{"id":221,"date":"2008-03-12T21:30:39","date_gmt":"2008-03-12T19:30:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=221"},"modified":"2008-03-12T21:58:27","modified_gmt":"2008-03-12T19:58:27","slug":"gelsenkirchen-musiktheater-im-revier-l%c2%b4incoronazione-di-poppea-die-kronung-der-poppea","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=221","title":{"rendered":"Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier &#8211; L\u00b4INCORONAZIONE DI POPPEA (Die Kr\u00f6nung der Poppea)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Claudio Monteverdi, Dramma in musica in einem Prolog und drei Akten<br \/>\nDichtung: Giovanni Francesco Busenello, UA: Venedig 1642.<br \/>\nRegie: Bettina Lell (nach einer Inszenierung von Andreas Baesler), B\u00fchnenbild: Eckhard-Felix Wegenast,<br \/>\nKost\u00fcme: Susanne Hubrich, Dramaturgie: Johann Casimir Eule; Koproduktion mit Staatstheater Braunschweig<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli<br \/>\nSolisten: Wolf-R\u00fcdiger Klimm (Amor), Claudia Braun (Poppea), Anke Sieloff (Nero), Noriko Ogawa-Yatake (Ottavia), Matthias Lucht (Ottone), Christian Helmer (Seneca), Leah Gordon (Drusilla), William Saetre (Arnalta), Daniel Wagner (1. Soldat\/2. Sch\u00fcler), Jan Ciesielski (2. Soldat\/1. Sch\u00fcler), Artur Grywatzik (3. Sch\u00fcler), Statisterie des Musiktheaters im Revier, Neue Philharmonie Westfalen<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 9. M\u00e4rz 2008, Premiere<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/gelsenkirchen-poppea.jpg\" TITLE=\"gelsenkirchen-poppea.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/gelsenkirchen-poppea.jpg\" ALT=\"gelsenkirchen-poppea.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die G\u00f6tter Fortuna (Schicksal), Amor (Liebe) und Virtu (Tugend) streiten sich, wer von ihnen die Geschicke der Menschen lenkt. Amor will beweisen: allein die Liebe.<br \/>\nKaiser Nero liebt Poppea, die Gattin des Praetors Ottone. Er will Poppea zur neuen Kaiserin ernennen und sich daher von Kaiserin Ottavia trennen. Als Seneca die Machenschaften Neros kritisiert, wird er zum Selbstmord gezwungen. Ottone und dessen Freundin Drusilla versuchen auf Ottavias Rat, Poppea zu ermorden. Durch Eingreifen Amors mi\u00dflingt der Mordanschlag und die T\u00e4ter werden gefa\u00dft. Ottone bezichtigt die Kaiserin Ottavia der Mitt\u00e4terschaft. Beide werden daraufhin aus Rom verbannt und Nero erhebt seine Geliebte Poppea zur rechtm\u00e4\u00dfigen Kaiserin.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend bei Monteverdi die drei G\u00f6tter im Prolog um die wahre Macht streiten, zeigt sich die Inszenierung in dem eher schlichten, kleinen Theaterhaus sehr selbstbewu\u00dft: Amor beansprucht die Weltherrschaft f\u00fcr sich. Die Nebeng\u00f6tter Fortuna und Virtu gibt es nicht personifiziert auf der B\u00fchne. Amor f\u00fchrt als Beweis seiner \u00dcberlegenheit die Geschichte von Poppeas Kr\u00f6nung vor und ist, wie ein Allwissender, stets selbst in sichtbarer N\u00e4he des Geschehens. Er h\u00e4lt die F\u00e4den in der Hand h\u00e4lt.<br \/>\nEin besonderes Augenmerk dieser Inszenierung ist auf die Darstellung der Klassengegens\u00e4tze im St\u00fcck gelegt: die Adligen, die nur mit ihren Gef\u00fchlen besch\u00e4ftigt sind, singen italienisch, das niedere Volk der Soldaten, Ammen und Angestellten kann nur Deutsch, wohingegen der abgehobene Philosoph Seneca \u00f6fters auch in lateinischer Sprache doziert.<br \/>\nGew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig ist die mit <strong>Anke Sieloff<\/strong> weiblich besetzte Rolle des Kaisers Nero, da sich ihre weiblichen Konturen trotz m\u00e4nnlicher Verkleidung nicht leugnen lassen. Doch meistert sie diese von Monteverdi einst mit Kastratenstimme besetzte Rolle gesanglich und in ihren Bewegungen sehr gut. Ein echtes Mitf\u00fchlen w\u00e4hrend der Liebeszenen zwischen Nero und Poppea konnte aber nicht aufkommen, obwohl <strong>Claudia Braun<\/strong> (Poppea) gesanglich wie auch durch ihr attraktives, verf\u00fchrerisches \u00c4u\u00dferes grandios ist. Das Schlu\u00dfduett der beiden, in welchem das auf Erden wie im Himmel widerhallende Gl\u00fcck von Poppea und Nero besungen wird, ist ein musikalischer H\u00f6hepunkt. Das geht einem wirklich unter die Haut! <strong>Noriko Ogawa-Yatake<\/strong> (Ottavia) bringt gesanglich eine durchg\u00e4ngig gute Leistung und ist ihrer Rolle angemessen stimmlich unauff\u00e4llig. <strong>William Saetre<\/strong> (Arnalta) \u00fcberzeugt durch eine kecke Stimme und dem teilweise witzig vorgetragenen Parlando. <strong>Leah Gordon<\/strong> (Drusilla), <strong>Daniel Wagner<\/strong> (1. Soldat\/Sch\u00fcler), <strong>Jan Ciesielski<\/strong> (2. Soldat\/Sch\u00fcler) und <strong>Artur Grywatzik<\/strong> (Sch\u00fcler) machen aus ihren Nebenrollen stimmlich und agierend das Beste. <strong>Christian Helmer<\/strong> (Seneca) entspricht mit seiner volumin\u00f6sen Ba\u00dfstimme den zur Zeit Monteverdis typischen Stimmencharakter eines w\u00fcrdigen, weisen Philosophen. Die Todesszene Senecas ist dramatisch wie musikalisch beeindruckend. Der Counter-Tenor <strong>Matthias Lucht<\/strong> (Ottone) entspricht mit weicher, chromatisch schmiegsamer Melodik in seinen Gesangspassagen der Rolle eines zaudernden Ottone grandios. <strong>Wolf-<\/strong><strong>R\u00fcdiger Klimm<\/strong> (Amor) erinnert in seinem auff\u00e4llig kitschigen Silberpaillettenanzug mit Ballonrock, Fl\u00fcgeln und Plateaustiefeln eher an das B\u00fchnenoutfit der 1970er Jahre und \u00fcberschattet damit seine gesangliche Leistung. Insgesamt sind flippige Kost\u00fcme, Kleidung aus den 1950er Jahren bis zur\u00fcck zu barock anmutender Kost\u00fcmierung, bunt nebeneinander gruppiert.<br \/>\nDas Orchester unter der Leitung von<strong> Samuel B\u00e4chli<\/strong> verdient das gr\u00f6\u00dfte Lob. Von Monteverdis L\u00b4incoronanzione di Poppea ist n\u00e4mlich nur Singstimme und Ba\u00dflinie \u00fcberliefert. Erst durch die Instrumentation von Samuel B\u00e4chli und Kai Tietje ist sie f\u00fcr die Auff\u00fchrung au\u00dferordentlich eindrucksvoll hergerichtet worden.<br \/>\nDie Gradwanderung zwischen der Auff\u00fchrungspraxis Alter Musik und heutiger Musizierpraxis ist grandios gelungen. <strong>Kai Tietje<\/strong> und <strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> zaubern mit ihrer <strong>Kammermusikgruppe<\/strong> von 22 Musikern ein perfektes Zusammenspiel zwischen historischen Klangquellen wie Blockfl\u00f6ten, Laute, Truhenorgel und authentischen Streichinstrumenten einerseits und andererseits Klarinetten, Klavier, Akkordeon und Vibraphon von heute. Hinzu kommen noch Oboen, Fagotte und Posaune. Ein gewagtes Untenehmen, das manchmal sehr \u201eAnti-Monteverdisches\u201c, aber durchaus wohlklingendes Ergebnis hervorruft. Allemal kooperieren die Musiker gut miteinander. Sie verstehen es Rhythmik, Harmonik und Melodik meisterhaft darzubieten.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Auff\u00fchrung wirkt insgesamt sehr solide. Ein gro\u00dfer Applaus am Schlu\u00df der Premierevorstellung blieb aus. Die Umsetzung des St\u00fccks in der gebotenen Form ist sicherlich eine Geschmacksfrage.<\/p>\n<p>Britta Wandschneider<br \/>\nBild: Majer-Finkes \u25aa Rudolf Finkes<br \/>\nDas Bild zeigt Arnalta (William Saetre), links, Poppea (Claudia Braun), liegend, Amor (Wolf-R\u00fcdiger Klimm)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claudio Monteverdi, Dramma in musica in einem Prolog und drei Akten Dichtung: Giovanni Francesco Busenello, UA: Venedig 1642. 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