{"id":251,"date":"2008-04-07T12:21:21","date_gmt":"2008-04-07T10:21:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=251"},"modified":"2008-04-07T12:23:57","modified_gmt":"2008-04-07T10:23:57","slug":"greifswald-theater-vorpommern-fidelio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=251","title":{"rendered":"Greifswald, Theater Vorpommern &#8211; FIDELIO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven, Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Text von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach der Oper L\u00e9onore ou l\u2019amour conjugal von Pierre Gaveaux und Jean Nicolas Bouilly UA (3. Fassung): 1814 Wien<br \/>\nInszenierung: Anton Nekovar B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Sabine Lindner<br \/>\nDirigent: Mathias Husmann, das Philharmonische Orchester Vorpommern, Singakademie Stralsund und der Opernchor des Theaters Vorpommern, Einstudierung: Thomas Riefle, G\u00fcnther Wolf<br \/>\nSolisten: Anna Ryan (Leonore \/ Fidelio), Michael Renier (Florestan), Benno Remling (Don Pizarro), Bernhard Leube (Rocco), Eva Resch (Marzelline), Noriyuki Sawabu (Jaquino), Bryan Rothfuss (Don Fernando), Bernd Roth (Erster Gefangener), Volker-Johannes Richter (Zweiter Gefangener)<br \/>\nBesuchte Vorstellung:  5. April 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/fidelio.jpg\" TITLE=\"fidelio.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/fidelio.jpg\" ALT=\"fidelio.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Marzelline, Tochter des Gef\u00e4ngnisw\u00e4rters Rocco, liebt den Gehilfen Fidelio, der sich durch Flei\u00df und Geschick auszeichnet. Tats\u00e4chlich handelt es sich bei ihm jedoch um eine verkleidete Frau, Leonore, die sich in das Gef\u00e4ngnis eingeschlichen hat, um Kontakt zu ihrem Gatten Florestan, einem politischen Gefangenen, der seit Jahren im tiefsten Verlie\u00df sitzt, zu bekommen. Als eine k\u00f6nigliche Inspektion des Gef\u00e4ngnisses angek\u00fcndigt wird, entschlie\u00dft sich der Gouverneur Don Pizarro, der Florestan widerrechtlich festhalten l\u00e4\u00dft, Florestan zu t\u00f6ten, um seinen gef\u00e4hrlichsten Widersacher aus dem Weg zu r\u00e4umen. Dank des Vertrauens des Gef\u00e4ngnisw\u00e4rters Rocco darf Leonore zu ihrem Gatten herabsteigen, gerade im rechten Moment, um ihm das Leben zu retten. Don Fernando, der Abgesandte des K\u00f6nigs, trifft in diesem Moment ein, nimmt Pizarro gefangen, verspricht eine Aufarbeitung von dessen tyrannischer Herrschaft und entl\u00e4\u00dft Florestan in die Freiheit.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie f\u00fcr Greifswalder Verh\u00e4ltnisse aufwendig ausgestattete Inszenierung des Intendanten Anton Nekovar ist, das mu\u00df man vorab sagen, als sehr gelungen zu bezeichnen. Sie macht den Genrewechsel, der im Text des ersten Akts angelegt ist, durch einen originellen Einfall deutlich: Wenn der Vorhand sich \u00f6ffnet, bietet sich ein Bild wie in einer Inszenierung des 19. Jahrhunderts: Bemalte Leinw\u00e4nde zeigen das Gef\u00e4ngnisgeb\u00e4ude im Hintergrund, davor singen die Solisten im historischen Kost\u00fcm. Das ber\u00fchmte kanonische Quartett Mir ist so wunderbar wurde durch die Lichtregie und eine musikalisch fein abgestimmte Vortragsweise aller Beteiligten sehr deutlich und durchh\u00f6rbar.<\/p>\n<p>Dann, w\u00e4hrend des Terzetts Gut, S\u00f6hnchen, gut \u00e4ndert sich das Bild vollst\u00e4ndig. Von der Decke werden eine Vielzahl von Uniformen herabgelassen, aus denen sich die drei Solisten schwarze Jacken mit der Aufschrift \u201eSecurity\u201c heraussuchen. Die Leinw\u00e4nde werden hochgezogen, und wir befinden uns f\u00fcr den Rest des Abends im 21. Jahrhundert, genauer: in einem Gef\u00e4ngnis des 21. Jahrhunderts: Steril und klinisch geht es hier zu, kahle W\u00e4nde, kaltes Neonlicht.<\/p>\n<p>Ein Gefangenenchor in orangefarbenen Uniformen singt von einer Einheit mit Maschinengewehren bewacht. Diese Einheit besteht aus jungen M\u00e4nnern im Outfit privater Wachdienste, woran wir uns in den letzten Jahrzehnten gew\u00f6hnt haben. Der Bezug auf das Foltergef\u00e4ngnis von Guant\u00e1namo ist sofort deutlich \u2013 und die zeitlose Aktualit\u00e4t von Beethovens Oper wird ein weiteres Mal eindrucksvoll belegt. Politische Gefangene, f\u00fcr die kein Recht gilt, geh\u00f6ren \u2013 wie vor 200 Jahren \u2013 zu unserer Realit\u00e4t. Hier regiert ein eleganter und eiskalter Don Pizarro, \u00fcberzeugend dargestellt von<strong> Benno Remling<\/strong>, einem der besten Akteure des Opernensembles. Florestan wird in einem unterirdischen Hochsicherheitstrakt verwahrt, seine Verzweiflung wirkt bedr\u00fcckend realistisch. Die lange Schlu\u00dfszene mit gro\u00dfem Chor, die wegen ihres utopischen Gehalts schwer umzusetzen ist, gelang szenisch und vor allem musikalisch. <strong>Das Philharmonische Orchester Vorpommern<\/strong> brachte Beethovens Musik souver\u00e4n und mit Verve zum Erklingen, und das in der sehr trockenen, keinen Fehler kaschierenden Akustik des Greifswalder Theaters. Das vor gut einem Jahrzehnt durch Fusion entstandene Orchester hat seit dem Engagement <strong>Mathias Husmann<\/strong>s eine erfreuliche Entwicklung genommen. Was die musikalische Leistung der Solisten angeht, darf man nat\u00fcrlich nicht das Niveau eines Gro\u00dfstadttheaters erwarten. Zwar verf\u00fcgen <strong>Anna Ryan<\/strong> (Fidelio) und <strong>Michael Renier<\/strong> (Florestan) \u00fcber sehr kr\u00e4ftige, klangvolle Stimmen, doch wirkte vor allem Reniers Einsatz seiner Mittel unausgeglichen, beinahe so, als w\u00fcrde er zu sehr an die Verh\u00e4ltnisse eines gro\u00dfen Hauses gew\u00f6hnt sein. Mitunter war das Orchester bei seinen Fortissimo-Eins\u00e4tzen nicht mehr zu h\u00f6ren, und seine Aussprache des Deutschen ist leider noch nicht sehr deutlich. Daf\u00fcr aber meisterte er die gef\u00fcrchtete Schlu\u00dfstretta seines Monologs Zur Freiheit, zur Freiheit vollauf. <strong>Anna Ryan <\/strong>verf\u00fcgt wie er \u00fcber eine sehr solide Technik, die sie mit Sicherheit auch im hochdramatischen Fach mit Erfolg einsetzen kann. Am schw\u00e4chsten war die s\u00e4ngerische Leistung von <strong>Bryan Rothfuss<\/strong> (Don Fernando). Darstellerisch gingen die Solisten und Choristen ganz in der ihnen von der Regie gestellten Aufgabe auf. Szenen- und ein langer Schlu\u00dfbeifall lie\u00dfen keinen Zweifel daran, da\u00df diese Produktion vom Publikum mehr als dankbar angenommen wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch wird eine \u2013 f\u00fcr ein kleines Theater \u2013 ordentliche Leistung geboten, vom Orchester sogar eine sehr gute, dazu eine Inszenierung mit Tiefgang und weit \u00fcber dem Durchschnitt vergleichbarer H\u00e4user. Kleine B\u00fchne, gro\u00dfer Wurf!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<br \/>\nBild:Theater Vorpommern<br \/>\nDas Bild zeigt Anna Ryan (Leonore \/ Fidelio), Michael Renier (Florestan)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven, Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Text von Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach der Oper L\u00e9onore ou l\u2019amour conjugal von Pierre Gaveaux und Jean Nicolas Bouilly UA (3. 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