{"id":2460,"date":"2011-01-17T13:32:20","date_gmt":"2011-01-17T12:32:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2460"},"modified":"2011-01-31T13:37:21","modified_gmt":"2011-01-31T12:37:21","slug":"samson-und-dalila-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2460","title":{"rendered":"SAMSON UND DALILA &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, Libretto von Fernand Lemaire (1832-1879), UA: 1877, Weimar<\/p>\n<p>Inszenierung: David Mouchtar-Samorai, B\u00fchne: Heinz Hauser, Kost\u00fcme: Urte Eicker<\/p>\n<p>Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>Solisten: Andre Care (Samson), Jordanka Milkova (Dalila), Melih Tepretmez (Oberpriester des Dragon), Vladislav Solodyagin (Abim\u00e9lech), Daeyoung Kim (alter Hebr\u00e4er), Richard Kindley (Kriegsbote)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Januar 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Nuernberg-Samson.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2461\" title=\"Nuernberg-Samson\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Nuernberg-Samson.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Nuernberg-Samson.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Nuernberg-Samson-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Fundament der Oper ist die alttestamentarische Geschichte von Samson. Dieser bezwingt mit seinen \u00fcbermenschlichen Kr\u00e4ften die Philister unter dem Statthalter Abim\u00e9lech, welche das hebr\u00e4ische Volk grausam unterdr\u00fccken. Seine einzige Schw\u00e4che ist jedoch die Liebe zu Dalila, einer feindlichen Priesterin. Indem sie ihn verf\u00fchrt entlockt sie Samson das Geheimnis um seine Kraft. Geschw\u00e4cht durch den Verlust des langen Kopfhaares, wird Samson gefangen genommen, geblendet und versklavt. In gr\u00f6\u00dfter Verzweiflung wendet er sich an Gott und gelangt noch einmal zur urspr\u00fcnglichen St\u00e4rke: Er rei\u00dft die S\u00e4ulen des heidnischen Tempels ein und wird zusammen mit tausenden Philistern und Dalila unter den herabst\u00fcrzenden Tr\u00fcmmern begraben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Samson und Dalila ist die zweite Inszenierung von David Mouchtar-Samorai im Rahmen der alttestamentarischen Opern-Reihe in N\u00fcrnberg. Wieder verlegt er die Handlung ins heutige Israel\/Pal\u00e4stina: \u00dcberschriften, projiziert ins B\u00fchnenbild, das nur aus verschiebbaren Gitterk\u00e4figen besteht, beschreiben die einzelnen Szenen. Es beginnt in <em>Gaza 1947<\/em>, Auswanderer mit langen B\u00e4rten, Mantel und Hut, sind mit ihrem Gep\u00e4ck angekommen. Daneben stehen drohende Araber mit Kopft\u00fcchern und Karabinern. Mittels eines Zeitsprungs befinden wir uns im <em>heutigen Tel Aviv<\/em>. Samson &#8211; mit dunkler Sonnenbrille und Lederjacke &#8211; begehrt die Nachtclubs\u00e4ngerin Dalila (mit Kopftuch). Als Ballett-Einlage gibt es eine Bauchtanzgruppe, die durch einen Selbstmordattent\u00e4ter abrupt endet.<\/p>\n<p>Dalilas Wohnung besteht nur aus einer T\u00fcr und einem Bett. Sie nimmt Samson die Pistole ab, der dann verschleppt wird. Die Einblendung <em>Gaza morgen?<\/em> steht \u00fcber dem zweiten Ballett: Eine Karikatur des ewigen Juden mit Hakennase spielt mit einer Erdkugel \u2013 umgeben von vier Schweinen. Die Einblendung eines Atompilzes beendet die Oper.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der volumenstarke und obertonreiche Mezzo von <strong>Jordanka Milkova<\/strong> (Dalila) erfreut den ganzen Abend hindurch. Sicher in der H\u00f6he und ausdrucksstark in der Tiefe gelingt es ihr, auch die Tiefen in dieser Rolle auszuloten. <strong>Andrea Care<\/strong> (Samson) kommt aus dem italienischen Belcantofach, der scheinbar kraftlos die Rolle des Samson ausf\u00fcllt \u2013 selbst die obersten Register klingen noch sauber und ungepre\u00dft. Leider geht ihm gegen Ende ein wenig die Kondition aus und er mu\u00df sich durch die letzten \u2013 wenn auch enormen \u2013 H\u00f6hen stemmen. Unter dem ausgezeichneten Ensemble ragen <strong>Melih Tepretmez<\/strong> als Oberpriester und <strong>Vladislav Solodyagin<\/strong> als Abim\u00e9lech heraus.<\/p>\n<p>Besonders erw\u00e4hnenswert der <strong>Chor<\/strong>, der besonders am Anfang und am Schlu\u00df der Oper die Handlung tr\u00e4gt. Beeindrucken zu welcher Exaktheit die Choreinstudierung von <strong>Edgar Hykel<\/strong> den Chor f\u00fchrt und wie genau das Zusammenspiel der Stimmgruppen mit Orchester und Solisten ist \u2013 vor allem \u00fcber die langen Strecken, in denen der Chor agieren mu\u00df.<\/p>\n<p>Die <strong>N\u00fcrnberger Philharmoniker<\/strong> k\u00f6nnen unter <strong>Guido Johannes Rumstadt<\/strong> fast vergessen machen, da\u00df die Oper eigentlich am Anfang als Oratorium gedacht war. Gerade in der romantischen Harmonik der Ballettmusik oder den sch\u00f6n herausgestellten Fugen im Anfangs- und Schlu\u00dfakt kommt die sp\u00e4tromantische Klangwelt von Saint-Sa\u00ebns hervorragenden zur Geltung. Daneben ist das Orchester ein zur\u00fcckhaltender Begleiter des Duetts <em>Mein Herz erschlie\u00dft sich<\/em> zwischen Samson und Dalila, das eigentlich fast den ganzen zweiten Akt umfa\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das ist gut gemeint und auch gut gemacht, aber an der \u00fcbergest\u00fclpten Handlung, die das alttestamentarische Geschehen (Samsons Haar und dessen Verlust kommen \u00fcberhaupt nicht vor) komplett verdr\u00e4ngt, scheiden sich die Geister: Mu\u00df es in Pal\u00e4stina immer nur Besatzer und Besetzte geben? Ist die einzige m\u00f6gliche End-L\u00f6sung die Atombombe? Seit wann huldigen Araber dem Gott der Philister Dragon? Das N\u00fcrnberger Publikum war sich relativ einig: Auch wegen einiger sehr aufgesetzt wirkender Regieeinf\u00e4lle (Selbstmordattent\u00e4ter, Atombombe) ein lautstarkes Buh f\u00fcr die Regie, aber einen Orkan der Zustimmung f\u00fcr das Ensemble um das Protagonistenpaar, einer Sternstunde der musikalischen Interpretation.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Eine Verf\u00fchrungsszene hinter Gittern mit Knalleffekt: Andre Care (Samson), Jordanka Milkova (Dalila)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, Libretto von Fernand Lemaire (1832-1879), UA: 1877, Weimar Inszenierung: David Mouchtar-Samorai, B\u00fchne: Heinz Hauser, Kost\u00fcme: Urte Eicker Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2460\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1],"tags":[],"class_list":["post-2460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nurnberg-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2460"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2463,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions\/2463"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}