{"id":2319,"date":"2010-11-25T12:57:40","date_gmt":"2010-11-25T11:57:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2319"},"modified":"2010-12-10T13:00:38","modified_gmt":"2010-12-10T12:00:38","slug":"lulu-kopenhagen-det-kongelige-teater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2319","title":{"rendered":"LULU &#8211; Kopenhagen, Det Kongelige Teater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. Berg nach Frank Wedekind, dritter Akt vervollst\u00e4ndigt von Eberhard Kloke, UA (dieser Fassung): 15. Oktober 2010, Kopenhagen<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<\/p>\n<p>Dirigent: Michael Boder, Det Kongelige Kapel<\/p>\n<p>Solisten: Sine Bundgaard (Lulu), Randi Stene (Gr\u00e4fin Geschwitz), Johann Reuter (Dr. Sch\u00f6n\/Jack the Ripper), Johnny van Hal (Alwa), Elisabeth Jansson (Theatergarderobiere\/Gymnasiast\/Groom), Peter Lohdal (Maler, Neger), Sten Byriel (Schigolch), Magne Fremmerlid (Athlet), Michael Kristensen (Prinz), Anders Jakobsson (Medizinalrat, Bankier Puntschu), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. November 2010<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Kopenhagen-Lulu.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2320\" title=\"Kopenhagen-Lulu\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Kopenhagen-Lulu.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Kopenhagen-Lulu.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Kopenhagen-Lulu-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Journalist Dr. Sch\u00f6n hat vor Jahren die kindlich-verf\u00fchrerische Lulu von der Stra\u00dfe aufgelesen und ist ihr seitdem rettungslos verfallen. Um sich von ihr zu l\u00f6sen, verkuppelt er sie immer wieder an andere M\u00e4nner. Ohne Erfolg: Lulus ersten Gatten, den Medizinalrat, trifft der Schlag, der zweite, ein Maler, schneidet sich die Kehle durch. Resigniert l\u00e4\u00dft Dr. Sch\u00f6n sich von Lulu \u00fcberreden und heiratet sie. Zur Katastrophe kommt es, als Dr. Sch\u00f6n in der gemeinsamen Wohnung gleich eine ganze Reihe von Nebenbuhlern antrifft, darunter die lesbische Gr\u00e4fin Geschwitz und seinen Sohn Alwa. Lulu erschie\u00dft Dr. Sch\u00f6n und kommt ins Gef\u00e4ngnis. Mit Hilfe der Gr\u00e4fin, des Athleten Rodrigo und des zwielichtigen Landstreichers Schigolch kann Alwa sie befreien. Wie Dr. Sch\u00f6n verf\u00e4llt Alwa ihr mit Haut und Haar. In dem von Berg nicht mehr vollst\u00e4ndig vertonten dritten Akt wird Lulu zur Prostituierten und schlie\u00dflich von Jack the Ripper ermordet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Welt der Lulu spielt in einer Art Wiener Zirkus-Arena der zwanziger Jahre. In der Vorstellung verwandelt sich die Schlange in Eva, zun\u00e4chst in einer Jugendstil-Zeichnung, bis Lulu als diese Eva aus der Zeichnung steigt. Das Zirkus-Portal ist drehbar und verwandelt sich in das Atelier des Malers Schwarz, wobei oben auf dem Portal die Clowns, die nebenbei auch die Kapelle bedienen, als allgegenw\u00e4rtige Beobachter erhalten bleiben. Der Medizinalrat, der Maler Schwarz und Dr. Sch\u00f6n verwandeln sich nacheinander nach ihrem Selbstmord in Clowns und werden ins B\u00fchnengeschehen integriert. Alwa ist \u2013 besonders von der Frisur her \u2013 eindeutig als autobiografisches Abziehbild von Alban Berg dargestellt. Die Gr\u00e4fin Geschwitz und Schigolch sind eher dekadente Gestalten der zwanziger Jahre, als sexuelle Spielpartner der Lulu. Der Clown, der einmal Dr. Sch\u00f6n war, verwandelt sich in Jack the Ripper und beendet den Abstieg Lulus mit einem Regenschirm.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es ist, eine ideale Lulu-Besetzung, die man hier antrifft, allen voran <strong>Johnny van Hal<\/strong>. Sein durchschlagsstarker Tenor ist das dramatische Gegengewicht zur lyrischen Leichtigkeit des zur\u00fcckhaltenden Soprans der <strong>Sine Bundgaard<\/strong>, die die Lulu nicht als eine hysterische Frau, sondern eher als eine Violetta Val\u00e9rie leuchten l\u00e4\u00dft. Ebenfalls eine interessante Rolleninterpretation bieten <strong>Randi Stene<\/strong> (Gr\u00e4fin Geschwitz) mit ihrem gut fundiertem Mezzo und <strong>Johann Reuter<\/strong> als stimmgewaltiger Bariton, der Dr. Sch\u00f6n\/Jack the Ripper mit viel Wut in der Stimme darstellt. Auch die \u00fcbrigen Rollen sind ausgezeichnet besetzt.<\/p>\n<p><strong>Michael Boder<\/strong> f\u00fchrt die k\u00f6nigliche Kapelle sehr verschmitzt und verspielt durch die Abgr\u00fcnde der Zw\u00f6lftontechnik. W\u00e4hrend diese Klangbilder sonst manchmal abschreckend wirken, wirken sie hier eher elektrisierend und mitrei\u00dfend. Die Entscheidung im dritten Akt die Violine und das Akkordeon (mit seinem mehr allgemeinen als spezifischen Klang) auf die B\u00fchne zu stellen, kann man als durchaus ungew\u00f6hnlich bezeichnen, ergibt aber gerade in diesem Akt einen stimmigen Gegensatz zu der Clown-Kapelle.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Hier ist Stefan Herheim sicher eine allgemeing\u00fcltige Inszenierung gelungen. Zum einen, weil die Verlegung in die Entstehungszeit, der Wiener Sezession, sehr farbenpr\u00e4chtig wirkt. Zum anderen, weil er sich genau an das Original gehalten hat: die Clownerie und die Musiker sind aus der Handlung und der Partitur entwickelt, stellen keine weitere Erz\u00e4hlebene dar (wie so oft in seinen anderen Inszenierungen) und sind keinesfalls karikierend. So gibt es keine sexuellen Exzesse, sondern eher die familienfreundlich &#8211; aber tiefgr\u00fcndige Darstellung des Aufstiegs und Falls einer bet\u00f6renden Frau. Auch Eberhard Kloke h\u00e4lt sich in seiner Spielfassung so nah wie m\u00f6glich an Alban Bergs Komposition. So hat man den Eindruck, da\u00df in Kopenhagen die <em>Lulu<\/em> sowohl szenisch als auch musikalisch in die \u00c4ra der Sp\u00e4tromantiker ger\u00fcckt wurde. Und das ist f\u00fcr ein Werk der Zw\u00f6lftontechnik ein schon fast revolution\u00e4res Ergebnis, was vom restlos begeisterten Publikum mit riesigem Beifall f\u00fcr das Ensemble gew\u00fcrdigt wurde.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Miklos Szabo<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sine Bundgaard (Lulu)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. Berg nach Frank Wedekind, dritter Akt vervollst\u00e4ndigt von Eberhard Kloke, UA (dieser Fassung): 15. 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