{"id":2300,"date":"2010-12-07T22:37:21","date_gmt":"2010-12-07T21:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2300"},"modified":"2010-12-07T22:37:21","modified_gmt":"2010-12-07T21:37:21","slug":"les-troyens-%e2%80%93-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2300","title":{"rendered":"LES TROYENS \u2013 Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz (1803-1869), Gro\u00dfe Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto vom Komponisten nach Vergils <em>\u00c4ne\u00efs<\/em>, UA der vollst\u00e4ndigen Fassung: 3. Mai 1969, Glasgow<\/p>\n<p>Regie: David Pountney, B\u00fchne: Johan Engels, Kost\u00fcme: Marie-Jeanne Lecca, Licht: David Cunningham, Choreographie: Renato Zanella<\/p>\n<p>Dirigent: Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor und Extrachor, Einstudierung: William Spaulding<\/p>\n<p>Solisten: Ian Storey (En\u00e9e), B\u00e9atrice Uria-Monzon (Didon), Petra Lang (Cassandre), Markus Br\u00fcck (Chor\u00e8be), Reinhard Hagen (Narbal), Liane Keegan (Anna), Gregory Warren (Iopas\/Hylas), u.v.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Dezember 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-DO-Trojaner.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2301\" title=\"Berlin-DO-Trojaner\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-DO-Trojaner.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-DO-Trojaner.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Berlin-DO-Trojaner-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nach zehnj\u00e4hriger Belagerung ziehen sich die Griechen von Troja zur\u00fcck. Die Trojaner holen ein von ihnen zur\u00fcckgelassenes Holzpferd in die Stadt, obgleich sie Cassandre warnt. Es erweist sich als eine List der Griechen, die nun die Stadt erobern und zerst\u00f6ren. En\u00e9e erscheint der Geist des toten Hektor, der ihm den Auftrag gibt, mit den \u00dcberlebenden nach Italien zu fliehen und dort ein neues Reich zu gr\u00fcnden. Auf dem Weg dorthin macht die trojanische Flotte in Karthago Halt. Die kathargische K\u00f6nigin Didon und En\u00e9e verlieben sich ineinander. Trotz seines heftigen Wunsches zu bleiben, zwingen die Geister der toten Trojaner ihn, seinen Weg nach Italien fortzusetzen. Didon nimmt sich aus Verzweiflung das Leben, und ihr Volk verflucht die Trojaner und ihr zuk\u00fcnftiges Reich, Rom, das einst Karthago zu Fall bringen wird.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Pountney setzt kr\u00e4ftige Farben ein. Der Fall Trojas spielt sich auf einer dunklen, mit Nebel erf\u00fcllten B\u00fchne ab, auf der Braun, Rot und Gold dominieren, w\u00e4hrend die Karthager in den Farben Wei\u00df, Gelb und Gr\u00fcn auftreten. Das B\u00fchnenbild ist stark stilisiert und neigt zur Statik und Monumentalit\u00e4t. So sind z.B. zwei Hufe und der riesige Kopf des trojanischen Pferdes im zweiten Akt zu sehen, und in der gro\u00dfen Liebesszene im vierten Akt schweben Didon und En\u00e9e in zwei Blasen durch einen n\u00e4chtlichen Sternenhimmel. Die musikalischen Entwicklungen finden ihre Entsprechung auf der B\u00fchne, d.h. in den ruhigen und lyrischen Momenten herrscht szenischer Stillstand vor \u2013 hier kommt den b\u00fchnentechnischen Effekten und der Lichtgestaltung eine wichtige Rolle zu \u2013, w\u00e4hrend die bewegten Partien mit Bewegungen auf der B\u00fchne illustriert werden. Die gro\u00dfen Chormassen werden stets \u00fcbersichtlich geometrisch gruppiert, und die Kost\u00fcme der Trojaner lassen ihre arch\u00e4ologischen Vorbilder deutlich erkennen. Die Ballette der Oper werden nicht klassisch, sondern eher nach Art des Ausdruckstanzes gestaltet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Berlioz\u2019 Oper verlangt mehr als ein Dutzend hervorragender Solisten, doch der musikalische Hauptakteur ist ohne Zweifel der <strong>Chor<\/strong>, der seine zahlreichen Partien mit Bravour bew\u00e4ltigte. Die rhythmische Pr\u00e4zision im Zusammenspiel mit dem Orchester und die Mischung der Stimmen in den klangstarken Abschnitten waren musterg\u00fcltig. Hier wurde von der Regie Vorarbeit geleistet, indem die Chorgruppierungen auch w\u00e4hrend der Auftritte und Abg\u00e4nge eine kompakte Klanggestaltung ins Publikum hinein erm\u00f6glichten. <strong>Ian Storey<\/strong> (En\u00e9e) lieferte in den letzten beiden Akten eine hervorragende Leistung ab \u2013 f\u00fcr sein <em>Inutiles regrets! \u2013 Nutzlose Reue!<\/em> (1. Bild, 5. Akt) bekam er den einzigen Szenenapplaus des Abends \u2013, nachdem er im dritten Akt intonatorisch unsicher gewirkt hatte. Seine Stimme hat nur bei den lautstarken Partien die richtige Spitze, um durch das Orchester hindurch zu kommen. <strong>B\u00e9atrice Uria-Monzon<\/strong> (Didon) hat eine kr\u00e4ftige, in der Tiefe f\u00fcllige, in der H\u00f6he aber etwas unausgeglichene Mezzosopranstimme. Sie war eine der besten Akteurinnen der Auff\u00fchrung zusammen mit <strong>Petra Lang<\/strong> (Cassandra). <strong>Gregory Warren<\/strong> (Ioapas\/Hylas) verf\u00fcgt \u00fcber ein zur Musik passendes lyrisches Tenortimbre und brachte sein Lied <em>\u00d4 blonde C\u00e9r\u00e8s! \u2013 O blonde Ceres!<\/em> (2. Bild, 4. Akt) ordentlich, wenn ihm auch der Spitzenton, ein C\u2019\u2019, nicht gelang. Bis auf ganz wenige verungl\u00fcckte Blechbl\u00e4sereins\u00e4tze war die Leistung des <strong>Orchesters <\/strong>unter <strong>Donald Runnicles<\/strong> gegl\u00fcckt. Dieses Werk beeindruckt vor allem mit seinen leisen Passagen, die gut herausgearbeitet wurden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Man wird der Produktion den Vorwurf machen, sie sei bieder oder kitschig; am Ballett mit den Seifenblasen im vierten Akt werden sich sicherlich die Geister scheiden. Doch zwei Dinge kann man ihr nicht absprechen: Zum einen kommt die Regie den gesangstechnischen Anforderungen von Solisten und Choristen voll und ganz nach, zum anderen st\u00f6rt sie an keiner Stelle die Musik. Pountney illustriert die Handlung auf verst\u00e4ndliche Weise mit \u00fcppigem Einsatz von Licht und Farben bei einem \u00fcbersichtlichen, zum Teil kahlen B\u00fchnenbild. Die Publikumsreaktionen auf diese Flut von sch\u00f6nen, bunten Bildern waren gespalten.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Matthias Horn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: B\u00e9atrice Uria-Monzon (Didon), Bild Mitte und Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz (1803-1869), Gro\u00dfe Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto vom Komponisten nach Vergils \u00c4ne\u00efs, UA der vollst\u00e4ndigen Fassung: 3. 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