{"id":2610,"date":"2011-03-08T10:06:46","date_gmt":"2011-03-08T09:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2610"},"modified":"2011-03-09T10:10:05","modified_gmt":"2011-03-09T09:10:05","slug":"macbeth-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2610","title":{"rendered":"MACBETH &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: G. Verdi, Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach <em>The Tragedy of Macbeth<\/em> (1606) von William Shakespeare UA: 1865, Paris, (Zweitfassung)<\/p>\n<p>Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Harald Thor<\/p>\n<p>Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Edgar Hykel<\/p>\n<p>Mikolaj Zalasinski (Macbeth), Lisa Houben (Lady Macbeth), Nikolai Karnolsky (Banquo), David Yim (Macduff), Kalle Kanttila (Malcolm), Isabel Blechschmidt (Kammerfrau), Michael Dudek (K\u00f6nig Duncan).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Nuernberg-Mabeth1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2612\" title=\"Nuernberg-Mabeth\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Nuernberg-Mabeth1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Nuernberg-Mabeth1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Nuernberg-Mabeth1-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Dem schottischen F\u00fcrsten Macbeth prophezeien Hexen nach einer Schlacht, da\u00df er zum neuen Than von Cawdor ernannt werden wird. Mit diesem tats\u00e4chlichen Aufstieg ist sein \u2013 und seiner Gemahlin \u2013 Ehrgeiz angestachelt, auch nach der K\u00f6nigsw\u00fcrde zu greifen. Macbeth ersticht den K\u00f6nig im Schlaf, um danach selbst gekr\u00f6nt zu werden und zusammen mit seiner Gattin eine von Angst, Mi\u00dftrauen und Terror gekennzeichnete Epoche in der schottischen Geschichte einzuleiten. Das Blut der zahllosen Opfer f\u00e4llt schlie\u00dflich auf die beiden zur\u00fcck: Lady Macbeth t\u00f6tet sich im Wahn und Macbeth wird bei einer Revolte umgebracht, kurz nachdem ihm die Sinn- und Fruchtlosigkeit seines gesamten Handelns aufgegangen ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist relativ simpel: Vier nebeneinander liegende Stahlplatten lassen sich zu einem Raum zusammensetzen und bilden einen Boden, zwei Seitenw\u00e4nde und eine Hinterwand. Sie lassen sich auch in gekippten Positionen fixieren. Eine vom Schn\u00fcrboden herabgelassene Platte bildet dabei eine Decke, bietet aber auch den best\u00e4ndig anwesenden Hexen eine Plattform, um durch ihre F\u00e4kalien mit der schottischen Gesellschaft zu interagieren. Am Anfang tragen Macbeth und Lady Macbeth wei\u00dfe unschuldige Kleidung, aber schon der Mord an Duncan f\u00fchrt zu h\u00e4\u00dflichen Flecken. Das Blut der zahllosen Opfer wird von den Hexen an den Stahlw\u00e4nden verwischt, wobei auch diese ihre Unisex-Kleidung beflecken. Die Kinderpuppen, die von Lady Macbeth zerschlagen werden und die f\u00fcr die zahllosen Morde im Auftrag Macbeths stehen, werden zuvor vom Bewegungschor geboren. Zum Schlu\u00df \u00fcberreicht Macduff zun\u00e4chst Macbeth ein B\u00e4umchen und sticht dann mit dem Messer auf ihn ein, w\u00e4hrend Malcolm zusieht. Macbeth ersticht sich, w\u00e4hrend Lady Macbeth unter einer Plastikfolie erstickt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df es den Protagonisten nicht gelingt, die inneren Gef\u00fchle der dargestellten Personen zu veranschaulichen, ist die eine Seite. Da\u00df sie aber auch stimmlich eindimensional in der Wirkung bleiben, ist etwas befremdlich und wahrscheinlich den hohen Anforderungen der Inszenierung geschuldet. Denn <strong>Mikolaj Zalasinski<\/strong> zeigt durchaus Ans\u00e4tze zu einer differenzierten Darstellung des wachsenden Wahnsinns des Macbeth, jedoch bleiben sie irgendwo im Dauerforte stecken. Da\u00df er jedoch in der Lage ist, die Partie so durchzustehen, ohne da\u00df die Stimme gepre\u00dft klingt, sondern immer geschmeidig bleibt, r\u00fcckt seine Leistung durchaus in den Bereich der Weltklasse. <strong>Lisa Houben<\/strong> (Lady Macbeth) kann \u00fcber weite Strecken mithalten, doch in der H\u00f6he und besonders im Forte kann die Stimme nur noch gepre\u00dft gef\u00fchrt werden und das Tremolo nimmt \u00fcberhand. <strong>Nicolai Karnolsky<\/strong> (Banquo) ist ein vollt\u00f6nender, fast schwarzer Ba\u00df, der auch mit einer soliden H\u00f6he gl\u00e4nzt und damit \u00fcber eine gewaltige Reichweite verf\u00fcgt. <strong>David Yim<\/strong> (Macduff) ist ein beeindruckender italienischer Tenor mit Eloquenz besonders in den hohen Lagen und kann im Finale volle Durchschlagskraft auffahren. \u00dcber viel lyrischen Wohlklang verf\u00fcgt <strong>Kalle Kanttila<\/strong>, der den Malcolm eher im deutschen Tenor-Fach ansiedelt.<\/p>\n<p>Ebenso sehr gefordert ist der Bewegungschor, der best\u00e4ndig in allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Positionen als Hexen oder schottische Edle \u00fcber die B\u00fchne wuselt. Da\u00df dabei manchmal die Einheitlichkeit der Eins\u00e4tze auf der Strecke bleibt, ist wohl unvermeidlich. Jedoch findet man, wohl wegen der guten Einstudierung durch <strong>Edgar Hykel<\/strong>, zu den gewohnten gewaltigen Klangbildern zur\u00fcck. Der einzige Gewinner des Abends ist neben Giuseppe Verdi das <strong>Orchester <\/strong>unter <strong>Guido Johannes Rumstadt<\/strong>, das in gewohnter Weise die Manierismen der italienischen Romantik zelebriert und so die tiefen Gef\u00fchlswelten des Werkes aufzeigen kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich paradox, da\u00df bei so viel auf der B\u00fchne verwischtem Theaterblut und menschlichen F\u00e4kalien aller Art, so eine blutleere Inszenierung entstanden ist. Die Beziehung zwischen den Hauptdarstellern, besonders Macbeth und Lady Macbeth, wurde kaum deutlich, genausowenig wie der fortschreitende Wahnsinn, hervorgerufen durch irrsinnige Machtgier. Daf\u00fcr waren die zahlreichen Hexen nicht furchteinfl\u00f6\u00dfend, sondern eher ansehnlich. Und das dramatische Finale, wenn Macduff ein B\u00e4umchen aus Birnam \u00fcberreicht und Malcolm mit der Axt \u00fcber der Schulter auftritt, wird mit Gel\u00e4chter quittiert. Genauso unentschlossen die Publikumsreaktion: Verhaltener Beifall f\u00fcr die musikalische Seite traf auf unentschlossene Buh-Rufer f\u00fcr eine unentschlossene Regie.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Stehen knietief im Blut: Lady Macbeth, die Hexen (und die Spitzen der Gesellschaft)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: G. Verdi, Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach The Tragedy of Macbeth (1606) von William Shakespeare UA: 1865, Paris, (Zweitfassung) Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Harald Thor Dirigent: Guido Johannes Rumstadt,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2610\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-2610","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nurnberg-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2610"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2610\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2614,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2610\/revisions\/2614"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}