{"id":2473,"date":"2011-01-29T18:18:28","date_gmt":"2011-01-29T17:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2473"},"modified":"2011-02-21T10:02:39","modified_gmt":"2011-02-21T09:02:39","slug":"giulio-cesare-%e2%80%93-julius-casar-paris-palais-ganier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2473","title":{"rendered":"GIULIO CESARE \u2013 JULIUS C\u00c4SAR &#8211; Paris, Palais Ganier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym nach Giacomo Francesco Bussani, UA: 20. Februar 1724, London, King\u00b4s Theatre Haymarket<\/p>\n<p>Regie: Laurent Pelly, B\u00fchne: Chantal Thomas, Licht: Jo\u00ebl Adam, Dramturgie: Agathe M\u00e9linand<\/p>\n<p>Dirigent: Emmanuelle Ha\u00efm, Orchestre du Concert d&#8217;Astr\u00e9e, Chor der Op\u00e9ra national de Paris, Einstudierung: Alessandro Di Stefano<\/p>\n<p>Solisten: Jane Archibald (Cleopatra), Lawrence Zazzo (Giulio Cesare), Varduhi Abrahamyan (Cornelia), Isabel Leonard (Sesto), Christophe Dumaux (Tolomeo), Nathan Berg (Achilla), Dominique Visse (Nireno), Aimery Lef\u00e8vre (Curio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Januar 2011 (Premiere 17. Januar)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Paris-Cesare.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2474\" title=\"Paris-Cesare\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Paris-Cesare.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"174\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Paris-Cesare.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Paris-Cesare-300x149.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In der Verfolgung seines Widersachers Pompeo landet C\u00e4sar in \u00c4gypten. In der Absicht, ihm zu gefallen, wird ihm zum Empfang das abgeschlagene Haupt des Pompeo pr\u00e4sentiert. C\u00e4sar ist dar\u00fcber \u00e4u\u00dferst ver\u00e4rgert und beabsichtigt, diese Untat durch Eroberung \u00c4gyptens zu r\u00e4chen. Cleopatra will Pharao Tolomeo, ihren Bruder, vom Thron dr\u00e4ngen. Zun\u00e4chst bezirzt sie C\u00e4sar, verliebt sich dann aber in ihn. C\u00e4sar ist von ihr fasziniert. Als es dann zum Kampf zwischen R\u00f6mern und \u00c4gyptern kommt, wird Tolomeo get\u00f6tet und Cleopatra vom siegreichen C\u00e4sar zur K\u00f6nigin \u00c4gyptens ausgerufen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns im Depot eines gro\u00dfen Museums. Auf Regalen B\u00fcsten r\u00f6mischer Heroen, die den ankommenden C\u00e4sar begr\u00fc\u00dfen. Daneben frei stehende L\u00f6wentorsi oder auch Skulpturen von C\u00e4sar als Augustus. In den nachfolgenden Szenen wechseln die Figuren, auch die Staffelagen, aber das Museumdepot bleibt.<\/p>\n<p>Dazwischen erscheinen die S\u00e4nger in historischen Kost\u00fcmen: C\u00e4sar mit Panzer, Stiefeln und freien Knien, Cleopatra in wei\u00dfer Toga, die manchmal die linke Brust frei l\u00e4\u00dft, Pharao mit Sphinxhaube und perlmuttgeschm\u00fccktem blauen Rockgewand. Zu den Wachen des Pharao werden die st\u00e4ndig \u00fcber die B\u00fchne laufenden Museumsarbeiter mit Lanzen bewaffnet, ansonsten sind sie unbek\u00fcmmert um Gesang und Schauspieleraktionen. Im zweiten Akt werden Bilder in goldenen Rahmen durch den Raum getragen. Auf einem derselben sieht man einen Liebestempel unter B\u00e4umen. Musikerinnen in Barock-Kost\u00fcmen spielen auf der Szene die Pastoralsinfonie. Zum Opernende kommt ein Segelschiff ins Museum zur Aufnahme der Sch\u00e4tze C\u00e4sars einschlie\u00dflich der Barockdamen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Schon die Ouvert\u00fcre l\u00e4\u00dft aufhorchen. Die punktierten Achtelnoten und die schnellen 32tel L\u00e4ufe der langsamen Einleitung sowie die rhythmische Genauigkeit des folgenden schnellen Satzes mit energischer Ba\u00dflinie und den dynamischen Schattierungen zeigen ein fabelhaft vorbereitetes Orchester. <strong>Emmanuelle Ha\u00efm<\/strong> h\u00e4lt diese formidable Spielmanier bis zum Opernende durch. Sie unterst\u00fctzt die S\u00e4nger in der nat\u00fcrlichsten Weise, wobei die Verzierungen und die Kadenzen der langsamen, aber auch der schnellen St\u00fccken haargenau aufeinander abgestimmt sind.<\/p>\n<p><strong>Lawrence Zazzo<\/strong> (Giulio Cesare) hat eine sch\u00f6ne, lyrische Stimme, die man leider oft zu leise vernimmt, obwohl Emmanuelle Ha\u00efm sich mit der Lautst\u00e4rke penibel anpa\u00dft. Zum Opernende gewinnt seine Stimme an Intensit\u00e4t, so vor allem in <em>aure, deh, piet\u00e0 \u2013 laue L\u00fcfte, mir zum Trost<\/em>. Zazzos Koloraturtechnik ist brillant und das ber\u00fchmte <em>Va tacito e nascosto \u2013 Still schleicht er und verborgen<\/em> mit dem tadellos begleitenden Horn-Solo (auf Naturhorn!) wird zu Recht stark applaudiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die erkrankte Nathalie Dessay ist <strong>Jane Archibald<\/strong> als Cleopatra eingesprungen. Sie hat zu Anfang erhebliche Schwierigkeiten mit der Intonation. Erst zum Schlu\u00df gelingen ihr die vorher oft undeutlichen Koloraturen. Ihr lyrisches Timbre zeigt sie aber in den langsamen St\u00fccken, z.B. in <em>Venere bella \u2013 Venus, du Sch\u00f6ne<\/em> (Beginn 2. Akt) oder in <em>panger\u00f2 la mia sorte \u2013 so beklage ich mein Schicksal<\/em> (3. Akt). <strong>Isabel Leonard<\/strong> (Sesto) ist eine Entdeckung. Sie erweckt mit ihrem hellen Sopran sogar das Largo von <em>Cara speme \u2013 s\u00fc\u00dfe Hoffnung<\/em> mit Solovioloncello zu bl\u00fchendem Leben. Der Counter-Alt <strong>Christophe Dumaux<\/strong> bew\u00e4hrte sich als Tolomeo sowohl in seinen schauspielerischen Aktionen als auch als gro\u00dfartiger Belcantist in allen Lagen, vorbildlich besonders die Sauberkeit seiner Triolen in <em>s\u00ec, pietata, il tuo rigore \u2013 ja, deine hartn\u00e4ckige Spr\u00f6de<\/em> (2. Akt). <strong>Varduhi Abrahamyan<\/strong> (Cornelia), <strong>Nathan Berg<\/strong> (Achilla) und <strong>Dominique Visse<\/strong> (Nireno) erf\u00fcllen ihre Aufgabe gut, wobei bei Nathan Berg ein wenig zu gaumig singt und Visse durch seine Aktionen den Applaus geradezu herausfordert.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Die Opernhandlung im Depot eines Museums vorzuf\u00fchren ist nicht neu und erm\u00fcdet sehr bei einer viereinhalbst\u00fcndigen Auff\u00fchrung. Die im allgemeinen unbeteiligten B\u00fchnenarbeiter werden durch Lanzen in die Hand kurzerhand zur Speerspitze des Pharao umfunktioniert! Vielleicht soll das alles den Zuschauer zu einem anderen Museumserlebnis verhelfen. Aber H\u00e4ndels Oper lebt auch ohne solche \u201eRegieeinf\u00e4lle\u201c.<\/p>\n<p>Emmanuelle Ha\u00efms intensive Probenarbeit mit dem <strong>Concert d\u2019Astr\u00e9e <\/strong>erbrachte eine Sternstunde.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild : Agathe Poupeney \/ Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Aimery Lef\u00e8vre (Curio), Lawrence Zazzo (Giulio Cesare), Christophe Dumaux (Tolomeo) und Nathan Berg (Achilla) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Nicola Francesco Haym nach Giacomo Francesco Bussani, UA: 20. 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