{"id":2596,"date":"2011-03-03T16:24:09","date_gmt":"2011-03-03T15:24:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2596"},"modified":"2011-06-29T19:11:48","modified_gmt":"2011-06-29T18:11:48","slug":"siegfried-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2596","title":{"rendered":"SIEGFRIED &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Zweiter Tag in drei Akten des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, UA: 16. August 1876, Festspielhaus Bayreuth<\/p>\n<p>Regie: G\u00fcnter Kr\u00e4mer,\u00a0 B\u00fchne: J\u00fcrgen B\u00e4ckmann,\u00a0 Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Diego Leetz, Choreographie: Otto Pichler<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre de l\u2019Op\u00e9ra\u00a0 National de Paris<\/p>\n<p>Solisten\u00a0: Torsten Kerl (Siegfried), Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime), Juha Uusitalo (Der Wanderer), Peter Sidhom (Alberich), Stephen Milling (Fafner), Qui Lin Zhang (Erda), Elena Tsallagova (Waldvogel), Katarina Dalayman (Br\u00fcnnhilde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung\u00a0: 1. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Siegfried.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2597\" title=\"Paris-Siegfried\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Siegfried.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Siegfried.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Paris-Siegfried-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Zwerg Mime hat das Waisenkind Siegfried aufgezogen, um durch ihn, den fruchtlosen Heldenj\u00fcngling, in den Besitz des Rings der Nibelungen zu gelangen. Denn dieser\u00a0 wird weiterhin vom Lindwurm Fafner bewacht. Der Wanderer-Wotan prophezeit Mime den Tod durch Siegfrieds Schwert. Denn Siegfried beschlie\u00dft, das geborstene Wotan-Schwert seines Vaters einzuschmelzen und daraus ein neues Schwert zu schmieden, wozu Mime unf\u00e4hig war. Mit diesem neuen Schwert t\u00f6tet Siegfried dann das Ungeheuer. Dem Rat eines Waldvogels folgend, nimmt er vom Schatz der Nibelungen nur den Ring und die Tarnkappe. Er erkennt, da\u00df Mime ihn umbringen will, um in den Besitz des Rings zu gelangen, und erschl\u00e4gt den Zwerg. Da Siegfried sich einsam f\u00fchlt, erz\u00e4hlt ihm der Waldvogel von Br\u00fcnnhilde, die er aus ihrem Feuerring f\u00fcr sich gewinnen kann. Als Wotan ihm dabei in den Weg tritt, zerschl\u00e4gt er mit seinem Schwert den heiligen Speer des G\u00f6ttervaters. Die G\u00f6tterd\u00e4mmerung k\u00fcndet sich an. Siegfried durchschreitet den Flammenring und bringt mit einem Ku\u00df Br\u00fcnnhilde ins Leben zur\u00fcck. Es entbrennt ihre verh\u00e4ngnisvolle Liebe.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>G\u00fcnther Kr\u00e4mer ist eine in vielen Aspekten interessante und koh\u00e4rente Inszenierung gelungen. Doch sein Siegfried ist kein Held, sondern\u00a0 in seinem Mechanikeranzug\u00a0 ein dicklicher, b\u00e4renstarker, unbedarfter Hansdampf, so da\u00df man die Hingabe Br\u00fcnnhildes an diesen \u201eherrlichen Knaben\u201c nur noch schwer nachvollziehen kann. Und auch Mime ist kein arglistiger Zwerg, sondern ein in bunten Farben schillernder schwuler Popanz, fast eine Karnevalsgestalt. Die B\u00fchnenbilder, die Kost\u00fcme und die Choreographie illustrieren originell die Handlung: der im IKEA-Stil eingerichtete, mit vielen hohen Zimmerpflanzen geschm\u00fcckte Loft, in den der B\u00e4r durch den Aufzug hereinkommt, im Untergeschoss die industrielle \u201eSchmiede\u201c; Wotans wei\u00dfer Anzug und Mimes buntes Hemd stechen wirksam von der schwarzen Tafelwand ab; wehende bemalte Vorh\u00e4nge und entsprechende Beleuchtung als Waldlandschaft; Fafner als Warlord umgeben von S\u00f6ldnern; die Weisheits-Urmutter, in schwarzem Queen-Viktoria-Kleid, empf\u00e4ngt Wotan, in Smoking mit Zylinder, in einem dunklen Bibliothekslesesaal mit kleinen gr\u00fcnen Leselampen; und schlie\u00dflich die Schlu\u00dfszene, visuell eindrucksvoll und symbolischtr\u00e4chtig, eine riesige, b\u00fchnenf\u00fcllende Treppe, auf welcher der gebrochene Wotan von fl\u00fcgelbehelmten Walk\u00fcren nach Walhalla hinangeleitet wird, w\u00e4hrend Br\u00fcnnhilde von ihrer Bahre ins Irdische hinabsteigt.<\/p>\n<p>S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen werden den schauspielerischen Anforderungen vollauf gerecht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Philippe Jordan<\/strong> sch\u00f6pft aus allen Teilen des Orchesters meisterhaft und ohne jegliche \u00dcbertreibung die Klangfarben und Stimmungen der reichen Partitur, vom d\u00fcsteren, unheimlichen Drachenwald, \u00fcber die lyrischen Naturszenen mit Vogelgesang bis hin zur strahlend-jubelnden Schlu\u00dfszene.<\/p>\n<p><strong>Torsten Kerl<\/strong>s starker, auch in hohen Lagen klarer, wohl timbrierter Heldentenor pr\u00e4destiniert ihn f\u00fcr die Titelrolle und <strong>Katarina Dalayman <\/strong>(Br\u00fcnnhilde), die zu einer der gro\u00dfen Wagners\u00e4ngerinnen aufger\u00fcckt ist, liefern als H\u00f6hepunkt der Oper ein musikalisch strahlendes Liebesfinale <em>Selige \u00d6de auf sonniger H\u00f6h\u2019!<\/em> (3. Akt, 3. Szene). <strong>Wolfgang<\/strong> <strong>Ablinger-Sperrhacke<\/strong>s Fistelstimme und sein schauspielerisches Talent ergeben eine am\u00fcsante slapstickartige Interpretation Mimes, die im Duett mit Siegfried <em>Er sinnt und erw\u00e4gt der Beute Wert<\/em> (2. Akt, 3. Szene), witzig ausgespielt wird. <strong>Juha Uusitalo<\/strong>s (Der Wanderer) gewaltiger Bariton hat eine d\u00fcstere Dimension, besonders im Streitgespr\u00e4ch mit Siegfried <em>Dort seh\u2019 ich Siegfried nahn<\/em> (3. Akt, 2. Szene<em>)<\/em>. <strong>Stephen Milling<\/strong>s singt Fafner mit sch\u00f6nem, tiefem Ba\u00df und <strong>Peter Sidhom<\/strong>s ist ein glaubw\u00fcrdiger Alberich. <strong>Qiu Lin Zhang<\/strong>s (Erda) verschleiert durch zuviel Vibrato leider ihre sch\u00f6ne Altstimme. Warum <strong>Elena Tsallagova<\/strong>s frische, helle Waldvogelstimme hinter die B\u00fchne verbannt wurde, ist nicht klar.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Da in der heutigen Zeit Heroen kaum noch gefragt sind, haben sich G\u00fcnther Kr\u00e4mer und seine Kollegen die ungew\u00f6hnlich unbeschwerte Fr\u00f6hlichkeit wie auch das Thema der Menschwerdung der g\u00f6ttlichen Br\u00fcnnhilde in Wagners <em>Siegfried<\/em>-Libretto zunutze gemacht. Indem sie auch die anderen Personen des Dramas \u201evermenschlichen\u201c, geht das Heroische zu Grunde, aber es geht auch alles Mythische des Werkes verloren.<\/p>\n<p>Da haben sich wohl viele im Publikum an das gehalten, was Wagner selbst einer Freundin w\u00e4hrend der Urauff\u00fchrung 1876 zugefl\u00fcstert haben soll: <em>Schauen Sie doch nicht so viel! H\u00f6ren Sie zu! <\/em>Vielleicht war f\u00fcr Wagner in seinen Gesamtkunstwerken letztlich doch nur die Musik das einzig Ausschlaggebende, alles andere Nebensache. Und die Musik und ihre Interpretation standen an diesem Abend auf ganz hoher Stufe, und sie wurden r\u00fcckhaltlos gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Charles Duprat, Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt links: Torsten Kerl (Siegfried) et Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Zweiter Tag in drei Akten des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, UA: 16. 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