. Die Intrigen sind initiiert, so da\u00df bald die Ehefrau beim angeblichen Ehebruch ertappt, beschuldigt und sie vor Gericht gestellt wird. Unter Folter werden die Gest\u00e4ndnisse des Pagen erzwungen. Annas Rivalin Giovanna wird von reuigen Gef\u00fchlen bedr\u00e4ngt. Doch ihre Versuche, die Begnadigung der Verurteilten zu bewirken, bleiben unerh\u00f6rt. Daraufhin l\u00e4\u00dft sie das schlechte Gewissen nie mehr los. Der K\u00f6nig bleibt hart und veranla\u00dft die Enthauptung seiner Ehefrau. Das Todesurteil trifft auch ihre Gefolgschaft mit ihrem Geliebten Riccardo und ihrem Bruder Rochefort. Die Todesangst treibt Anna in den Wahn.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Orchester die Ouvert\u00fcre gestaltet, \u00f6ffnet sich der Vorhang und man bekommt zeitgen\u00f6ssisch eingerichtete Wohnr\u00e4ume einer Durchschnittsfamilie zu sehen. Die Wohnung ist nahezu ganz in wei\u00df auf zwei Ebenen angelegt. Im oberen Stockwerk befindet sich das Schlafzimmer, links unten ist der Eingangsbereich mit einer Gr\u00fcnpflanze hinter der T\u00fcr, die Bodenklappe geht zum Keller, die Garderobe mit Spiegel, eine Treppe f\u00fchrt ins Schlafzimmer. Es gibt keine K\u00fcche. Rechts im Wohnzimmer steht ein Fernseher, Tisch und St\u00fchle, ein mit B\u00fcchern \u00fcberf\u00fclltes Regal, hinten ist ein kleines Musikzimmer mit einem schwarzen Fl\u00fcgel. W\u00e4hrend des ersten Akts sind nur aktuelle Gegenst\u00e4nde und Elektronik zu sehen. Die junge Ehefrau h\u00f6rt der Ouvert\u00fcre \u00fcber Kopfh\u00f6rer zu. Der Mann hat viel zu tun, er arbeitet am Laptop, trinkt Wein. Er scheint viel unterwegs zu sein. Sie findet auf seiner Jacke ein fremdes Haar, auf einer zuf\u00e4llig entdeckten Videoaufnahme sieht sie etwas Entsetzliches. Der Page bringt Kisten mit und tr\u00e4gt Paketdienstkleidung. Per Handy werden Rendezvous vereinbart.<\/p>\n<p>Der zweite Akt beginnt im historischen B\u00fchnenbild in sp\u00e4tmittelalterlichen Kost\u00fcmen des Adels und des Henkers. Die Atmosph\u00e4re ist zauberhaft, das Licht bleibt ged\u00e4mpft, einige Fackeln brennen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester unter <strong>Florian<\/strong> <strong>Pestell<\/strong> lie\u00df stets den n\u00f6tigen Spielraum f\u00fcr das S\u00e4ngerensemble, spielte empfindsam und, wo n\u00f6tig, zur\u00fcckhaltend. Die Ch\u00f6re klangen stets kraftvoll. Einen ergreifenden Moment bot der Frauenchor mit <em>Chi pu\u00f2 vederla a ciglio asciutto <\/em><em>\u2013<\/em><em> Wer kann es mit trockenen Wimpern ansehen<\/em><em> <\/em>(2. Akt). Die Solisten nahmen mit ihrer klaren Aussprache und begeisterndem Spiel das Publikum in ihren Bann. <strong>Olga<\/strong> <strong>Privalova<\/strong> war ein lebhafter Smeton geschmeidig und farbig in ihrer klaren Stimme. In <em>Ah! Parea che per incanto <\/em><em>\u2013<\/em><em> Ach! Es schien wie ein Zauber<\/em><em> <\/em>(1. Akt). Eine gro\u00dfe Rolle hatte<strong> Madelaine<\/strong> <strong>Wibom<\/strong> (Anna) zu bew\u00e4ltigen: Gemeinsam mit <strong>Caroline<\/strong> <strong>Vitale<\/strong> (Giovanna) zeigten im Duett <em>Sul suo capo aggravi un Dio <\/em><em>\u2013<\/em><em> Es m\u00f6ge ein Gott \u00fcber seinem Haupt walten <\/em>(2. Akt) gekonnte wiegenden Koloraturen sowie gute dynamische Spielbreite <strong>Flurin<\/strong> <strong>Caduff<\/strong> (Lord Rochefort) hatte immer wieder einen anderen m\u00e4nnlichen Geliebten und demonstrierte leidenschaftlich die homosexuelle M\u00e4nnerliebe. Die lamentierende und leicht nasal klingende Stimme des <strong>Utku<\/strong> <strong>Kuzuluk<\/strong> passte sehr zur Rolle des verliebten Riccardo. Seine durchdringend kraftvolle Seite zeigte er in der gef\u00fchlsgeladenen Arie <em>Vivi tu, te ne scongiuro <\/em><em>\u2013 Lebe, ich flehe dich an<\/em> (2. Akt). <strong>Boris<\/strong> <strong>Petronje <\/strong>meisterte die undankbare Rolle als K\u00f6nig Enrico ausdauernd tapfer und der in seiner Gefolgschaft agierende <strong>Robert Maszl <\/strong>hatte diesmal auch den gnadenlosen Scharfrichter darzustellen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine Inszenierung mit vielen kritischen Hintergedanken, Gegen\u00fcberstellung der Zeiten und Sitten und vielem mehr. Es gab den feingef\u00fchrten und angenehmen Orchesterklang wie glanzvolle Koloraturen und sch\u00f6ne Singstimmen. Die Liebe zum Detail bestimmte die farbenfrohe und reichliche Ausstattung der B\u00fchne und der K\u00fcnstler. Die mehrmaligen homosexuellen Handlungen zwischen den m\u00e4nnlichen Darstellern waren eher Geschmackssacht.<\/p>\n<p>Ruta Akelyte Hermann<\/p>\n<p>Bild: Tanja Dorendorf<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Caroline Vitale (Giovanna Seymour), Madelaine Wibom (Anna Bolena)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaetano Donizetti (1797-1848), Tragedia lirica in zwei Akten, Libretto: Felice Romani. 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