{"id":2469,"date":"2011-01-30T20:38:08","date_gmt":"2011-01-30T19:38:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2469"},"modified":"2011-02-21T10:02:57","modified_gmt":"2011-02-21T09:02:57","slug":"eugen-onegin-cottbus-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2469","title":{"rendered":"EUGEN ONEGIN &#8211; Cottbus, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Lyrische Szenen in 3 Akten, Libretto: Pjotr Tschaikowski u. Konstantin Schilowskij (nach dem Versroman <em>Eugen Onegin<\/em> von Alexander Puschkin); UA: 29. M\u00e4rz 1879, Moskau<\/p>\n<p>Regie: Martin Sch\u00fcler, Ausstattung: Gundula Martin, Dramaturgie: Dr. Carola B\u00f6hnisch, Choreinstudierung: Christian M\u00f6bius<\/p>\n<p>Dirigent: Evan Christ, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Chor des Staatstheaters Cottbus<\/p>\n<p>Solisten: Carola Fischer (Larina), Anna Sommerfeld (Tatjana), Marlene Lichtenberg (Olga), Marie-Luise Heinritz (Filipjewna), Andreas J\u00e4pel (Eugen Onegin), Matthias Bleidorn (Lenskij), Ingo Witzke(F\u00fcrst Gremin), J\u00f6rg Simon (Hauptmann), Dirk Kleinke (Triquet) u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Januar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Cottbus-Onegin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2470\" title=\"Cottbus-Onegin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Cottbus-Onegin.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Cottbus-Onegin.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Cottbus-Onegin-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Lenskij, ein junger Dichter, der mit der quirligen Olga verlobt ist, stellt auf dem Gut der zuk\u00fcnftigen Schwiegermutter Larina seinen Freund Eugen Onegin vor. Olgas Schwester Tatjana sieht in Onegin den Idealtypus eines Mannes und verliebt sich in ihn. Als sie ihm ihre Liebe gesteht, weist Onegin sie jedoch zur\u00fcck. Um seinen Freund Lenskij zu provozieren, der ihn zu seiner Anwesenheit auf jenem Ball mit klatschs\u00fcchtiger Gesellschaft \u00fcberredet hat, tanzt er ausschlie\u00dflich mit Olga und macht ihr den Hof. Nach heftigem Streit zwischen den beiden Freunden fordert Lenskij Onegin zum Duell heraus. Bei diesem wird Lenskij get\u00f6tet. Onegin, der ins Ausland gegangen ist und nach Jahren zur\u00fcckkehrt, begegnet auf einem Ball Tatjana wieder. Sie hat in der Zwischenzeit den reichen F\u00fcrsten Gremin geheiratet. Onegin beneidet Gremins Gl\u00fcck, das jener mit Tatjana gefunden hat, und er versucht reum\u00fctig und verzweifelt die junge Frau zur\u00fcck zu gewinnen. Tatjana liebt Onegin nach wie vor, doch sie steht zu ihrer Ehe und Onegin bleibt allein.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten beiden Akte der in der deutschen Fassung gezeigten Inszenierung sind von einem zweigeteilten B\u00fchnenbild bestimmt. Im Vordergrund ist mit Tisch, St\u00fchlen und Klavier sowie weiteren stimmungsvollen Einrichtungsgegenst\u00e4nden, das Landgut der Gutsbesitzerin Larina umgesetzt worden. Im Hintergrund ist durch eine gro\u00dfe Glast\u00fcren- und Glasfensterabtrennung der Park erkennbar, der durch zahlreiche hohe Birkenst\u00e4mme angedeutet wird. Die Interaktion bzw. die Verwischung der Grenzen beider Spielr\u00e4ume wird durch die zeitweilige Anhebung der Abtrennung erreicht. Das Petersburger Palais des F\u00fcrsten Gremin im dritten Akt wird durch hohe Stellw\u00e4nde mit klassizistischen Verzierungen und zwei gro\u00dfen Kristalll\u00fcstern visualisiert. Durch die aufgezogenen Tapeten, welche einen Birkenwald zeigen, wird eine Verbindung zu den ersten beiden Akten gekn\u00fcpft. Die Darsteller agieren in zeitgerechten Kost\u00fcmen, die stimmig die Atmosph\u00e4re des B\u00fchnenbildes wiederspiegeln.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anna Sommerfeldt<\/strong> (Tatjana) entwickelt ihre Rolle vom naiv scheuen M\u00e4dchen zur weltgewandten F\u00fcrstin nicht allein in schauspielerischer Hinsicht sehr \u00fcberzeugend, sondern vor allem auch im Zuge ihrer Stimmf\u00fchrung. Mit bewegend tief ausgekosteter Emphase und beweglicher Phrasierung meistert sie die <em>Briefszene<\/em>, w\u00e4hrend im letzten Akt die k\u00fchle Reinheit ihres Soprans messerscharf Onegins Herz durchschneidet. <strong>Andreas J\u00e4pel<\/strong> (Onegin) ziseliert mit seinem geschmeidig vollen Bariton die innere Zerrissenheit des Protagonisten im warm timbrierten Glei\u00dfen seiner Stimme mitf\u00fchlbar heraus. Stimmlich bleibt Tenor <strong>Matthias Bleidorn<\/strong> (Lenskij) mit seiner in den H\u00f6hen gepre\u00dft, fahl wirkenden Stimme etwas hinter diesen Leistungen zur\u00fcck. Jedoch zeigt er in der Arie <em>Wohin seid ihr entschwunden<\/em> einen druckvolleren, \u00fcber weite L\u00e4ngen tragenden Schmelz. Der Mezzosopran von <strong>Marlene Lichtenberg<\/strong> (Olga) besticht mit satter F\u00fclle, wobei ihre gekonnte Zur\u00fccknahme durchaus noch Reserven vermuten l\u00e4\u00dft. Der mit kraftvoll leuchtender Grunds\u00e4ttigung angelegte Mezzosopran von <strong>Carola Fischer<\/strong> (Ludmilla) \u00fcberzeugt insbesondere in den lyrisch-elegischen Passagen, w\u00e4hrend der Ba\u00df von <strong>Ingo Witzke <\/strong>(F\u00fcrst Gremin)<strong> <\/strong>mit klarem Duktus und geradliniger Stimmf\u00fchrung aufhorchen l\u00e4\u00dft. Hervorzuheben sei insbesondere auch die Leistung von <strong>Dirk Kleinke<\/strong> (Triquet), dessen Tenorstimme schwelgend strahlende Klanggem\u00e4lde in feinen Pastellt\u00f6nen skizziert.<\/p>\n<p>Das<strong> Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus <\/strong>versteht es unter der Leitung von <strong>Evan Christ<\/strong> die Klangspektren, welche die aufgew\u00fchlten Seelenzust\u00e4nde der Protagonisten offenbaren, bewegend umzusetzen. Allein in den gro\u00dfbogig angelegten Melodief\u00fchrungen ist das Spiel zu energisch und holzschnittartig, so dass bisweilen der Effekt der passagenartigen \u00dcberzeichnung entsteht. Der <strong>Chor <\/strong>des Staatstheaters Cottbus<strong> <\/strong>gl\u00e4nzt mit technischer Perfektion bei stimmlich gut ausbalancierter Tiefenwirkung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung vermittelt ein authentisch wirkendes Bild des Werkes, die durch glaubhaft umgesetztes Spiel und durch die guten Leistungen der S\u00e4nger sowie des Orchesters tiefe Einblicke in die russische Seele erlaubt.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Marlies Kross<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marlene Lichtenberg (Olga), Anna Sommerfeld (Tatjana), Carola Fischer (Larina), Matthias Bleidorn (Lenskij) und Andreas J\u00e4pel (Onegin) (v.l.n.r.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Lyrische Szenen in 3 Akten, Libretto: Pjotr Tschaikowski u. Konstantin Schilowskij (nach dem Versroman Eugen Onegin von Alexander Puschkin); UA: 29. 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