{"id":229,"date":"2008-03-16T22:12:52","date_gmt":"2008-03-16T20:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=229"},"modified":"2008-05-18T20:57:48","modified_gmt":"2008-05-18T18:57:48","slug":"koln-oper-tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-der-wartburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=229","title":{"rendered":"K\u00f6ln, Oper &#8211; TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen.<br \/>\nUA: 19. Oktober 1945, Hoftheater, Dresden (sog. Dresdner Fassung, in K\u00f6ln verwandt).<br \/>\nRegie: Jasmin Solfaghari, B\u00fchnenbild: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Kost\u00fcme: Mechthild Seipel<br \/>\nDirigent: Markus Stenz, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor der Oper, Einstudierung: Andrew Olivant<br \/>\nSolisten: Andreas H\u00f6rl (Hermann, Landgraf), Torsten Kerl (Tannh\u00e4user), Miljenko Turk (Wolfram von Eschenbach), Martin Homrich (Walter von der Vogelweide), Andr\u00e9s F. Orozco Martinez (Heinrich der Schreiber), Daniel Henriks (Biterolf), Wilfried Staber (Reinmar von Zweter), Camilla Nylund (Elisabeth, Nichte des Landgrafen), Dalia Schaechter (Venus), Susanne Nieblung (ein junger Hirt) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 15. M\u00e4rz 2008, Premiere<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/koeln-tannhauser.jpg\" TITLE=\"koeln-tannhauser.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/koeln-tannhauser.jpg\" ALT=\"koeln-tannhauser.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Beim Erwachen aus tiefem Schlaf wei\u00df Tannh\u00e4user nicht, wie lange er schon bei der G\u00f6ttin Venus sich aufh\u00e4lt. Doch er sehnt sich zur\u00fcck nach der frischen Natur in der Menschenwelt. Schlie\u00dflich findet er sich in einem sch\u00f6nen Tal wieder. Der Landgraf und die Ritter, von der Jagd zur\u00fcckkommend, finden ihn hier und begr\u00fc\u00dfen ihn freudig. Als schlie\u00dflich Wolfram ihm von der auf ihn wartenden Elisabeth berichtet, geht Tannh\u00e4user mit ihnen auf die in der N\u00e4he liegende Wartburg. Hier gibt\u2019s ein freudiges Wiedersehen mit Elisabeth.<br \/>\nDie Vorgabe des Landgrafen beim S\u00e4ngerwettstreit ist, da\u00df die Lieder das Wesen der Liebe beschreiben sollen. Die Minnes\u00e4nger Wolfram, Walther und Biterolf tagen ihren abstrakten, mehr moralisierenden Liebesbegriff vor. Tannh\u00e4user antwortet jedes Mal \u2013 immer hitziger \u2013 auf die einzelnen S\u00e4nger und setzt dagegen seine Ansicht von irdischer, sinnlicher Liebe, die er begl\u00fcckt erlebt hat. Der H\u00f6hepunkt ist sein Preislied auf Venus. Die Minnes\u00e4nger sind so aufgebracht, da\u00df sie ihn mit dem Tod bedrohen. Doch Elisabeth, obwohl bis ins Herz durch Tannh\u00e4users Aufenthalt bei Venus getroffen, stellt sich zwischen die Kontrahenten. Tannh\u00e4user wird ausgesto\u00dfen und zur Bu\u00dffahrt nach Rom gezwungen. In der Zwischenzeit betet Elisabeth f\u00fcr Tannh\u00e4users Seelenheil. Im Herbst kehrt er zur\u00fcck, nicht mit den Pilgern, sondern allein. Er ist zutiefst entt\u00e4uscht, denn der Papst konnte ihn von seinen S\u00fcnden nicht lossprechen. So will er in den Venusberg zur\u00fcckkehren, doch Wolfram erinnert ihn an die sterbende Elisabeth. Tannh\u00e4user besinnt sich und stirbt in den Armen Wolframs als Erl\u00f6ster.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Vorstellung der Teheranerin Jasmin Solfaghari zur Darstellung einer Romantische Oper nachzuvollziehen, verlangt Ungew\u00f6hnliches: Wir sehen eine Einheitsb\u00fchne, die am ehesten einer Sparkassenhalle gleicht, beleuchtet mit Neonr\u00f6hren, m\u00f6bliert mit einer schwarzledernen, rechteckigen Sitzcouch und vielen St\u00fchlen, begrenzt von Glasw\u00e4nden. Zuvor diente \u2013 mit riesigem blutrotem Bettlaken auf der Sitzcouch \u2013 diese Halle dem Liebesnest Venus\/Tannh\u00e4user. Nach seiner Flucht findet sich Tannh\u00e4user nach der Spielanweisung Wagners \u2026 pl\u00f6tzlich in einem sch\u00f6nen Tal, mit blauem Himmel und heiterer Sonnenbeleuchtung. Diese von Wagner gewollte Pastorale, betont durch den Hirten, ist bei Frau Solfaghari ein Sparkassenvestib\u00fcl. Durch den hinteren Teil des Vestib\u00fcls zieht eine Pilgergruppe, unschwer an roten Kreuzen auf den wei\u00dfen T-Shirts erkennbar. Elisabeth tritt auf im M\u00e4nnerhemd mit nackten Beinen. Da\u00df sie sich in diesem Aufzug auf den zur\u00fcckkehrenden Tannh\u00e4user freut, kann man verstehen, denn sie ist wohl am fr\u00fchen Morgen noch nicht angezogen. Da\u00df sie aber in gleicher Montur Tannh\u00e4user und den Landgraf begr\u00fc\u00dft, ist weniger begreifbar.<br \/>\nBei der R\u00fcckkehr von seinem Rom-B\u00fc\u00dfergang findet Tannh\u00e4user die Halle zertr\u00fcmmert vor: s\u00e4mtliche Fensterscheiben sind zerbrochen, die Neonr\u00f6hren liegen auf der Erde, selbst die \u201eLustcouch\u201c ist umgest\u00fcrzt. Bei Wagner ist es lediglich Herbst, ohne da\u00df die Halle verw\u00fcstet ist. Mit rotem Vorhang erscheint Frau Venus wieder, doch Tannh\u00e4user beachtet sie nicht und stirbt in Gedanken an seine keusche Elisabeth.<br \/>\n<strong>Die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Andreas H\u00f6rls<\/strong> (Landgraf Hermann) tiefer Ba\u00df hallte wohlt\u00f6nend durch die Sparkassenlobby. Er war f\u00fcr den erkrankten Reinhard Dorn eingesprungen und gestaltete seinen Part gl\u00e4nzend. Von <strong>Torsten Kerl<\/strong> (Tannh\u00e4user) kann man das leider nicht behaupten: von Anfang an pre\u00dfte er seinen Tenor durch H\u00f6hen und Tiefen, da\u00df man manchmal Angst hatte, wann die Stimme kippen w\u00fcrde. Eine wahre Freude war  <strong>Miljenko Turk<\/strong> als Wolfram. Er sang einigerma\u00dfen verst\u00e4ndlich und seine\u00a0Baritonstimme durchma\u00df alle F\u00e4hrnisse souver\u00e4n. Auch an allen anderen Minnes\u00e4nger \u2013 <strong>Martin Homrich<\/strong> (Walter), <strong>Orozco Martinez<\/strong> (Heinrich), <strong>Daniel Henriks <\/strong>(Biterolf) sowie <strong>Wilfried Staber<\/strong> (Reinmar) \u2013 war nichts s\u00e4ngerisch auszusetzen. Beeindruckend setzte <strong>Susanne Niebling <\/strong>(ein junger Hirt), ihren hohen Sopran ein. Allein ihr Kost\u00fcm, mit wei\u00dfen Kniestr\u00fcmpfen und klobigen schwarzen Schuhen, widersprach der Sparkassenhallenumgebung. Irgendwas mu\u00df Jasmin Solfaghari im Kopf gehabt haben, das sie uns damit kundtun wollte. Vielleicht hat sie tats\u00e4chlich an eine Hirtenlandschaft (Pastorale) gedacht?<br \/>\n<strong>Camilla Nylund <\/strong>(Elisabeth) war eine Augen- und Ohrenweide: ihre Intonationssicherheit ist bewundernswert, nur ihre Aussprache ist grauenvoll: ich verstand fast nichts! Sollte man nicht doch auch bei deutschen Opern einen \u00dcbertitel mitlaufen lassen? Die schnelle Einstudierung der Gesangsrollen erlaubt zeitlich meist nicht, durch die Vokalisierung noch die Konsonanten verst\u00e4ndlich zu singen. <strong>Dalia Schaechter<\/strong> (Venus) sang und bewegte sich venusgerecht.<br \/>\n<strong>Der Chor<\/strong> war gut trainiert, aber oft sehr laut. Lauter allerdings war das Orchester unter <strong>Stenz<\/strong>\u2019 Stabf\u00fchrung. Auch eine massive Wagnerpartitur kann man zur\u00fccknehmen. Die S\u00e4nger haben es allemal schwer.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nWarum meinen eigentlich viele Regisseure, durch robustes Modernisieren eine Oper verst\u00e4ndlicher oder sogar attraktiver zu machen? Bei dieser Inszenierung geschieht es ohne irgendwelchen Gewinn an Klarheit oder Spannungserh\u00f6hung. Im Gegenteil, es sind so viele unverst\u00e4ndliche Einzelheiten, da\u00df man sich langweilt oder sich \u00e4rgert oder alles beim Gesang vergi\u00dft und die Augen schlie\u00dft. Ist das der Sinn einer Modernisierung, gegen die ja grunds\u00e4tzlich nichts einzuwenden ist?<br \/>\nEinstimmiges Buhen begr\u00fc\u00dfte dann auch das Regieteam. Sp\u00e4ter kam auch Applaus auf, wohl f\u00fcr die S\u00e4nger, die sich dem Team hinzugesellten. Das wiederum quittierte Frau Solfaghari mit deutlichem Lachen.<br \/>\nVom S\u00e4ngerischen ist die Auff\u00fchrung zwiesp\u00e4ltig aufzufassen: neben hervorragenden Stimmen die Stimme des Titelhelden, der einem eigentlich den Abend verleidet.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Klaus Lefebvre, Pilger mit T-Shirt und rotem Kreuz bei ihrer R\u00fcckkehr aus Rom<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen. UA: 19. Oktober 1945, Hoftheater, Dresden (sog. Dresdner Fassung, in K\u00f6ln verwandt). 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