{"id":223,"date":"2008-03-13T19:42:18","date_gmt":"2008-03-13T17:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=223"},"modified":"2008-03-13T19:45:20","modified_gmt":"2008-03-13T17:45:20","slug":"new-york-metropolitan-opera-tristan-und-isolde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=223","title":{"rendered":"New York, Metropolitan Opera &#8211; TRISTAN UND ISOLDE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten; UA: 1865 M\u00fcnchen<br \/>\nRegie: Dieter Dorn, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: J\u00fcrgen Rose, Licht: Max Keller<br \/>\nDirigent: James Levine<br \/>\nSolisten: John Mac Master (Tristan), Deborah Voigt (Isolde), Michelle DeYoung (Brang\u00e4ne), Eike Wim Schulte (Kurwenal), Matti Salminen (Marke), Stephen Gaertner (Melot), Matthew Plenk (Stimme eines jungen Seemanns), Mark Schowalter (Hirt), James Courtney (Steuermann)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 10. M\u00e4rz 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"10308-ny-tristan-und-isolde.jpeg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/10308-ny-tristan-und-isolde.jpeg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"10308-ny-tristan-und-isolde.jpeg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/10308-ny-tristan-und-isolde.jpeg\" \/><\/a>Tristan, der tapferste Held Cornwalls, und Isolde, Prinzessin von Irland, sind f\u00fcreinander in Liebe entflammt. Da sie Repr\u00e4sentanten verfeindeter L\u00e4nder sind, sind sie allerdings au\u00dferstande, sich ihre Liebe einzugestehen. Als Brang\u00e4ne, die Zofe Isoldes, ihnen einen Liebestrank verabreicht, k\u00f6nnen sie es jedoch nicht l\u00e4nger voreinander verheimlichen. Ihre Liebe \u2013 Isolde ist Tristans Lehnsherrn Marke zur Ehe versprochen \u2013 l\u00e4\u00dft sich jedoch nicht verwirklichen, und so beschlie\u00dfen beide, den Tod zu w\u00e4hlen, um ihrer unm\u00f6glichen Situation zu entfliehen. Tristan st\u00fcrzt sich in das Schwert Melots, als beide im Morgengrauen von Marke und seinem Hofstaat ertappt werden, und wird schwer verletzt. An seiner Wunde siechend erwartet er verzweifelt die Ankunft Isoldes, um den ersehnten Tod finden zu k\u00f6nnen. Als sie bei ihm eintrifft, stirbt er. Isolde schickt sich in ihrem Schlu\u00dfgesang an der Leiche Tristans an, ihm zu folgen. Der Vorhang f\u00e4llt.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<strong>James Levine<\/strong>s Vorliebe f\u00fcr breite Tempi ist allgemein bekannt, doch h\u00e4lt sich mit Ausnahme des dritten Aktes seine Interpretation in den Grenzen des allgemein \u00dcblichen. Die S\u00e4nger \u2013 <strong>John Mac Master<\/strong>\u00a0(Tristan) sprang an diesem Abend f\u00fcr den erkrankten Ben Heppner ein \u2013 bieten ohne Ausnahme musikalisch ein unglaublich hohes Niveau, selbst die Nebenrollen waren mit Kr\u00e4ften besetzt, \u00fcber die sich jedes deutsche Theater freuen w\u00fcrde \u2013 vor allem der Kurwenal <strong>Eike Wim Schulte<\/strong>s ist hier zu nennen \u2013, und dennoch sprang der Funke an diesem Abend nicht \u00fcber.<br \/>\nDas lag zum einen sicherlich an der ausgesprochen biederen, teilweise sogar naiven Regie. Das B\u00fchnenbild, von zwei perspektivisch zulaufenden W\u00e4nden begrenzt und stets monochrom beleuchtet, gestattet ausschlie\u00dflich Auftritte aus dem B\u00fchnenboden heraus, was sp\u00e4testens im zweiten Akt regelrecht erm\u00fcdete.<br \/>\nDie gesamte gro\u00dfe Liebesszene im zweiten Akt fand vor einem stark wei\u00df-gr\u00fcnlich beleuchteten Hintergrund statt, der von dem Liebespaar lediglich die Umrisse erkennen lie\u00df, ohne jegliche Bewegung auf der B\u00fchne, und d\u00fcrfte damit zu den einfallslosesten Inszenierungen dieser entscheidenden und immerhin mehr als 40 Minuten dauernden Szene z\u00e4hlen. Einzelne Effekte wirkten unfreiwillig komisch und wurden vom Publikum dementsprechend auch mit lauten Gel\u00e4chter quittiert, etwa, wenn nach dem Genu\u00df des Liebestrankes die bis dahin in ein kaltes, wei\u00dfes Licht geh\u00fcllte B\u00fchne pl\u00f6tzlich tiefrot erstrahlte, wenn Isolde w\u00e4hrend ihrer Erz\u00e4hlung im ersten Akt pl\u00f6tzlich mit einer kleinen Tristan-Puppe in einem Miniaturboot hantierte, um das Erz\u00e4hlte zu illustrieren, und im dritten Akt Tristans Schlo\u00df Kareol \u2013 ebenfalls im Spielzeugformat und mit kleinen Pferden und Rittern dekoriert \u2013 aus dem B\u00fchnenboden emporsteigt. Mit Ausnahme von <strong>Matti Salminen<\/strong> (Marke), dessen gewaltige B\u00fchnenpr\u00e4senz auch an diesem Abend das Publikum f\u00f6rmlich hinri\u00df, und der Bayreuth-erprobten <strong>Michelle DeYoung<\/strong> (Brang\u00e4ne) scheiterten alle Darsteller an der vom Regisseur vorgegebenen ausgesprochen pathetischen und schwerf\u00e4lligen Personenf\u00fchrung.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus zeigten sich bei <strong>Deborah Voigt <\/strong>(Isolde), die an diesem Abend ihr Deb\u00fct als Isolde gab, und <strong>John Mac Master<\/strong> (Tristan) in ihren langen Monologen im ersten und dritten Akt teilweise gravierende M\u00e4ngel in der Beherrschung des deutschen Textes. Insbesondere Tristans ber\u00fcchtigter Fiebermonolog im dritten Akt mi\u00dflang gr\u00fcndlich, wof\u00fcr Mac Master vom Publikum unbarmherzig ausgebuht wurde. Das war insofern bedauerlich, als er sich an diesem Abend deutlich unter Wert verkaufte. Seine Gesangstechnik und Nuancierungsf\u00e4higkeit, die \u2013 f\u00fcr einen Heldentenor v\u00f6llig ungew\u00f6hnlich \u2013 sich durchaus mit der eines dramatischen Baritons messen kann, kam hier aufgrund seiner textlichen Unsicherheit kaum mehr zur Geltung. Au\u00dferdem erlaubt ihm seine enorme Korpulenz leider nur wenige Bewegungen auf der B\u00fchne. Eine Mischung aus Heiterkeit und Furcht machte sich breit, als er am Beginn des dritten Aktes auf seinem Krankenbett liegend, das offensichtlich nicht f\u00fcr ihn konstruiert war, aufgrund des leichten Gef\u00e4lles der B\u00fchne immer weiter unaufhaltsam in Richtung Orchestergraben rutschte.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nBis auf wenige Momente herrscht in dieser Inszenierung gepflegte Langeweile vor, auch wenn sich die Regie insgesamt recht eng an die Wagnerschen Regievorgaben h\u00e4lt und die musikalische Leistung von Orchester und S\u00e4ngern wirklich \u00fcber jeden Zweifel erhaben ist. Zwar ist man bei dieser Produktion vor unliebsamen \u00dcberraschungen von seiten der Regie sicher, zugleich fehlt es aber der altert\u00fcmlich anmutenden Personenf\u00fchrung sowie der Ausstattung und Beleuchtung der Szene an Konsequenz, so da\u00df kein \u00fcberzeugendes Ganzes entsteht.<br \/>\nDaher ist diese Produktion nur begrenzt zu empfehlen. Die derzeit in Bremen laufende Tristan-Inszenierung ist, obwohl sie in jeder Hinsicht mit ungleich begrenzteren Mitteln auskommen mu\u00df und mit einer \u00e4hnlich minimalistischen Personenf\u00fchrung arbeitet, der New Yorker in nahezu allen Punkten vorzuziehen.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Ken Howard<br \/>\nDas Bild zeigt Isolde (Deborah Voigt) und Brang\u00e4ne (Michelle DeYoung).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten; UA: 1865 M\u00fcnchen Regie: Dieter Dorn, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: J\u00fcrgen Rose, Licht: Max Keller Dirigent: James Levine Solisten: John Mac Master (Tristan), Deborah Voigt (Isolde), Michelle DeYoung (Brang\u00e4ne), Eike Wim Schulte (Kurwenal),<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=223\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[63,1],"tags":[],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-new-york-metropolitan-opera","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=223"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}