{"id":254,"date":"2008-04-07T15:24:35","date_gmt":"2008-04-07T13:24:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=254"},"modified":"2008-04-07T15:37:32","modified_gmt":"2008-04-07T13:37:32","slug":"stuttgart-staatsoper-la-juive-die-judin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=254","title":{"rendered":"Stuttgart, Staatsoper &#8211; LA JUIVE (DIE J\u00dcDIN)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862); Grand Opera in f\u00fcnf Akten; Text: Eug\u00e8ne Scribe; Urauff\u00fchrung: 23. Februar 1835 Paris<br \/>\nRegie: Jossi Wieler\/Sergio Morabito, B\u00fchnenbild: Bert Neumann, Kost\u00fcme: Nina von Mechow<br \/>\nDirigent: S\u00e9bastien Rouland, Staatsorchester Stuttgart<br \/>\nSolisten: Catriona Smith (La Princesse Eudoxie), Tatiana Pechnikova (Rachel), Chris Meritt (\u00c9l\u00e9azar), Liang Li (Le Cardinal de Brogni), Ferdinand von Bothmer (L\u00e9opold), Karl-Friedrich D\u00fcrr (Ruggiero), Christoph Soler (Albert), Sebastian Bollacher (Ausrufer)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 16. M\u00e4rz 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/160308-la-juive.jpg\" TITLE=\"160308-la-juive.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/160308-la-juive.jpg\" ALT=\"160308-la-juive.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Vorgeschichte in Rom: Der j\u00fcdische Goldschmied \u00c9l\u00e9azar hat die Tochter des Magistrats Brogni aus den Flammen gerettet. Zuvor hatte er durch de Brogni seine S\u00f6hne im Feuer verloren. Er zieht das M\u00e4dchen ohne dessen Wissen als seine eigene Tochter Rachel im j\u00fcdischen Glauben auf. Brogni, nunmehr zum Kardinal aufgestiegen, ist 1414 nach Konstanz gekommen, um das Konzil zu er\u00f6ffnen.<br \/>\nWeil er durch seine H\u00e4mmerarbeit die Ruhe der Konzilser\u00f6ffnung st\u00f6rt, fordert Ruggiero den Tod f\u00fcr ihn und seine Tochter als Ketzer. Brogni begnadigt sie, den Handschlag verweigert der verbitterte \u00c9l\u00e9azar jedoch. Rachel hat sich in einen Mann verliebt, der vorgibt, Jude zu sein, in Wirklichkeit aber der christliche Reichsf\u00fcrst L\u00e9opold ist, der mit Eudoxie, der Nichte des Kaisers, verheiratet ist. Als sie dies erkennt, beschuldigt Rachel ihren Geliebten mit ihr eine verbotene Beziehung zu haben. Kardinal de Brogni verurteilt das Liebespaar und El\u00e9azar zum Tode. Rachel l\u00e4\u00dft sich durch die flehentliche Bitte von Eudoxie zur Zur\u00fccknahme ihrer Anschuldigung gegen L\u00e9opold \u00fcberreden und erwirkt damit seine Begnadigung. Sie selbst k\u00f6nnte durch Konvertierung zum christlichen Glauben sich retten, aber sie entscheidet sich f\u00fcr den gemeinsamen Tod mit ihrem vermeintlichen Vater. Im Augenblick ihres grausamen Todes enth\u00fcllt El\u00e9azar Rachels wahre Identit\u00e4t: Sie ist de Brognis verloren geglaubte Tochter. W\u00e4hrend El\u00e9azar triumphierend in den Tod geht, bricht Brogni zusammen.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Urauff\u00fchrung der J\u00fcdin am 23.Februar 1835 gilt neben Meyerbeers Robert der Teufel und Hugenotten als Geburtsstunde der Form der Grand Opera in Paris. In der Inszenierung der Stuttgarter Oper steht die innere Handlung im Mittelpunkt, d.h. das Beziehungsgeflecht zwischen den Juden \u00c9l\u00e9azar und Rachel sowie dem katholischen Kardinal de Brogni auf der einen Seite und zwischen Rachel, Eudoxie und Leopold (klassische Dreiecksbeziehung) auf der anderen Seite.<br \/>\nEin sehr interessanter Ansatz, dem man schwerlich in allen Details gerecht werden kann, der innere Kampf \u00c9l\u00e9azars zwischen pers\u00f6nlicher Rache und religi\u00f6sen Gef\u00fchlen ist vom Komponisten m.E. nicht eindeutig gel\u00f6st. Aber dem Team Wieler\/Morabito gelingt \u00fcber weite Strecken eine glaubw\u00fcrdige Darstellung durch die klare Zeichnung der Charaktere und ihrer inneren Gef\u00fchle. Gut gelungen ist die Darstellung des inneren Kampfes von \u00c9l\u00e9azar: Er r\u00e4cht sich am Ende an de Brogni, indem er Rachel und sich erschie\u00dft. Also keine Verbrennung, wie Hal\u00e9vy es vorgesehen hat.<br \/>\nDer Wutanfall Rachels als sie das doppelte Spiel Leopolds durchschaut ist zeichnet das Regieteam au\u00dferordentlich gekonnt, das Musterbeispiel einer Personenregie, ebenso wie die Darstellung Leopolds, als feiger L\u00fcstling ohne Charakter und ohne F\u00e4higkeit konsequent zu bleiben (ihm unterl\u00e4uft sogar der Fehler, w\u00e4hrend des j\u00fcdischen Passahfestes das Kreuz zu schlagen!). Als Rachel ihn vor Eudoxie zur Rede stellen will, bricht er zusammen.<br \/>\nAber, wie gesagt, f\u00fcr die Darstellung dieses inneren Kampfes gibt man eine glaubw\u00fcrdige Rahmenhandlung auf. Zwar ist der Ansatz eines Historienspieles \u201eKonzil von Konstanz\u201c faszinierend, aber im Verlauf eines Historienspieles ist ein mehrmaliger \u00dcbergriff einer ganzen Stadt auf \u201eandersartige\u201c Mitb\u00fcrger, nur weil sie sonntags arbeiten, nicht glaubhaft und f\u00fchrt die Ziele dieser Oper ins Abseits.<br \/>\nHingegen ist es ein Verdienst dieser Produktion, da\u00df sie das Werk Hal\u00e9vys fast vollst\u00e4ndig wiedergibt. Erhalten geblieben sind auch die typischen Ballett-Einlagen, im ersten Akt beim Einzug in die Kirche und im dritten Akt (sogar zusammen mit der meist gestrichenen Pantomime!) als Eroberung Jerusalems, dargestellt durch ein Kinderballett, das so schrecklich unbeholfen wirkt, da\u00df es schon wieder \u00fcberzeugend ist.<br \/>\nAuch der hervorragend disponierte Chor wird in den Auftritten gl\u00e4nzend choreographiert.<br \/>\nNicht ganz so viel Glanz verbreitet die S\u00e4ngerriege. Ferdinand von Bothmer belegt eindrucksvoll, was passiert, wenn man die m\u00f6rderische Partie des Leopold untersch\u00e4tzt: Er verf\u00fcgt zwar \u00fcber eine sehr sch\u00f6ne Mittellage, jedoch die H\u00f6hen erreicht er nur mit Gewalt. Dagegen kann <strong>Chris Meritt<\/strong> in der \u201eleichteren\u201c Partie des \u00c9l\u00e9azar gl\u00e4nzen: Ein Charaktertenor mit viel Volumen und \u00dcberzeugungskraft auch im dramatischen Bereich. Ebenso st\u00fcrmisch gefeiert wurden zu Recht<strong> Tatiana Pechnikova<\/strong> als Rachel und <strong>Catriona Smith<\/strong> als Prinzessin Eudoxie. <strong>Liang Li<\/strong> f\u00fchrt die Rolle des Kardinals auf eine Nebenrolle zur\u00fcck.<br \/>\nEin weiterer Glanzpunkt des Abends ist das Orchester des Hauses unter der Leitung von <strong>Sebastien Rouland<\/strong>, dem es gelingt, mit viel franz\u00f6sischem Esprit die Klangvielfalt der Musik Halevys den heutigen H\u00f6rgewohnheiten anzupassen. Eine Referenzeinspielung!<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin gro\u00dfartiger Abend also, mit gemischten Leistungen. Aber es sind solche Abende, denen es gelingt, die Grand Opera auf die B\u00fchnen unserer Tage zur\u00fcckzubringen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: Martin Sigmund<br \/>\nDas Bild zeigt Tatiana Pechnikova (Rachel) und Chor der Staatsoper Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862); Grand Opera in f\u00fcnf Akten; Text: Eug\u00e8ne Scribe; Urauff\u00fchrung: 23. 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