{"id":2464,"date":"2011-01-31T15:22:17","date_gmt":"2011-01-31T14:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2464"},"modified":"2011-01-31T15:23:24","modified_gmt":"2011-01-31T14:23:24","slug":"platee-dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2464","title":{"rendered":"PLAT\u00c9E &#8211; D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten<\/p>\n<p>Text: Jacques Autreau, UA 31. M\u00e4rz 1745, Paris<\/p>\n<p>Regie: Karoline Gruber, B\u00fchnenbild: Roy Spahn, Kost\u00fcme: Mechthild Seipel, Choreographie: Beate Vollack<\/p>\n<p>Dirigent: Konrad Jungh\u00e4nel, Neue D\u00fcsseldorfer Hofmusik<\/p>\n<p>Chor der Deutschen Oper am Rhein, Einstudierung: Gerhard Michalski<\/p>\n<p>Solisten: Anders J. Dahlin (Plat\u00e9e), Sylvia Hamvasi (La Folie), Thomas Michael Allen (Thespis\/Mercure), Sami Luttinen (Jupiter), Marta M\u00e1rquez (Junon), Timo Riihonen (Cith\u00e9ron), Laimonas Pautienius (Momus) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Januar 2011( B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Duesseldorf-Platee.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2465\" title=\"Duesseldorf-Platee\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Duesseldorf-Platee.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Duesseldorf-Platee.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Duesseldorf-Platee-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Momus, Thespis und Thalia k\u00fcndigen an, das Publikum mit einem Spiel zu unterhalten, bei der G\u00f6tter und Menschen l\u00e4cherlich gemacht werden. Eine ausgelassene, von einem Spielmacher (La Folie) angeheizte Kom\u00f6die beginnt: Cith\u00e9ron und sein Volk leiden unter schlechtem Wetter, verursacht durch die chronische Eifersucht von Jupiters Gattin Junon. Gemeinsam mit dem G\u00f6tterboten Mercure findet Cith\u00e9ron die L\u00f6sung: Eine Intrige mu\u00df her, um Junon die Eifersucht ein f\u00fcr alle Mal auszutreiben. So macht sich Jupiter an die h\u00e4\u00dfliche, in einem Sumpf lebende Nymphe Plat\u00e9e heran und l\u00e4\u00dft verbreiten, er wolle sie heiraten. Junon platzt emp\u00f6rt in die Scheinhochzeit und rei\u00dft Plat\u00e9e den Schleier vom Kopf. Zerknirscht erkennt die G\u00f6ttergattin ihren Irrtum. Die in Jupiter verliebte Plat\u00e9e flieht unter allgemeinem Gel\u00e4chter in ihre S\u00fcmpfe.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Vor der Kulisse einer barocken Schlo\u00df Fassade wird auf einer Firmenparty ein neues Produkt pr\u00e4sentiert: \u201eJupiter\u201c \u2013 ein alkoholisches Getr\u00e4nk, das den Gott im Mann wecken soll. Thespis, der Pr\u00e4sentator, hat \u201eJupiter\u201c schon stark zugesprochen und schwankt bedenklich. Bevor die Party aus dem Ruder l\u00e4uft, treibt ein Gewitter die Feiernden auseinander. Blitze spalten die Schlo\u00dffassade, der dadurch entstandene Ri\u00df gibt einen gigantischen Schuh frei, dazu regnet es bei Junons Zorn Pumps: offensichtlich eine Anspielung auf weibliche Schuhticks. Plat\u00e9e sch\u00e4lt sich im Girlie-Outfit aus einem \u201eJupiter\u201c-Werbeplakat. Die Welt der Sch\u00f6nen und Reichen sch\u00fcchtert das Landei anfangs noch ein (zu Recht, macht sie doch ganz nebenbei Bekanntschaft mit radioaktiv verseuchtem Parfum), aber vor Jupiter, einem Bilderbuchgott in goldener R\u00fcstung, gibt es kein Entrinnen: Sogar wenn die schamhafte Braut in den Zuschauerraum flieht, nimmt er die Verfolgung auf. Umso gr\u00f6\u00dfer ist Plat\u00e9es Entt\u00e4uschung, als die Hochzeit platzt. Dann kann sie auch ein von La Folie (hier eine Mischung aus Conf\u00e9rencier und Domina) \u00fcberreichter herzf\u00f6rmiger Luftballon nicht mehr tr\u00f6sten. Ob Plat\u00e9e sich allerdings mit dem bei Cith\u00e9ron entwendeten Revolver erschie\u00dft oder einfach nur den Ballon platzen l\u00e4\u00dft, bleibt offen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Ein Gl\u00fccksfall ist der auf \u201eHaute Contre\u201c-Partien spezialisierte schwedische Tenor <strong>Anders J. Dahlin<\/strong> (Plat\u00e9e) in der Titelpartie. Stilsicher und mit perfekter franz\u00f6sischer Diktion zieht Dahlin alle Register: Er seufzt, girrt, jubelt \u2013 und singt nebenbei noch Koloraturen von t\u00e4nzerischer Leichtigkeit. Gro\u00dfartig auch seine Darstellung der Travestie-Rolle: Dahlin verk\u00f6rpert eine r\u00fchrend-komische Unschuld vom Land, ohne dabei je in den Klamauk abzugleiten. Der zweite Tenor, <strong>Thomas Michael Allen <\/strong>(Thespis\/Mercure), klingt bei <em>Charmant Bacchus, Dieu de la libert\u00e9 \u2013 Reizender Bacchus, Gott der Freiheit<\/em> im Prolog noch etwas belegt, l\u00e4uft aber schon bald zu h\u00f6hensicherer Bestform auf. Mit einem Feuerwerk an funkelnden Spitzent\u00f6nen und rasanten L\u00e4ufen tobt <strong>Sylvia Hamvasi<\/strong> (La Folie) durch das Bravourst\u00fcck des Abends <em>Formons le plus brillans concerts \u2013 Die gl\u00e4nzendsten Konzerte geben wir<\/em>. Eine k\u00f6stliche, ba\u00dfgewaltige G\u00f6ttervater-Parodie zeigt <strong>Sami Luttinen<\/strong> (Jupiter), z.B. wenn er sich mit wiederholtem <em>Excusez-moi<\/em> durch die Zuschauerreihen dr\u00e4ngt. Auch der Rest des Ensembles, allen v<span style=\"color: #000000;\">oran <\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>Marta M\u00e1rquez<\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\">(Junon), <\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>Timo Riihonen<\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (Cith\u00e9ron) und <\/span><span style=\"color: #000000;\"><strong>Laimonas Pautienius<\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (Momus), der sich beim Applaus sichtlich gequ\u00e4lt von seinen hochhackigen Pumps befreit, \u00fcberzeugt mit<\/span> musikalischen und darstellerischen Kabinettst\u00fcckchen. Bei <strong>Konrad Jungh\u00e4nel <\/strong>und dem brillant aufspielenden Ensemble <strong>Neue D\u00fcsseldorfer Hofmusik<em> <\/em><\/strong> ist die \u00e4u\u00dferste rhythmische Pr\u00e4zision fordernde, detailreiche Partitur bestens aufgehoben: Rameaus Divertissements (Instrumentalpassagen) verspr\u00fchen pure Lebensfreude.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Ensemble klatscht sich selbst Beifall, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist. Zu Recht, denn der Abend h\u00e4lt nicht nur musikalisch bis zur letzten Sekunde in Atem. In <strong>Karoline Grubers<\/strong> fulminanter, aus fundierter Werk- und Textkenntnis entstandener Inszenierung jagt eine skurrile Situation die n\u00e4chste. Jede Pointe sitzt dabei punktgenau, billiger Slapstick ist Grubers Sache nicht &#8211; daf\u00fcr wunderbar komische Anspielungen auf das barocke Sensationstheater. Da\u00df die einen wesentlichen Teil des St\u00fcckes einnehmenden, von <strong>Beate Vollack<\/strong> choreographierten Balletteinlagen mit Grubers Einfallsreichtum nicht immer mithalten k\u00f6nnen, f\u00e4llt nicht weiter ins Gewicht. Die begeistert aufgenommene Produktion ist eine gelungene Hommage an einen leider vernachl\u00e4ssigten Komponisten.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anders J. Dahlin (Plat\u00e9e), im Hintergrund: Sylvia Hamvasi (La Folie)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten Text: Jacques Autreau, UA 31. 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