{"id":2309,"date":"2010-12-08T22:35:20","date_gmt":"2010-12-08T21:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2309"},"modified":"2010-12-09T22:38:15","modified_gmt":"2010-12-09T21:38:15","slug":"carmen-bonn-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2309","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; Bonn, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto:Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 4. M\u00e4rz 1875, Paris, Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Regie: Florian Lutz, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Andrea Kannapee<\/p>\n<p>Dirigent: Robin Engelen, Beethovenorcheste, Chor, Extrachor und Kinder- und Jugendchor, Einstudierung Sibylle Wagner und Ekaterina Klewitz<\/p>\n<p>Solisten: Jean-No\u00ebl Briend (Don Jos\u00e9), Mark Morouse (Escamillo), Susanne Blattert (Carmen), Julia Kamenik (Mica\u00ebla), Judith Gauthier (Frasquita), Kathrin Leidig (Merc\u00e9d\u00e8s), Giorgos Kanaris (Dancairo), Mark Rosenthal (Remendado), Ramaz Chikviladze (Zuniga), Sven Bakin (Moral\u00e8s)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Dezember 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Bonn-Carmen.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2310\" title=\"Bonn-Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Bonn-Carmen.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Bonn-Carmen.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Bonn-Carmen-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem Streit unter den Arbeiterinnen einer Zigarettenfabrik verspricht die festgenommene Zigeunerin Carmen die Geliebte des Brigadiers Don Jos\u00e9 zu werden, wenn er sie freil\u00e4\u00dft. Jos\u00e9 gibt nach und mu\u00df wegen dieses Vergehens ins Gef\u00e4ngnis. Als er freikommt bedr\u00e4ngt ihn Carmen, sich gemeinsam mit ihren Freundinnen Merc\u00e9d\u00e8s und Frasquita den Schmugglern Dancaire und Remendado anzuschlie\u00dfen und das Leben als Soldat aufzugeben. Jos\u00e9 folgt der Bande. Carmen hat sich inzwischen in den ber\u00fchmten Torero Escamillo verliebt. Als Jos\u00e9 sie w\u00e4hrend eines Stierkampfes zwingt, sich zwischen beiden zu entscheiden, gibt sie ihm den Laufpa\u00df. Blind vor Liebe t\u00f6tet Jos\u00e9 die Geliebte.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne gibt den Blick auf einen Platz mit wei\u00dfen Kartons frei. Im Hintergrund ist ein Fabriktor zu sehen, aus dem die Arbeiterinnen sp\u00e4ter str\u00f6men. Im Vordergrund gibt es eine kleine Polizeiwache, vor der das Verh\u00f6r der Carmen stattfinden wird. Die Arbeiterinnen (der Chor) sind in einheitlichem Schwarz gekleidet. Jos\u00e9 sowie sein Vorgesetzter Zuniga sind von Choristen in Polizeiuniformen umgeben. Carmen wird (abweichend vom Original) nicht wegen Handgreiflichkeiten festgesetzt, sondern wegen der eindrucksvollen Sprengung, mit der sie die Fabrik in die Luft gejagt hat. Sie ist eine Rebellin, die gegen die bestehenden Klassenverh\u00e4ltnisse k\u00e4mpft. Der Regisseur hat einen Karl-Marx-Darsteller als Sprechrolle (Roland Silbernagl) eingef\u00fcgt, der regelm\u00e4\u00dfig inmitten der Fabrikarbeiter aus dem <em>Kapital<\/em> rezitiert, um das zu verdeutlichen. Carmen tr\u00e4gt Jeans und T-Shirt, eine eher k\u00fchl wirkende Aufmachung im Vergleich zu der vorgegebenen erotisierenden Darstellung. Im weiteren Verlauf wartet das B\u00fchnenbild mit allerlei Comiceffekten auf, gezeichneten Szenen, die sich mit dem Operngeschehen vermischen. Im dritten Akt entsteigt Don Jos\u00e9 einem gezeichneten Comic-Hubschrauber, sp\u00e4ter entschwindet er mit einem Fallschirm. In authentischer Torero-Aufmachung wirkt er in der ganzen Szene wie ein Fremdk\u00f6rper. Die Stierkampfszene (4. Akt) wird szenisch so umgesetzt, da\u00df alle Mitwirkenden als Arena-Besucher in einem mit Kartons angedeuteten Amphitheater sitzen und Richtung Orchestergraben blicken. Als sich der Streit zwischen Carmen und Jos\u00e9 entz\u00fcndet, erstarrt das bewegte Bild. Die Schmugglergruppe wirkt als bunter Farbtupfer wohltuend in der ansonsten, abgesehen von den Comiceffekten, schlichten Ausstattung.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Allem voran kann die hervorragende Leistung der <strong>Ch\u00f6re<\/strong> erw\u00e4hnt werden, die sich auch schauspielerisch gelungen einbrachten. Das Beethovenorchester seinem neuem ersten Kapellmeister <strong>Robin Engelen<\/strong> steigerte sich nach einer etwas plump vorgetragenen Ouvert\u00fcre h\u00f6rbar, Fl\u00f6te und Harfe spielten ihre wichtigen Partien bestens, auch das Blech war gut. <strong>Susanne Blattert<\/strong> gab eine raffinierte Carmen, deren optische Aufmachung allerdings, wie erw\u00e4hnt, zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df. Erstaunlich war, was sie gesanglich und darstellerisch aus der zur Revolution\u00e4rin gewendeten Rolle machte. <strong>Jean-No\u00ebl Briend<\/strong> (Don Jos\u00e9) \u00fcberzeugte vor allem im 3. und 4. Akt, verf\u00fcgt \u00fcber eine sch\u00f6ne H\u00f6he und widerstand der Versuchung, zu laut zu singen. <strong>Mark Morouses<\/strong> bot mit sonorem Bariton als Escamillo eine durchweg h\u00f6renswerte Leistung mit klangvollen Tiefe und solider Stimmf\u00fchrung. Als Darsteller blieb er aber in seiner B\u00fchnenpr\u00e4senz etwas steif. Gesanglich machten die Banditen ihre Sache gut, ohne da\u00df einzelne herausgeragt h\u00e4tten. Gleiches gilt f\u00fcr<strong> Julia Kamenik <\/strong>als Mica\u00ebla.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Florian Lutz<\/strong> hatte die ungew\u00f6hnliche Idee, die Geschichte mit Kapitalismus-Kritik zu verbinden. Kein v\u00f6llig unangebrachter Gedanke zwar, wirkte er im Verlauf allerdings bem\u00fcht und leider nicht selten unfreiwillig komisch, was dem Regisseur wohl die un\u00fcberh\u00f6rbaren Buhs am Ende der Auff\u00fchrung einbrachte. Der Versuch, die Auff\u00fchrung durch zeichnerische Effekte in Richtung Comicstrip aufzupeppen, war ein oft zusammenhanglos dastehender und ziemlich bem\u00fcht wirkender Regieeinfall. Vollkommen mi\u00dflungen war die in einen d\u00fcsteren Beatkeller verlegte, eigentlich als feurige Tanzszene gedachte Episode bei Lillas Pastia. Musikalisch war die Auff\u00fchrung durchschnittlich. Die Solisten waren gut, herausragend waren die Chorpassagen, der Kinder- und Jugendchor eingeschlossen.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Susanne Blattert (Carmen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto:Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 4. 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