{"id":256,"date":"2008-04-07T15:35:51","date_gmt":"2008-04-07T13:35:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=256"},"modified":"2008-04-07T15:38:24","modified_gmt":"2008-04-07T13:38:24","slug":"munchen-bayerische-staatsoper-tamerlano","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=256","title":{"rendered":"M\u00fcnchen, Bayerische Staatsoper &#8211; TAMERLANO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759); Dramma per musica in drei Akten (hier eine Strichfassung in zwei Teilen); Libretto von Nicola Francesco Haym; Urauff\u00fchrung: London 31. Oktober 1724.<br \/>\nRegie: Pierre Audi, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Patrick Kinmonth<br \/>\nDirigent: Ivor Bolton, Bayerisches Staatsorchester<br \/>\nSolisten: David Daniels (Tamerlano), John Mark Ainsley (Bajazet), Sarah Fox (Asteria), Mary-Ellen Nesi (Andronico), Maite Beaumont (Irene), Vito Priante (Leone), Stefanie Erb (Zaide, Stumme Rolle).<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 19. M\u00e4rz 2008 (Premiere 16. M\u00e4rz 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/19032008-munchen-tamerlano.jpg\" TITLE=\"19032008-munchen-tamerlano.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/19032008-munchen-tamerlano.jpg\" ALT=\"19032008-munchen-tamerlano.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Geschichte handelt vom Tatarenf\u00fcrsten Tamerlano, der seine Macht mi\u00dfbraucht, um die Frau seiner Wahl zu gewinnen und erst durch den Selbstmord des Brautvaters darauf verzichtet.<br \/>\nTamerlano hat Sultan Bajazet in der Schlacht besiegt. Seitdem werden Bajazet und dessen Tochter Asteria von Tamerlano gefangen gehalten. Der griechische Prinz Andronico, ein B\u00fcndnispartner Tamerlanos, versucht zu vermitteln, denn er und Asteria sind ein Liebespaar.<br \/>\nTamerlano, eigentlich mit der Prinzessin Irene verlobt, beschlie\u00dft, Asteria zu heiraten und Andronico zum Dank f\u00fcr seine Treue mit Irene zu verheiraten. Da Tamerlano Asteria bel\u00fcgt, Andronico w\u00fcrde freiwillig Irene heiraten, f\u00fchlt sie sich von Andronico verraten.<br \/>\nIrene ist mit dem Partnertausch nicht einverstanden. Auch Bajazet will die Verbindung seines Todfeindes Tamerlano mit seiner Tochter unbedingt verhindern.<br \/>\nAsteria gesteht Bajazet und Tamerlano, da\u00df sie den Heiratsantrag Tamerlanos nur zum Schein angenommen hat, um eine Gelegenheit zu finden Tamerlano zu t\u00f6ten. Gegen\u00fcber Tamerlano bekennt Asteria ihre Liebe zu Andronico. Da befiehlt Tamerlano, Bajazet hinzurichten und Asteria mit einem Sklaven zu verm\u00e4hlen.<br \/>\nAsteria will Tamerlano nun doch vergiften, doch Irene warnt Tamerlano davor. Der Anschlag scheitert, Bajazet trinkt stattdessen das Gift. Sterbend droht er Tamerlano mit unvers\u00f6hnlicher Rache. Tamerlano kommt dadurch zur Besinnung, bekennt sich zu Irene und verm\u00e4hlt Asteria mit Andronico.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDa war das Premierenpublikum baff. In diesem Sinn \u00e4u\u00dferten sich verschiedene Medien.<br \/>\nEine barocke Oper in M\u00fcnchen ohne Dinosaurier, Aktenkoffer, Laptops, Wasserspender, K\u00fchlschr\u00e4nke und moderne B\u00fchneneffekte. Im Gegensatz zu der bisherigen Auff\u00fchrungspraxis &#8211; begonnen unter Peter Jonas &#8211; eine radikale Umkehr. M\u00f6glich wurde das vielleicht durch die Koproduktion mit dem schwedischen Schlo\u00dftheater Drottningholm, einem noch im Originalzustand erhaltenen barocken Opernhaus. In Drottningholm hebt und senkt sich nichts hydraulisch, das geht nur mit Seilen und Muskelkraft. Sprich: all die M\u00e4tzchen, mit denen die Einf\u00e4lle des heutigen Regietheaters die geistige Denkstille ihrer Inszenierungen \u00fcberbr\u00fccken, sind hier nicht m\u00f6glich. Das Ergebnis wird meist abwertend als langweiliges Rampentheater bezeichnet, sogenannt, weil die K\u00fcnstler nur an der Rampe stehen und singen.<br \/>\nEs ist dem Regisseur <strong>Pierre Audi<\/strong> eindrucksvoll gelungen, dies als Verleumdung zu entlarven. Er benutzt eine barocke B\u00fchnenkulisse, reduziert die B\u00fchnenneigung, nutzt so die gesamte B\u00fchne als Spielort und zeigt das, was man von einem Regisseur eigentlich erwartet: Eine erstklassige Personenf\u00fchrung, die die inneren Gef\u00fchle zu einer erlebbaren \u00e4u\u00dferen Handlung macht. Es ist gelungen eine klassische \u201eVierecksgeschichte plus Schwiegervater\u201c mit allen Irrungen und Wirrungen, dem radikalen Stimmungswechsel zwischen Ha\u00df, Neid und Eifersucht, \u00fcberzeugend auf die B\u00fchne zu bringen, alles mit K\u00f6rpersprache, geschickter Positionierung der Personen zueinander. Nur ein Stuhl und ein Giftfl\u00e4schchen dienen dabei als Requisite.<\/p>\n<p>Auch musikalisch ist diese Produktion Weltklasse. Unn\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, da\u00df der Dirigent <strong>Ivor Bolton<\/strong> einer der guten Barockspezialisten unserer Tage ist und das Staatsorchester zu einer der besten Leistungen dieser Spielzeit f\u00fchrt. Ebenso st\u00fcrmisch umjubelt der Counter-Tenor <strong>David Daniel<\/strong><strong>s<\/strong> in der Titelrolle und <strong>Sarah Fox<\/strong> als Asteria. Mindestens genauso gut waren <strong>Mary-Ellen Nesi<\/strong> in der Hosenrolle der Alt-Partie des Prinzen Andronico, <strong>Maite Beaumont<\/strong> als Irene und <strong>Vito Priante<\/strong> (ein italienischer Ba\u00df mit Tiefe!) als Leone. Leider ist anzumerken, da\u00df <strong>John Mark Ainsley<\/strong> die Darstellung des schwachen alten Mannes Bajazet (eine Tenorrolle) darstellerisch und stimmlich etwas \u00fcbertrieb.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte diese Auff\u00fchrung als Kehrtwende in M\u00fcnchen herausstellen, eine Sternstunde f\u00fcr eine barockisierende Auff\u00fchrungspraxis! Es w\u00fcrde der Staatsoper M\u00fcnchen meines Erachtens gut zu Gesicht stehen, wenn sie mehr solcher Produktionen im Programm. Hoffen wir das beste!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Wilfried H\u00f6sl<br \/>\nDas Bild zeigt David Daniels (Tamerlano), John Mark Ainsley (Bajazet), Sarah Fox (Asteria)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759); Dramma per musica in drei Akten (hier eine Strichfassung in zwei Teilen); Libretto von Nicola Francesco Haym; Urauff\u00fchrung: London 31. Oktober 1724. Regie: Pierre Audi, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Patrick Kinmonth Dirigent: Ivor Bolton, Bayerisches Staatsorchester Solisten: David<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=256\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[33],"tags":[],"class_list":["post-256","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-munchen-staatsoper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=256"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/256\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}