{"id":2531,"date":"2011-02-15T21:17:38","date_gmt":"2011-02-15T20:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2531"},"modified":"2011-02-20T21:27:13","modified_gmt":"2011-02-20T20:27:13","slug":"die-reise-nach-reims-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2531","title":{"rendered":"DIE REISE NACH REIMS &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Drama giocoso in einem Aufzug, Libretto: Luigi Balocchi, UA: 1825, Paris<\/p>\n<p>Inszenierung: Laura Scozzi, B\u00fchne: Barbara de Limburg<\/p>\n<p>Dirigent: Philipp Pointner, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Edgar Hykel, Tanzensemble, Zauberer Cartini<\/p>\n<p>Solisten: Karen Frankenstein (Corinna), Monika Walerowicz (Marquise Melibea), Nicole Chevalier (Gr\u00e4fin von Follevill), Ania Vegry (Madame Cort\u00e8se), Ivan Tur\u0161i\u0107 ( Chevalier Belfiore), Sung- Keun Park (Graf von Libenskof), Tobias Schabel (Lord Sidney), Frank Schneiders (Don Profondo), Shavleg Armasi (Baron von Trombonok)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Februar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/N\u00fcrnberg-Reise-nach-Reims.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2532\" title=\"N\u00fcrnberg-Reise-nach-Reims\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/N\u00fcrnberg-Reise-nach-Reims.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/N\u00fcrnberg-Reise-nach-Reims.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/N\u00fcrnberg-Reise-nach-Reims-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Verschiedene Personen aus aller Herren L\u00e4nder sind auf dem Weg zu den Kr\u00f6nungsfeierlichkeiten Karls X. in Reims (1824) und steigen in Plombi\u00e8res in Madame Cort\u00e8ses Badehotel <em>Zur goldenen Lilie<\/em> ab. Die sich hier begegnenden Menschen werden Liebespaare, begehren sich oder nutzen jeden denkbaren Anla\u00df zu einer musikalischen virtuosen Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferung. Da stellt sich heraus, da\u00df in ganz Plombi\u00e8res keine Kutschpferde mehr zu bekommen sind. Da sie nicht daher zu den Kr\u00f6nungsfeierlichkeiten reisen k\u00f6nnen, feiern sie auf Anregung von Madame Cort\u00e8se ein gro\u00dfes Fest f\u00fcr den K\u00f6nig, zu dem jeder der G\u00e4ste eine musikalische Kostprobe aus seiner Heimat beitragen soll. Lob und Preis Frankreichs und seines neuen K\u00f6nigs beenden das Fest.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zur Bebilderung des Vorspieles gr\u00fc\u00dfen die EU-Staatenlenker winkend ins Publikum. Da ist z.B. Angela Merkel im braunen Kleid, die englische K\u00f6nigin mit Diadem, der griechische Ministerpr\u00e4sident, der einen Koffer mit Euros an sich nimmt, w\u00e4hrend Berlusconi und sein M\u00e4nnerfreund Putin sich lieber mit drei jungen Damen besch\u00e4ftigen. Die S\u00e4nger-Darsteller sind Abziehbilder der jeweiligen Nationen, besonders beim Hymnen-Defilee \u2013 so erh\u00e4lt der deutsche Vertreter Wagner-Koteletten, Pickelhaube und Mercedes-Auto-Lenkrad. Die Handlung ist ins heutige Europa, in die \u00fcberbordende EU-B\u00fcrokratie (eine Persiflage des Papierkriegs, der in der Ablage PK (Papierkorb) endet) verlegt, die blaue Farbe der EU-Fahne ist dominierend: Auf blauem Boden agitieren blaugekleidete EU-Angestellte, werden vielerlei Dekorationen aufgestellt, die blitzschnell auf- und abgebaut oder verschoben werden. So entstehen in atemberaubendem Tempo Hotellobby, Fitne\u00dfstudio, Fernsehstudio (inklusive Pr\u00fcgelei der Politiker) , EU-B\u00fcror\u00e4ume mit Rollcontainern, ein Flughafen mit Rolltreppe \u2013 der Flug entf\u00e4llt wegen eines Streiks der Air France. Und zum Schlu\u00df m\u00fcssen Corinna alias Carla Bruni und Karl X. alias Nicolas Sarkozy sich mit Steine werfenden Demonstranten herumschlagen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Rossini komponierte f\u00fcr diese Oper technisch anspruchsvolle Arien, Ch\u00f6re und Solistenensembles \u2013 so m\u00fcssen 16 Solisten entweder einzeln, im Dialog oder im Ensemble auftreten. H\u00f6hepunkt ist das Betroffenheitsfinale f\u00fcr bis zu 14 Stimmen. <strong>Heidi Elisabeth Meier<\/strong> (Madame Cortese) mimt die \u00fcbermotivierte EU-B\u00fcroleiterin. Mit ihrem schweren Koloratursopran trifft sie die beachtlichen Tonspr\u00fcnge exakt. F\u00fcr die am\u00fcsante Jodelnummer \u00a0\u2013 Jodeln trifft Belcanto \u2013 gibt es Szenenapplaus. <strong>Leah Gordon<\/strong> (Follevill) ist ein jugendlich leichter Sopran mit gro\u00dfer Reichweite, auch wenn sie in den h\u00f6heren Lagen etwas zu stark tremoliert. <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> (Corinna) hat ihren gro\u00dfen Auftritt mit dem Hymnus auf Karl X. Sie nimmt ihren eloquenten Koloratursopran zur\u00fcck und imitiert die leise Erz\u00e4hlstimme der Carla Bruni. <strong>Tilman Lichdi<\/strong> (Belfiore) ist ohne Zweifel der Star des Abends \u2013 auf der M\u00e4nnerseite. Er ist ein lyrischer Tenor der alten Schule mit viel Ausdruckskraft \u2013 Frauenherzen ersingt er sich ohne jede M\u00fche. <strong>Martin Nyvall<\/strong> (Libenskof) hat einen beweglichen Tenor um Details ausdrucksstark zu gestalten. <strong>Vladislav Solodyagin<\/strong> (Trombonok) ist ein fulminanter Ba\u00dfbuffo. Der Chor zeigt sich wie immer unter der Leitung von Edgar Hykel bestens disponiert und schafft es nebenbei noch \u00fcber die B\u00fchne zu wuseln, da\u00df es eine wahre Freude ist. Als Vorspiel zum zweiten Teil wird der zweite Satz aus Haydns Kaiserquartett angespielt. Zum Zeitpunkt der Komposition 1825 war sie die \u00f6sterreichische Kaiserhymne, was bezeichnend ist f\u00fcr das Deutschlandbild in Frankreich, erst ab 1841 kannte man sie auch als das Lied der Deutschen. Die Nationalhymnen werden von <strong>Philipp Pointner<\/strong> ohne Pathos zelebriert und der Hymnus auf Karl X. bildet einen begl\u00fcckenden Abschlu\u00df des musikalisch mitrei\u00dfenden Abends.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Mit viel Liebe zum Detail, einer durchdachten Choreographie der Tanz- und Chorauftritte und viel Humor wird aus einer Oper ohne stringente Handlung ein bunter Opernabend inklusive Politik-Kabarett zum Schenkelklopfen f\u00fcr die ganze Familie. Die eine H\u00e4lfte des N\u00fcrnberger Publikums feierte <strong>Laura Scozzi<\/strong> lautstark, die andere H\u00e4lfte hielt mit Buh-Rufen dagegen. Eine break-tanzende Angela Merkel oder eine nackte englische Queen waren vielleicht doch des Guten zu viel. Allein die musikalische Seite hat das Publikum unstrittig als Sternstunde f\u00fcr Rossini gefeiert. Unbedingt anh\u00f6renswert!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Lord Sidney (Kurt Schober) hat sein eigenes Traumbild von seiner Queen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gioacchino Rossini (1792-1868), Drama giocoso in einem Aufzug, Libretto: Luigi Balocchi, UA: 1825, Paris Inszenierung: Laura Scozzi, B\u00fchne: Barbara de Limburg Dirigent: Philipp Pointner, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Edgar Hykel, Tanzensemble, Zauberer Cartini Solisten: Karen Frankenstein<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2531\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-2531","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nurnberg-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2531"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2535,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531\/revisions\/2535"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}