{"id":2246,"date":"2010-11-27T22:25:02","date_gmt":"2010-11-27T21:25:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2246"},"modified":"2010-11-28T22:27:56","modified_gmt":"2010-11-28T21:27:56","slug":"die-entfuhrung-aus-dem-serail-koln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2246","title":{"rendered":"DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Akten, Libretto: Johann Gottlieb Stephanie d.J. nach einer Dichtung von Christoph Friedrich Bretzner, UA: 16. Juli 1782, Hoftheater, Wien<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne: Matthias Schaller, Kost\u00fcme: Antje Sternberg, Licht: Andreas Frank, Dramaturgie: Georg Kehren<\/p>\n<p>Dirigent: Konrad Jungh\u00e4nel, G\u00fcrzenich Orchester, Chor der Oper K\u00f6ln, Andrew Ollivant<\/p>\n<p>Solisten: Ihsan Othmann (Bassa Selim), Olesya Golovneva (Konstanze), Brad Cooper (Belmonte), Anna Palimina (Blonde), John Heuzenroeder (Pedrillo), Wolf Matthias Friedrich (Osmin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. November 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Koeln-Entf\u00fcrung.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2247\" title=\"Koeln-Entf\u00fcrung\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Koeln-Entf\u00fcrung.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Koeln-Entf\u00fcrung.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Koeln-Entf\u00fcrung-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der vornehme Spanier Belmonte ist auf der Suche nach seiner Braut Konstanze, die zusammen mit ihrer Zofe Blonde und ihrem Liebhaber Pedrillo in den Palast des Bassa Selim, verschleppt worden. Selim m\u00f6chte Konstanze zu seiner Geliebten machen, w\u00e4hrend es sein Aufseher Osmin auf Blondchen abgesehen hat. Beide Frauen wissen sich jedoch zu wehren, was sowohl Selim als auch Osmin fast zur Verzweiflung treibt. Belmonte trifft zun\u00e4chst auf Osmin, dann auf Pedrillo, der Belmonte zu Bassa f\u00fchrt und ihn als Baumeister vorstellt. Belmonte und Pedrillo hecken einen Fluchtplan aus: Osmin wird betrunken gemacht und alle vier versuchen zu fliehen. Der Plan fliegt auf und Osmin droht mit furchtbarer Rache. Selim zeigt jedoch G\u00fcte und gew\u00e4hrt den beiden Paaren \u00fcberraschenderweise die Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung fand vor etwa 800 Zuh\u00f6rern in der ausverkauften Ausweichspielst\u00e4dte, der K\u00f6lner Eventhalle \u201ePalladium\u201c statt. In der Inszenierung wird der Konflikt zwischen der westlichen und der islamistisch gepr\u00e4gten Welt thematisiert. Es wird in T\u00fcrkisch, Englisch und Deutsch gesungen. Das Orchester ist von einem Rahmen umgeben, der ebenfalls ein Teil der B\u00fchne ist und wodurch die S\u00e4nger direkt ins Publikum gelangen k\u00f6nnen, was Belmonte w\u00e4hrend seiner Arie <em>Konstanze, dich wiederzusehen!<\/em> (1. Aufzug) auch tut. Beim ersten Auftritt des Selim, der einen schwarzen Anzug tr\u00e4gt und stets von kurdischen oder wie Taliban gekleideten K\u00e4mpfern bewacht wird, treten die Chors\u00e4ngerinnen schwarz-verschleiert in Erscheinung, w\u00e4hrend Konstanze als Kontrast einen wei\u00dfen Burka tr\u00e4gt. Selim spricht \u2013 entgegen der Vorgabe des Librettos \u2013 durchweg t\u00fcrkisch. Einzige Ausnahme ist der letzte Satz (3. Aufzug): <em>Wen man durch Wohltun nicht f\u00fcr sich gewinnen kann, den soll man sich vom Halse schaffen <\/em>Als Pedrillo und Belmonte in den Garten von Selim eindringen, sieht man dort graue Gesteinsbrocken. W\u00e4hrend der \u201eBaumeisterarie\u201c werden Pl\u00e4ne von Synagogen, Kirchen und Moscheen ausgepackt, darunter auch der Petersdom. Nach Osmins Freispruch legen die noch zuvor verh\u00fcllten Frauen ihren Schleier ab sind nun bauchnabelfreien und pr\u00e4sentieren dem Pascha einen erotischen Tanz.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die vorher bestehenden Bef\u00fcrchtungen bez\u00fcglich der Akustik bewahrheiteten sich gl\u00fccklicherweise bis auf wenige Ausnahmen nicht. Nur w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre waren die Pauken deutlich zu laut. Die gesangliche Leistung verdient die Note sehr gut. <strong>Olseya Golovneva<\/strong> in der Rolle der Konstanze dominierte dabei mit ihrem technisch perfekten, ausdrucksstarken und reinen Sopran. Auch in schwindelerregenden H\u00f6hen wie bei ihren Arien <em>Marter aller Arten<\/em> (2. Aufzug) und der noch etwas anspruchsvolleren Arie <em>Ach ich liebte, war so gl\u00fccklich<\/em> (1. Aufzug) wirkte sie \u00e4u\u00dferst souver\u00e4n und sicher. Mit nur wenigen Abstrichen trifft dies auch f\u00fcr <strong>Anna Palimina<\/strong> (Blonde) zu. Mit gro\u00dfer Leichtigkeit und ansprechender Klangfarbe meisterte sie ihre beiden Arien <em>Durch Z\u00e4rtlichkeit und<\/em> <em>Schmeicheln<\/em> und <em>Welche Wonne, welche Lust <\/em>(2. Aufzug<em>)<\/em>. Die Stimmen der beiden Liebhaber Pedrillo und Belmonte passten perfekt zu ihren Rollen. <strong>Wolf Matthias Friedrich<\/strong> in der Rolle des Osmins zeigte eine starke B\u00fchnenpr\u00e4senz und pr\u00e4sentierte seine Stimme mit gro\u00dfem Stimmvolumen. Das Zusammenspiel mit dem gut aufgelegten Orchester unter der Leitung von <strong>Konrad Jungh\u00e4nel<\/strong>, der ohne Vibrato spielen l\u00e4\u00dft, war vollkommen \u00fcberzeugend. Die einzelnen Stimmen waren sehr differenziert und feinf\u00fchlig herausgearbeitet, wodurch der Abend auch in dieser Hinsicht ein Erfolg wurde.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuschauer \u2013 unter ihnen auch der Vizepr\u00e4sident des Irak \u2013 konnten ein weiteres Mal in dieser Spielzeit eine hervorragende Auff\u00fchrung in K\u00f6ln erleben. Das Publikum war zufrieden, schien aber nicht \u00fcberw\u00e4ltigt zu sein. Die Beteiligten h\u00e4tten durchaus einen l\u00e4ngeren Applaus verdient. Beim Auftritt des Regie-Teams blieb die Stimmung des Publikums recht neutral. Etwas st\u00f6rend waren die Flugzeuge, die \u00fcber das Palladium hinweg flogen.<\/p>\n<p>Roman Bonitz<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Olesya Golovneva (Konstanze), Damen der Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Singspiel in drei Akten, Libretto: Johann Gottlieb Stephanie d.J. nach einer Dichtung von Christoph Friedrich Bretzner, UA: 16. 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