{"id":2588,"date":"2011-03-01T21:39:00","date_gmt":"2011-03-01T20:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2588"},"modified":"2011-03-02T21:43:09","modified_gmt":"2011-03-02T20:43:09","slug":"tamerlano-bonn-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2588","title":{"rendered":"TAMERLANO &#8211; Bonn, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym nach Agostino Graf Piovene und Ippolito Zanelli. UA: 31. Oktober 1724, King\u00b4s Theatre, London<\/p>\n<p>Regie: Philipp Himmelmann, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Katherina Kopp, Beleuchtung: Thomas Roscher<\/p>\n<p>Dirigent: Rub\u00e9n Dubrovsky, Beethoven Orchester Bonn, Continuo: Christopher Sprenger (Orgel, Cembalo), Grigory Alumyan (Violoncello), Stanislaw Gojny (Chitarrone), Ingo Klatt (Kontraba\u00df)<\/p>\n<p>Solisten: Mariselle Martinez (Tamerlano), Mirko Roschkowski (Bajazet), Emiliya Ivanova (Asteria), Antonio Giovanni (Andronico), Susanne Blattert (Irene), Sven Bakin (Leone)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Februar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Bonn-Tamelano.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2589\" title=\"Bonn-Tamelano\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Bonn-Tamelano.gif\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Bonn-Tamelano.gif 231w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Bonn-Tamelano-198x300.gif 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach blutigem Kampf hat der \u00a0Tatarenherrscher Tamerlano (historisch: Timur Lenk, 1336-1405) den besiegten t\u00fcrkischen Sultan Bajazet gefangen genommen, den nur die Gedanken an seine Tochter Asteria vom Selbstmord abhalten k\u00f6nnen. Tamerlano begehrt Asteria zur Frau, was den Vater rasend vor Wut macht. Andronico, Asterias Geliebter, sowie Irene, die versto\u00dfene Braut Tamerlanos, m\u00f6chten die Verbindung des Tataren mit der Prinzessin ebenfalls verhindern. Zum Schein geht Asteria auf das Werben ein, denn sie plant ihn umzubringen. Als sie ihr Vorhaben gesteht, droht Tamerlano, sie und ihren Vater zu t\u00f6ten. Asteria gelingt ein weiterer Anschlag auf Tamerlano. Sie mischt Gift in seinen Becher, was Irene, die weiter auf den Thron spekuliert, bemerkt und Tamerlano warnt. Bajazet, der keine Rettung mehr f\u00fcr seine Tochter und sich sieht, nimmt Gift, Asteria erdolcht sich.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Tamerlano war geschichtlich einer der gewalts\u00fcchtigsten Herrscher zu Beginn des 15. Jahrhunderts, was au\u00dfer H\u00e4ndel zahlreiche andere Komponisten inspirierte. In Bonn hat man sich f\u00fcr den Selbstmord der Asteria am Schlu\u00df entschieden; ein anderer bekannter Schlu\u00df ist, da\u00df Tamerlano Asteria verzeiht, sie mit Andronico weggehen l\u00e4\u00dft und selbst Irene zur Frau nimmt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Ouvert\u00fcre sieht man Asteria im wei\u00dfen Kleid vor einem Zwischenvorhang beim Versuch, sich zu erdolchen. Der Vorhang hebt sich und die Geschichte, die nun auch als Traum der Asteria gesehen werden k\u00f6nnte, nimmt ihren Lauf. In der Mitte der Kulisse aus schwarz-wei\u00df karierten W\u00e4nden gibt es drei Dreh-Elemente, ebenfalls mit schwarz-wei\u00dfem Dekor. Sie \u00e4ndern im Lauf der Oper ihre Position mehrfach, durch die unterschiedlichen Verh\u00e4ltnisse zueinander entsteht eine Vielfalt geometrischer Kombinationen.<\/p>\n<p>Die Protagonisten tragen barockisierende Gehr\u00f6cke. Bajazet wirkt, entsprechend seiner Situation als Gefangener, etwas derangiert. Asteria bleibt w\u00e4hrend der ganzen Oper auf der B\u00fchne. Sie steht im Handlungszentrum, nicht der Titelheld.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rub\u00e9n Dubrovsky<\/strong> schaffte es, den Klang des klein besetzten Orchesters, trotz modernen Instrumentariums (abgesehen von einem Chitarrone und Cembalo), transparent zu halten. Die Ouvert\u00fcre zeigte das ebenso wie die konzertanten Accompagnati der Arien. <strong>Mariselle Martinez<\/strong> in der Hosenrolle des Tamerlano<em> <\/em>gestaltete die koloraturfreudigen Arien der Titelpartie mit profunder Tiefe und wendiger H\u00f6he. Man hatte mit ihr eine vorbildliche Interpretin verpflichtet, die zu Recht Zwischenapplaus bekam, etwa nach ihrer grandiosen \u201eRachearie\u201c <em>Ecco il cor<\/em> \u2013 Hier, mein Herz (2. Akt). Ihre gro\u00dfartige mimische Darstellung h\u00e4tte von der Regie durch etwas barockere Gestik unterstrichen werden d\u00fcrfen. <strong>Mirko Roschkowski<\/strong> (Bajazet) spielte nicht weniger \u00fcberzeugend, nahm jedoch vor allem durch seinen sehr leichten und substanzreichen Tenor ein. <strong>Antonio Giovanni<\/strong>s (Altus) in der Rolle des <em>Andronico <\/em>wirkte sehr geschmeidig; als Darsteller blieb er jedoch statisch und mimisch vergleichsweise unspektakul\u00e4r. <strong>Susanne Blattert <\/strong>gab eine k\u00fchl berechnende Irene<em>,<\/em> die vor allem im zweiten Teil mit ihrem Alt \u00fcberzeugen konnte. Mit ihrem hellen und klaren Sopran ging <strong>Emiliya Ivanova<\/strong> an die Partie der Asteria<em> <\/em>heran. Mit Leichtigkeit meisterte sie die Koloraturen, allerdings mit deutlich mehr Vibrato, als notwendig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung war der gut umgesetzte, am barocken Vorbild orientierte Klang des Orchesters, was die instrumentale Seite reizvoll machte. Die S\u00e4nger, allen voran Mariselle Martinez und Mirko<strong> <\/strong>Roschkowski, \u00fcberzeugten im gro\u00dfen ganzen. Die Regie entt\u00e4uschte durch Stereotypien in der Personenf\u00fchrung verbunden mit der Eint\u00f6nigkeit der monochromen Kulisse. Dadurch r\u00fcckte jedoch die Musik in den Mittelpunkt. Die von der Regie erteilten schauspielerischen Anweisungen beschr\u00e4nkten sich auf den Einsatz starker Mimik und Interaktion in der frontalen Manier des Rampentheaters. Allein in der Musik und den Gesichtern der S\u00e4nger tobten starke Affekte, wie Wut, Rache, Liebe, w\u00e4hrend die Kulisse unver\u00e4ndert schwarz-wei\u00df blieb.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Theater Bonn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Emiliya Ivanova (Asteria, Vordergrund), Mariselle Martinez (Tamerlano, Hintergrund)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym nach Agostino Graf Piovene und Ippolito Zanelli. UA: 31. 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