{"id":249,"date":"2008-04-06T15:31:23","date_gmt":"2008-04-06T13:31:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=249"},"modified":"2008-04-06T15:31:23","modified_gmt":"2008-04-06T13:31:23","slug":"paris-opera-bastille-parsifal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=249","title":{"rendered":"Paris, Op\u00e9ra Bastille &#8211; PARSIFAL"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Musik und Text von R Wagner, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten (1882)<br \/>\nUrauff\u00fchrung: Bayreuther Festspiele, 26. Juli 1882<br \/>\nDirigent: Hartmut Haenchen, Orchester und Chor der Op\u00e9ra National de Paris, Regie: Krzysztof Warlikowski, Ausstattung\/Kost\u00fcme: Malgorzata Szczesniak, Licht: Felice Ross, Chor: Winfried Maczewski.<br \/>\nAlexander Marco-Buhrmester (Amfortas), Victor von Halem (Titurel), Franz Josef Selig (Gurnemanz), Evgeny Nikitin (Klingsor), Waltraud Meier (Kundry), Christopher Ventris (Christopher Ventris), Gunnar Gudbj\u00f6rnsson, Scott Wilde (Zwei Gralsritter), Hye-Youn Lee, Louise Callinan, Jason Bridges, Bartlomiej Misiuda (Vier Knappen), Adriana Kucerova, Val\u00e9rie Condoluci, Cornelia Oncioiu, Yun-Jung Choi, Marie-Adeline Henry, Louise Callinan (Zauberm\u00e4dchen), Cornelia Oncioiu (Eine Altstimme aus der H\u00f6he), Der Begleiter (Renate Jett)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 11.3. 2008 (Premiere 4. M\u00e4rz 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"paris-parsifal.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/paris-parsifal.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"paris-parsifal.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/paris-parsifal.jpg\" \/><\/a>Die Musik bleibt die Hauptsache: allen S\u00e4ngern voran steht die grandiose <strong>Waltraud Meier<\/strong>. Aus der Symbolfigur Kundry macht sie mit ihrem ausgereiften, dramatisch wie lyrisch erf\u00fcllten Sopran einen psychologisch wie vokal belichteten Menschen. Kundry tr\u00e4gt Gr\u00fcn: auch sie ist die Hoffnung (es ist kein Zufall, da\u00df zu Beginn per Video \u201eLiebe\u201c und \u201eGlaube\u201c geschrieben und ausgestrichen, schlie\u00dflich aber, in sozusagen \u201efalscher\u201c Reihenfolge, die \u201eHoffnung\u201c stehenbleibt). Der Gurnemanz des Franz Josef Selig, <strong>Alexander Marco-Buhrmester<\/strong>s kr\u00fcckenbewehrter Amfortas, <strong>Evgeny Nikitin<\/strong>s deutlicher Klingsor und <strong>Viktor von Halem<\/strong>s ba\u00dfsch\u00f6ner Titurel agieren auf demselben hohen Niveau, das ihnen die Auserlesenheit der orchestralen Deutung auferlegt. <strong>Christopher Ventris<\/strong>, der zuk\u00fcnftige Bayreuther Parsifal, besitzt eine feine Timbrierung zumal im lyrischen Bereich, die wunderbar zur metaphysische angehauchten Stimmung dieser Auff\u00fchrung pa\u00dft. Die S\u00e4ngerdarsteller lassen die die gelegentlich im Banalen versandende gebende Regie meist vergessen.<br \/>\n<strong>Der Dirigent<\/strong><br \/>\nWarum dirigiert<strong> Hartmut Haenchen<\/strong> eigentlich nicht bei den Bayreuther Festspielen? Diese Frage mu\u00dften sich all jene stellen, die das musikalisch ph\u00e4nomenale Ereignis dieses Parsifal erleben durften. Eine derartige Ausleuchtung der Partitur, die zugleich das kammermusikalisch Klare wie metaphysisch D\u00fcstere betont, ist selten zu erleben. Hier war alles Klang. Es stimmt durchaus nicht, da\u00df Parsifal aus dem verdeckten Graben am besten klingt. Wagners Moderne wird offenkundig, wenn die geteilten Streicher, die versetzten Rhythmen und die impressionistischen Harmonien und F\u00e4rbungen unverstellt erklingen \u2013 und dies bei einem z\u00fcgigen, doch niemals \u00fcberhasteten Tempo. Nur, da\u00df Haenchen auf die Br\u00fcche, die Irritationen einer angeblich \u201estatischen\u201c Partitur hinweist, um aus dem B\u00fchnenweihfestspiel das packende, transzendentale Drama zu machen, das in ihm drinsteckt.<br \/>\n<strong>Die Inszenierung<\/strong><br \/>\nDieser Parsifal arbeitet mit den Symbolen des anatomischen Theaters (hier sitzt die \u201eGesellschaft des Grals\u201c, um Amfortas zu studieren) und der verd\u00f6rrten Erde. Drei Sektionstische werden zum Tisch des Abendmahls, Gurnemanz erscheint wie ein konservativer Abgeordneter einer alten, franz\u00f6sischen, demokratischen Partei. G\u00e4be es eine reale Spielzeit, so bef\u00e4nden wir uns in den zwanziger bis sp\u00e4ten vierziger Jahren, also der Zwischen- und Nachkriegszeit. Urspr\u00fcnglich wollte die Regie einschl\u00e4gige Filmausschnitte von Leni Riefenstahl und S.M. Eisenstein (Alexander Njewsky) bringen, um dem Werk eine betont antideutsche Position aufzuoktroyieren; es blieb, nach Einspruch der Intendanz, vor Beginn des Vorspiels zum dritten Akt bei einem kurzen Ausschnitt aus Rosselinis Deutschland, Stunde Null \u2013 die dramaturgisch \u00fcberlegte Zugabe (ein Junge l\u00e4uft, wie ein kleiner Parsifal, durch das zerst\u00f6rte Berlin und st\u00fcrzt sich in den Tod) ist eine Zumutung f\u00fcr das Publikum, das mit unmusikalischem Get\u00f6se antwortet. Doch ist der Durchgang durch die Generationen sinnvoll: der Junge und eine auf alt getrimmte, edelschwarze \u201eBegleiterin\u201c, die vor dem Finale im Dunkel wie der Gralschor verschwindet, begleiten uns durch die Akte, in denen wir Freudenm\u00e4dchen aus dem Maxim\u2019s, David Bowman aus Kubricks \u201e2001\u201c und einem echten Abendmahl begegnen. Am Ende aber bleiben nur noch die kleine Gralsfamilie und ihr privates Abendmahl \u00fcbrig mitsamt Kundry und dem Jungen. Sind das Viscontis Verdammte? Nein, es ist eine ber\u00fchrende, private Utopie, die sich von den Forderungen der unmenschlichen M\u00e4nnergesellschaft verabschiedet hat.<br \/>\nDie Deutung, die der Regisseur<strong> Krzysztof Warlikowski<\/strong> und seine langj\u00e4hrige Ausstatterin <strong>Malgorzata Szczesniak<\/strong> \u00fcber das St\u00fcck st\u00fclpen, ist widerspr\u00fcchlich \u2013 doch vielleicht ist die unentschiedene Position zwischen Wagners Mythos und der Moderne, zwischen Christentum und Privatreligion ein K\u00f6nigsweg, um dem ideologisch problematischen St\u00fcck \u00fcber das Blut und die S\u00fcnde beizukommen. Es gelingt zumeist mit Hilfe eines Kunstraums, der von der Schein-Realit\u00e4t des St\u00fccks absieht &#8211; denn Parsifal ist keine Oper mit Menschen aus Fleisch und Blut, sondern ein religi\u00f6s verbr\u00e4mtes Kunst-Drama mit allegorischen Figuren.<\/p>\n<p>Dr. Frank Piontek<br \/>\nBild: Op\u00e9ra Bastille<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner, Musik und Text von R Wagner, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten (1882) Urauff\u00fchrung: Bayreuther Festspiele, 26. 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