{"id":2281,"date":"2010-12-05T21:59:41","date_gmt":"2010-12-05T20:59:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2281"},"modified":"2010-12-06T22:02:18","modified_gmt":"2010-12-06T21:02:18","slug":"hercules-%e2%80%93-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2281","title":{"rendered":"HERCULES \u2013 Essen, Aalto Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Musikalisches Drama in drei Akten, Musik, Text: Thomas Broughton, UA: 5. Januar 1745, London<\/p>\n<p>Regie: Dietrich Hilsdorf, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Renate Schmitzer<\/p>\n<p>Dirigent: Jos van Veldhoven, Essener Philharmoniker, Chor und Extrachor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Almas Svilpa (Hercules), Michaela Selinger (Dejanira), Andreas Hermann (Hyllus), Christina Clark (Iole), Marie-Helen Jo\u0451l (Lichas)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Dezember 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Essen-hercules.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2282\" title=\"Essen-hercules\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Essen-hercules.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Essen-hercules.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Essen-hercules-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Hercules, G\u00f6ttersohn und F\u00fcrst von Trachis, hat seinen Erzfeind K\u00f6nig Eurytus von Oechalia in der Schlacht besiegt. Als \u201eBeute\u201c nimmt er dessen Tochter Iole mit nach Trachis \u2013 wo sich Hercules\u2019 Sohn Hyllus prompt in die Sch\u00f6ne verliebt. Hercules\u2019 Frau Dejanira glaubt jedoch, er selbst habe es auf Iole abgesehen. Ein mit dem Blut des Zentauren Nessos getr\u00e4nktes Hemd soll Abhilfe schaffen und wie ein Liebeszauber wirken. Das Hemd ist jedoch vergiftet, Hercules stirbt einen qualvollen Tod. Dejanira droht an ihren Schuldgef\u00fchlen zu verzweifeln. Da erscheint ein Priester und verk\u00fcndet, Hercules sei als Unsterblicher in den Olymp aufgenommen, und Hyllus solle Iole heiraten. Dem Happy-end steht nichts mehr im Weg.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem das Licht pl\u00f6tzlich erloschen ist, beginnt der Abend im wahrsten Sinne des Wortes mit einem gewaltigen Paukenschlag \u2013 mit mehreren, um genau zu sein. Danach folgt statt der Ouvert\u00fcre die Einleitung des Chores \u201eJealousy\u201c aus dem zweiten Akt. Ein konvex gew\u00f6lbter eiserner Vorhang \u00f6ffnet sich von oben nach unten und gibt den Blick frei auf einen weiten, ruinenhaften Raum, der antiker Tempel und barocker Adelspalast zugleich ist. Auch die Kost\u00fcme verweisen auf das 18. Jahrhundert: Die Trachinier vertreten den Adel, das besiegte Volk der Oechalier hat orientalische Z\u00fcge \u2013 Assoziationen an die T\u00fcrkenkriege sind geweckt. Hercules kehrt konsequenterweise als absolutistischer F\u00fcrst mit stilisiertem Brustpanzer und wallender Lockenper\u00fccke, wie man ihn von zeitgen\u00f6ssischen Gem\u00e4lden kennt, aus dem Krieg heim. Allmacht demonstriert er bis zum Schlu\u00df: Das Hemd des Nessos l\u00e4\u00dft ihn in dieser Auff\u00fchrung zwar H\u00f6llenqualen leiden, kann ihm aber letztendlich nichts anhaben: Als Zeus-Priester verkleidet verk\u00fcndet Hercules seine eigene Olymp-Fahrt, l\u00e4\u00dft Dejanira vor Schreck sterben und verabschiedet sich dann fr\u00f6hlich winkend in den Ruhestand. Das sich aus den Kulissen hervordr\u00e4ngende Volk feiert Hyllus und Iole, ein von den Ereignissen gezeichnetes Paar, das nur z\u00f6gernd zueinander findet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ndel r\u00fcckt nicht den Helden in das Zentrum des Werkes, sondern seine rasend eifers\u00fcchtige Frau. Eine Rolle, die <strong>Michaela Selinger<\/strong> (Dejanira) musikalisch und szenisch nahezu perfekt ausf\u00fcllt: Ihrem satten, agilen Mezzosopran liegen dabei die dramatischen Ausbr\u00fcche am besten, gipfelnd in dem ber\u00fchmten Arioso <em>Where shall I fly \u2013 Wo berg ich mich<\/em> \u2013 weniger die Lamenti <em>Cease, ruler of the day, to rise \u2013 Halt\u2019 ein in deinem Lauf, Herrscher des Tages<\/em>, bei denen die Stimme im Piano-Bereich an Leuchtkraft verliert. <strong>Christina Clarks<\/strong> (Iole) schwebend leichter, zarter Sopran kann sich gegen\u00fcber Selingers kraftvoller Dejanira nicht immer durchsetzen, ber\u00fchrt aber gerade deswegen. Schade, da\u00df ihre Arie <em>My breast with tender pity swells \u2013 Z\u00e4rtliches Mitleid f\u00fcllt mein Herz<\/em> nur in einer gek\u00fcrzten Version zu h\u00f6ren ist. Zu Clarks Iole pa\u00dft <strong>Andreas Hermann<\/strong> (Hyllus) mit schlankem, jungenhaftem Tenor \u2013 ein introvertierter Heldensohn, dem die Schuhe seines Vaters noch ein paar Nummern zu gro\u00df sind. <strong>Almas Svilpa <\/strong>(Hercules), ein Kraftprotz mit Hang zur Selbstironie, f\u00fchrt seinen gewaltigen Ba\u00df-Bariton mit f\u00fcr einen in diesem Repertoire nicht versierten S\u00e4nger bemerkenswerter Sicherheit und Zur\u00fcckhaltung durch die Partie. Ihre androgyne, interessant gef\u00e4rbte Stimme empfiehlt <strong>Marie-Helen Jo<\/strong><strong>\u0451<\/strong><strong>l<\/strong> (Lichas) f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Mezzo-Rollen H\u00e4ndels. Mehr als nur unterst\u00fctzt wird das Ensemble von <strong>Chor und Extrachor<\/strong>, der<strong> <\/strong>seiner der griechischen Trag\u00f6die entnommenen Kommentatorrolle mit monumentaler Wucht nachkommt. Der Alte-Musik-Spezialist <strong>Jos van Veldhoven<\/strong> hat die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> perfekt auf die Partitur eingestimmt, was vor allem bei den elegant und zugleich mit scharfen Akzenten aufspielenden Streichern h\u00f6rbar wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur <strong>Dietrich Hilsdorf<\/strong> erz\u00e4hlt in fesselnden, zum Teil auch bestechend sch\u00f6nen Bildern die Geschichte einer tragischen Eifersucht. Trotz der mageren \u00e4u\u00dferen Handlung bleibt es bis zuletzt spannend. Zum einen weil Hilsdorf ein hervorragendes Ensemble im R\u00fccken hat, zum anderen weil er immer wieder f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut ist. Einf\u00e4lle wie die Paukenschl\u00e4ge zu Beginn, die zweimalige Plazierung des Chors im Zuschauerraum oder das auf sympathische Art ironisierte \u201eHappy End\u201c sind nur einige Beispiele. Ein rundum gelungener Opernabend, von dem sich das Publikum mit gro\u00dfem Jubel f\u00fcr alle Beteiligten verabschiedet!<\/p>\n<p>Dr. E.-M. Ernst<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michaela Selinger (Dejanira), Andreas Hermann (Hyllus)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Musikalisches Drama in drei Akten, Musik, Text: Thomas Broughton, UA: 5. 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