{"id":2327,"date":"2010-12-12T22:34:53","date_gmt":"2010-12-12T21:34:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2327"},"modified":"2010-12-13T22:46:25","modified_gmt":"2010-12-13T21:46:25","slug":"the-rake%c2%b4s-progress-staatsoper-berlin-im-schillertheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2327","title":{"rendered":"THE RAKE\u00b4S PROGRESS  &#8211;  Berlin, Staatsoper im Schillertheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Von Igor Strawinsky (1882\u20131971), Oper in drei Akten, Libretto: W. H. Auden und Chester Kallman, UA: 1951 Venedig<\/p>\n<p>Regie: Krzysztof Warlikowski, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Ma\u0142gorzata Szcz\u0119\u015bniak, Licht: Felice Ross, Video: Denis Gu\u00e9guin<\/p>\n<p>Dirigent: Ingo Metzmacher, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Einstudierung: Frank Flade<\/p>\n<p>Solisten: Florian Hoffmann (Tom Rakewell), Gidon Saks (Nick Shadow), Andreas Bauer (Trulove), Anna Prohaska (Anne), Birgit Remmert (Mother Goose), Nicolas Zi\u00e9linski (Baba the Turk) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. Dezember 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-Rakes-Schiller.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2328\" title=\"Berlin-Rakes-Schiller\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-Rakes-Schiller.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-Rakes-Schiller.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-Rakes-Schiller-300x225.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der junge Tom Rakewell liebt Anne, die Tochter Truloves. Er w\u00fcnscht sich Reichtum, als pl\u00f6tzlich Nick Shadow auftaucht und Tom von einem ihm unbekannten Onkel erz\u00e4hlt, der ihm ein Verm\u00f6gen hinterlassen habe. Er bietet ihm seine Dienste an, w\u00fcnscht in einem Jahr und einem Tag daf\u00fcr bezahlt zu werden und nimmt Tom mit nach London, um ihn mit den Versuchungen des Gro\u00dfstadtlebens vertraut zu machen. Dort heiratet Tom, um Aufsehen zu erregen, die b\u00e4rtige Baba the Turk. Er bringt sein Verm\u00f6gen durch, und als die Frist abgelaufen ist, verlangt Nick Shadow seinen Lohn: Toms Seele, die er dem Teufel \u00fcbergeben will. Er gibt Tom eine letzte Chance, sein Leben zu behalten und spielt mit ihm ein Kartenspiel, das Tom \u00fcberraschend gewinnt. Nick schl\u00e4gt ihn daf\u00fcr mit Wahnsinn, und Tom endet im Irrenhaus.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Kost\u00fcme und B\u00fchnenbild lassen nur schwer eine bestimmte Verortung der Handlung zu. Die Szene bleibt im wesentlichen den ganzen Abend \u00fcber die Gleiche: Auf einer mit Spiegelt\u00fcren versehenen Trib\u00fcne sitzt dem Publikum der Opernchor quasi als gespiegeltes Publikum gegen\u00fcber. Er tritt bereits vor Beginn der Musik bei offener B\u00fchne auf und \u00fcbernimmt im Verlaufe des St\u00fcckes seine vom Libretto geforderten Rollen der Huren, gr\u00f6lenden Burschen und Irren. Die Regie deutet Strawinskys Oper als ein St\u00fcck \u00fcber sexuelle Identit\u00e4t. Etliche Transvestiten und androgyne Wesen bev\u00f6lkern die Szene, und auch Nick Shadow zeigt einzelne dezidiert weibliche oder homosexuelle Z\u00fcge. Die Darsteller sind \u2013 mit Ausnahme der Friedhofsszene (2. Bild, 3. Akt) \u2013 beinahe die ganze Auff\u00fchrung \u00fcber auch auf einer gro\u00dfen Leinwand und zwei Monitoren am Proszenium zu sehen. Sie werden von einem Kameramann mit einer Handkamera gefilmt. Im letzten Bild \u00fcbernimmt <strong>Florian Hoffmann<\/strong> (Tom Rakewell) die Kamera. Stumme Figuren kommen vor. In der Versteigerungsszene (1. Bild, 3. Akt) haben z.B. Comiccharaktere wie Mickey Mouse und Spiderman einen kurzen Auftritt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Strawinskys letztes neoklassizistisches Werk verlangt eine extreme rhythmische und akzentuelle Genauigkeit vom Orchester wie den S\u00e4ngern, auch wenn es oft durchaus \u201eundankbare\u201c Figurationen, wie z.B. schnelle Dreiklangsbrechungen in den Blechbl\u00e4sern, vorzutragen gilt. Zudem erfordert die kammermusikalische Faktur des Werkes gro\u00dfe Pr\u00e4zision der Wiedergabe. Diese war unter der Leitung von Ingo Metzmacher durchweg gew\u00e4hrleistet, und ihm gelang dar\u00fcberhinaus eine farbige und z.T. sogar recht suggestive Wiedergabe der betont n\u00fcchternen Musik. Die drei Hauptpartien waren gl\u00e4nzend besetzt: <strong>Florian Hoffmann<\/strong> (Tom Rakewell) bew\u00e4ltigte seine lange Partie mit Bravour. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine durchschlagskr\u00e4ftige, lyrische Tenorstimme und spielte seinen Part sehr lebendig. Nur eine Handvoll hoher T\u00f6ne sa\u00df nicht hundertprozentig. <strong>Anna Prohaska <\/strong>(Anne) konnte in ihrem gro\u00dfen Monolog (3. Bild, 1. Akt) ihre technische Versiertheit zeigen. Hier kommen viele Koloraturen und gro\u00dfe Spr\u00fcnge in hohe Lagen vor, die sie mit ihrem leicht ansprechenden Organ souver\u00e4n meisterte. <strong>Gidon Saks\u2019<\/strong> (Nick Shadow) Stimme hat einen sprechenden Ausdruck, d.h. er hat bei gro\u00dfem Stimmvolumen eine hervorragend deutliche Aussprache und eine \u00e4u\u00dferst abwechslungsreiche Tongebung. Saks d\u00fcrfte \u00fcber viel Erfahrung in den gro\u00dfen Intrigantenrollen des klassischen Repertoires verf\u00fcgen, die es ihm erlaubten, hier einen ausgesprochen d\u00e4monischen Nick Shadow auf die B\u00fchne zu stellen. Der Countertenor <strong>Nicolas Zi\u00e9linski<\/strong> (Baba the Turk) gab seiner Figur und seiner \u2013 im \u00fcbrigen sehr beweglichen \u2013 Stimme einen weiblichen Anstrich. Enorm ist, mit welcher Kraft er seine Spitzent\u00f6ne zu singen vermag.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch ist diese Produktion hervorragend besetzt, und die Darsteller \u2013 also auch die zahlreichen Komparsen \u2013 agieren alle h\u00f6chst engagiert. Der rote Faden der Originalhandlung wird, wahrscheinlich bewu\u00dft, nicht immer befolgt. Stattdessen werden dem Publikum Bilder pr\u00e4sentiert, deren Aussage mitunter nicht restlos klar wird. Ist der vor der Bl\u00fcmchentapete sitzende Opernchor Beobachter oder Akteur? Entspinnt sich zwischen Tom und Nick eine homoerotische Beziehung? Es scheint zum Konzept der Inszenierung zu geh\u00f6ren, die insgesamt sehr ernsthaft daherkam, \u00a0solche Fragen offen zu lassen. Dem Publikum gefiel sie au\u00dferordentlich.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Ruth Walz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anna Prohaska (Anne), Florian Hoffmann Tom Rakewell)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Igor Strawinsky (1882\u20131971), Oper in drei Akten, Libretto: W. H. 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