{"id":2445,"date":"2011-01-28T21:52:17","date_gmt":"2011-01-28T20:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2445"},"modified":"2011-02-21T10:02:18","modified_gmt":"2011-02-21T09:02:18","slug":"cosi-fan-tutte-baden-baden-festspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2445","title":{"rendered":"COS\u00cc FAN TUTTE &#8211; Baden-Baden, Festspielhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 26. Januar 1790, Burgtheater Wien<\/p>\n<p>Dirigent: Teodor Currentzis, Balthasar-Neumann-Ensemble, Balthasar-Neumann-Chor<\/p>\n<p>Regie: Phillip Himmelmann, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Florence van Gerkan<\/p>\n<p>Soliten: V\u00e8ronique Gens (Fiordiligi), Siliva Tro Santaf\u00e8 (Dorabella), Stephan Genz (Guglielmo), Steve Davislim (Ferrando), Mojca Erdmann (Despina), Konstantin Wolff (Don Alfonso)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Januar (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<h3><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Baden-Cosi.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2446\" title=\"Baden-Cosi\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Baden-Cosi.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Baden-Cosi.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Baden-Cosi-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/h3>\n<p>Dorabella liebt Ferrando, Fiordiligi liebt Guglielmo. Don Alfonso, Freund der beiden Soldaten, ist seinen Eleven in Sachen Lebenserfahrung um einiges voraus. Mit seinem Zweifel an der Standhaftigkeit der beiden Schwestern gibt er den Ansto\u00df zu einem Treuetest, der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist. In tr\u00e4nenvollem Abschied ziehen Guglielmo und Ferrando in eine angebliche Schlacht, um kurz darauf als extravagante Fremdlinge die Verlobte des jeweils anderen f\u00fcr sich zu gewinnen. Unterst\u00fctzung erfahren sie von der nicht auf den Mund gefallenen Kammerzofe Despina, die nur zum Teil von Don Alfonsos wahren Absichten wei\u00df. Bald erkennen die beiden M\u00e4nner die Absurdit\u00e4t ihres Vorhabens, doch von Alfonso durch Eid verpflichtet, willigen sie notgedrungen in die Hochzeit mit der jeweils anderen ein. Als dann die \u201ewahren\u201c Verlobten zur Hochzeit erscheinen, kl\u00e4rt sich alles auf&#8230;<\/p>\n<h3>Auff\u00fchrung<\/h3>\n<p>Den Zuschauer begr\u00fc\u00dft bei noch geschlossener B\u00fchne ein leuchtender Sternenhimmel auf dunklem Grund (vielleicht eine Art \u201eB-A-C-H\u201c-Markenzeichen des Regisseurs?). Ein Obstbaum zeigt seine ersten Fr\u00fchlingsknospen, w\u00e4hrend einige Darsteller eifrig in \u00c4pfel bei\u00dfen. Der Schauplatz ist eine kleine B\u00fchne (mise-en-ab\u00eeme) mit wei\u00dfem Grund, umgeben von frischer, dunkler Erde. Hier spielt sich auch das Wettversprechen ab: in Gegenwart der Damen, ihrer Dienerin und dem Opernchor. Und alles Gute kommt von oben: der Geldsack mit der Wetteinl\u00f6sung donnert herab, es folgen der Morgenkakao, Sektgl\u00e4ser etc. In der Verf\u00fchrungsszene begegnen sich die Liebenden mit maskierten Gesichtern. Eine Maskerade in der Maskerade? Die Kost\u00fcme sind n\u00fcchtern und unserer Zeit entsprechend: Anz\u00fcge f\u00fcr die Herren, Kleider f\u00fcr die Damen.<\/p>\n<h3>S\u00e4nger und Orchester<\/h3>\n<p><strong>Teodor Currentzis<\/strong> versucht der Partitur und dem <strong>Balthasar-Neumann-Orchester<\/strong> die Quintessenz der Mozartschen Musik zu entlocken. In der Ouvert\u00fcre stellt er transparent die permutierenden Sechzehntelketten schroff gegen die Synkopen. So entsteht ein rhythmisches Pulverfa\u00df, das sich an vielen Stellen explosionsartig entl\u00e4dt. Der Marsch <em>Bella vita militar<\/em><em> \u2013 sch\u00f6nes Soldatenleben<\/em> steckt voller Esprit und Leichtigkeit, weitab von jeder martialischen Strenge. Die Rezitative sind frei und improvisatorisch gestaltet, kurzweilig und voller Musikalit\u00e4t. So gelingt ein nahtloser \u00dcbergang aus dem Secco in das Quintett <em>Soave sia il vento<\/em><em> \u2013 sanft sei der Wind<\/em>. \u00a0Currentzis geht gerne ans Limit noch spielbarer Tempi und steigert so die dramatischen Kulminationspunkte, und die Musik verliert nie an rhythmischer und dynamischer Feinheit. <strong>Stephan Genz<\/strong> (Guglielmo) ist ein solider, etwas rauchdurchdrungener Bariton. Im Duett mit <strong>Steve Davislim<\/strong> (Ferrando) entsteht eine klangliche Ganzheit, die schwer die beiden Timbres unterscheiden l\u00e4\u00dft. Dieser hat einen vollen, runden Tenor. Seine Arie <em>Un\u2019aura amorosa<\/em><em> \u2013 ein liebevoller Hauch<\/em> ist gr\u00fcndlich erarbeitet. Die kleinen Koloraturketten gestaltet er pr\u00e4zise. So verwundert es, da\u00df im <em>Tradito, schernito<\/em><em> \u2013 betrogen, verh\u00f6hnt<\/em> mitten im Melodiebogen vor den Worten <em>le voci d\u2019amor<\/em><em> \u2013 die Stimmen der Liebe<\/em> aus atemtechnischen Gr\u00fcnden phrasiert wird! <strong>Konstantin Wolffs<\/strong> (Don Alfonso) Stimme ist sehr k\u00f6rperbefangen. Bei aller Solidit\u00e4t tr\u00e4gt sie nur wenig im gro\u00dfen Festspielsaal. <strong>Mojca Erdmanns<\/strong> (Despina) junge Stimme bedarf im Brustbereich noch mehr Volumen. Sie versteht sich jedoch darauf, diese Schw\u00e4che durch Virtuosit\u00e4t in den Spitzent\u00f6nen zu kaschieren. <strong>V\u00e9ronique Gens<\/strong> (Fiordiligi) hat vor allem gegen das Orchester zu k\u00e4mpfen. Schade, da\u00df dieses an manchen Stellen die Oberhand gewinnt. Bei aller technischer Versiertheit tendiert sie oftmals zu dynamischer Diskontinuit\u00e4t innerhalb weniger Takte. <strong>Siliva Tro Santaf\u00e8s<\/strong> (Dorabella) Vibrato in ihrer ersten Arie <em>Smanie implacabili<\/em> <em>\u2013 unerbittliche Qualen<\/em> wirkt noch sehr massiv, was eine unleugbare Unruhe mit sich bringt (passend zu ihrem Seelenzustand!). Mit ihrer geradlinigen Tessitura und dem Verst\u00e4ndnis, das sie ihrer Rolle entgegenbringt, \u00fcberstrahlt sie ihre Ensemblekollegen an diesem Abend bei weitem.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Selten ist die Divergenz zwischen Musik und B\u00fchne so offensichtlich. Currentzis begreift die Musik aus dem ihr eigenen Geist heraus, w\u00e4hrend Himmelmann zwischen Fr\u00fchlingsbl\u00fcten und S\u00fcndenfrucht seine Lesart nur skizziert. H\u00e4tte dieser Regisseur doch nur den konsequenten Gestaltungswillen eines Don Alfonso &#8230;<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: V\u00e9ronique Gens (Fiordiligi)\u00a0und der Balthasar-Neumann-Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 26. Januar 1790, Burgtheater Wien Dirigent: Teodor Currentzis, Balthasar-Neumann-Ensemble, Balthasar-Neumann-Chor Regie: Phillip Himmelmann, B\u00fchne: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Florence van Gerkan Soliten: V\u00e8ronique Gens (Fiordiligi), Siliva Tro Santaf\u00e8 (Dorabella), Stephan Genz<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2445\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[107],"tags":[],"class_list":["post-2445","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-baden-baden-festspielhaus"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2445"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2450,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2445\/revisions\/2450"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}