{"id":2486,"date":"2011-01-29T21:55:58","date_gmt":"2011-01-29T20:55:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2486"},"modified":"2011-02-21T10:02:49","modified_gmt":"2011-02-21T09:02:49","slug":"ulenspiegel-gera-buhnen-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2486","title":{"rendered":"ULENSPIEGEL &#8211; Gera, B\u00fchnen der Stadt"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Libretto von Walter Braunfels (1882\u20131954), Oper in drei Aufz\u00fcgen, UA: 4. November 1913 Stuttgart<\/p>\n<p>Regie: Matthias Oldag, B\u00fchne: Stephan Braunfels, Kost\u00fcme: Henrike Bromber<\/p>\n<p>Dirigent: Jens Troester, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Choreinstudierung: Ueli H\u00e4sler, Theater&amp;Philharmonie und Opernchor Th\u00fcringen<\/p>\n<p>Solisten: Keith Boldt (Ulenspiegel), Shavleg Armasi (Klas), Marie-Luise Dre\u00dfen (Nele), Olaf Plassa (Profo\u00df), Christoph Rosenbaum (Schneider), G\u00fcnter Markwarth (Seifensieder), Michael Siemon (Schreiber), Kai Wefer (Schuster\/Jost), Teruhiko Komori (Schreiner\/Anf\u00fchrer der Geusen), Peter Paul Haller (Abla\u00dfpriester), Elke B\u00f6hm (Ketzerin) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Januar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Gera-Ulenspiegel.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2487\" title=\"Gera-Ulenspiegel\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Gera-Ulenspiegel.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Gera-Ulenspiegel.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Gera-Ulenspiegel-300x192.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der spanische Herzog Alba und die katholische Inquisition besetzen die holl\u00e4ndische protestantische Stadt Gent. Die einheimischen Handwerker bef\u00fcrchten den Verlust ihrer Freiheiten und Privilegien, doch unterwerfen sich heuchlerisch, nachdem ihnen mit Tod und Folter gedroht wurde, und sie kaufen sogar Abla\u00dfbriefe. Ulenspiegel macht sich \u00fcber die B\u00fcrger und die katholische Kirche lustig und mu\u00df fliehen. Sein Vater Klas wird verhaftet. Er soll Ulenspiegel verraten. Nele, Ziehtochter von Klas und Ulenspiegels Geliebte, findet ihn bei den Geusen, einer aufst\u00e4ndischen Gruppierung, und berichtet von Klas Tod. Ulenspiegel schw\u00f6rt Rache. Zusammen mit den Geusen und protestantischen Flamen fallen sie in Gent ein, bek\u00e4mpfen die Spanier und k\u00f6nnen eine Gruppe unschuldiger M\u00e4dchen vor dem Scheiterhaufen retten. Ulenspiegel wird jedoch gefangen genommen. Trotz Niederlage, Folter und dem Verlust Neles, welche im Gef\u00e4ngnis stirbt, will er nicht aufgeben und weiter f\u00fcr sein Ziel k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild des Architekten Stephan Braunfels, Enkel des Komponisten, ist abstrakt mit klaren Linien und heller Grundfarbe, welche je nach Lichteinstellung eine bestimmte, die ganze Szenerie umfassende Stimmung erzeugt. Der erste Akt zeigt rechts eine das gesamte B\u00fchnentor einnehmende Geb\u00e4udewand mit Fenstereinlassungen und links eine halbhohe, schr\u00e4g nach hinten oben zulaufende Mauer, um das Innere einer Stadt anzudeuten. Der zweite Akt spielt auf einer halbrunden nach hinten oben schr\u00e4g zulaufenden Fl\u00e4che und suggeriert so eine weite Ebene im l\u00e4ndlichen Gebiet. Die Ketzerinnenverbrennung, ein Dutzend Frauen in gelben B\u00fc\u00dferinnengew\u00e4ndern aus Latex, die beschmiert mit Schimpfw\u00f6rtern an Holzpf\u00e4hlen stehen, ersetzt sp\u00e4ter die kahle Ebene. Das Gef\u00e4ngnis der letzten Szene besteht aus zwei nach hinten ge\u00f6ffneten W\u00e4nden. Die Kost\u00fcme sind zun\u00e4chst an die Epoche der Handlung angelehnt. Die Handwerker zum Beispiel tragen H\u00fcte, Halskragen und Beinkleider der Zeit der niederl\u00e4ndischen Unabh\u00e4ngigkeitskriege, die alle ausschlie\u00dflich wei\u00df sind. Die Spanier demgegen\u00fcber treten in schwarzen schweren Lederm\u00e4nteln mit roten Kreuzen auf und erinnern mehr an Teufel als an Kirche. Die drei Hauptfiguren sowie die Geusen tragen Kleidung unserer Epoche, zum Teil mit milit\u00e4rischem Einschlag.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Philharmonische Orchester Altenburg-Gera<\/strong> unter der Leitung von <strong>Jens Troester<\/strong> wird der gr\u00f6\u00dftenteils wuchtigen, teilweise ins Pathetische abdriftenden Musik des Sp\u00e4tromantikers Walter Braunfels mit volumin\u00f6ser Klangpr\u00e4senz und ausdifferenziertem instrumentalem Einsatz gerecht. Die wenigen lyrischen Momente fallen demgegen\u00fcber etwas ab. Dem kanadischen Tenor <strong>Keith Boldt<\/strong> (Ulenspiegel) nimmt man die innere Wandlung vom Spa\u00dfvogel hin zum Anf\u00fchrer der Geusen gerne ab. Seine Darstellung und sein tiefgr\u00fcndiger Ausdruck machen auch die anf\u00e4nglichen, durch eine Erkrankung ausgel\u00f6sten stimmlichen Schwierigkeiten wett. Im zweiten und dritten Akt ist davon kaum noch etwas zu merken. <strong>Marie-Luise Dre\u00dfen<\/strong> (Nele) steht mit ihrem ausdrucksstarken, kraftvollem Mezzosopran und ihrer gef\u00fchlvollen Darstellung ihrem Kollegen in nichts nach. Ihre dramatischen Auftritte gelingen ihr mit starker B\u00fchnenpr\u00e4senz. Wenn auch nur kurz, so doch intensiv gestaltet <strong>Shavleg Armasi<\/strong> (Klas) seinen Auftritt. Seine die Mi\u00dfst\u00e4nde seiner Zeit anprangernde Arie geht unter die Haut. Sein weicher, gleichzeitig aber starker Bariton und seine gelungene schauspielerische Interpretation werden der Rolle vollauf gerecht. Auch das restliche Ensemble, darunter vor allem <strong>Christoph Rosenbaum, G\u00fcnter Markwarth, Michael Siemon, Kai Wefer<\/strong> als kriecherische Handwerker sowie <strong>Olaf Plassa<\/strong> (Profo\u00df) und <strong>Teruhiko Komori<\/strong> (Anf\u00fchrer der Geusen), geben das unbekannte Werk sowohl s\u00e4ngerisch als auch darstellerisch gut wieder. Besonders die gute Textverst\u00e4ndlichkeit zu Anfang \u00fcberrascht, l\u00e4\u00dft aber im Verlauf merklich nach. Besonders zum Schlu\u00df hin ist kaum noch etwas gut zu verstehen. \u00dcbertitel w\u00e4ren hilfreich gewesen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist die Idee, auch vergessene Werk, vor allem des 20. Jahrhunderts auszugraben und dem Publikum zug\u00e4nglich zu machen, unbedingt lobenswert. Ob diese Wahl jedoch gut war, steht dahin. Unabh\u00e4ngig von der sehr guten Leistung der S\u00e4nger und Musiker l\u00f6ste das Werk an diesem Abend eher Ablehnung aus. Es wirkte musikalisch \u00fcberladen, und auch dramaturgische Schw\u00e4chen st\u00f6rten.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Keith Boldt (Ulenspiegel) verspottet die heuchlerischen Handwerker<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Libretto von Walter Braunfels (1882\u20131954), Oper in drei Aufz\u00fcgen, UA: 4. 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