{"id":2194,"date":"2010-11-09T23:34:05","date_gmt":"2010-11-09T22:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2194"},"modified":"2010-11-12T23:36:52","modified_gmt":"2010-11-12T22:36:52","slug":"mazeppa-bremen-goethetheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2194","title":{"rendered":"MAZEPPA &#8211; Bremen, Goethetheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Piotr I. Tschaikowsky (1840-1893), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten und V.P. Burenin nach dem <em>Poltawa<\/em> von A.S. Puschkin, UA: 13. Februar 1884, Moskau<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Montan\u00e9, Bremer Philharmoniker, Theaterchor: Daniel Mayr<\/p>\n<p>Regie: Tatjana G\u00fcrbaca, B\u00fchne\/Licht: Klaus Gr\u00fcnberg, Kost\u00fcme: Silke Willrett, Marc Weeger, Dramaturgie: Juliane Luster<\/p>\n<p>Solisten: Jacek Strauch (Mazeppa), Nadine Lehner (Maria), Tamara Klivadenko (Ljubow L. Kotschubej), Loren Lang (Wassilij L. Kotschubej), Michael Baba (Andrej) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. November 2010 (Premiere, in russischer Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Bremen-Mazeppa.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2195\" title=\"Bremen-Mazeppa\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Bremen-Mazeppa.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Bremen-Mazeppa.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Bremen-Mazeppa-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Mazeppa, der Anf\u00fchrer der ukrainischen Truppen, liebt Maria, die Tochter der wohlhabenden Gutsbesitzer Kotschubej. Als er um ihre Hand anh\u00e4lt, lehnen die Eltern ab. Maria entscheidet sich aber f\u00fcr Mazeppa. Ihr Vater r\u00e4cht sich, indem er dem Zaren von Verschw\u00f6rungspl\u00e4nen Mazeppas berichten l\u00e4\u00dft, doch kommt er schlie\u00dflich selbst ins Gef\u00e4ngnis und wird gefoltert. Marias Mutter setzt ihre Tochter unter Druck, nur sie k\u00f6nne die bevorstehende Hinrichtung ihres Vaters noch verhindern. Beide kommen zu sp\u00e4t. Der Zar gewinnt den Kampf und Mazeppa mu\u00df fl\u00fcchten. Maria ist dem Wahnsinn verfallen, erkennt Mazeppa nicht mehr und singt dem sterbenden Jugendfreund Andrej ein letztes Schlaflied.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorhang hebt sich w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre und gibt den Blick auf eine Spielzeuglandschaft frei. Im Mittelpunkt der Handlung steht Maria, die mit dem R\u00fccken zum Publikum sitzt und Ausschnitte aus ihrer Kindheit betrachtet, die pantomimisch dargestellt werden. Der Vorhang f\u00e4llt, als die wahnsinnige Maria an diesen Platz zur\u00fcckkehrt. Im zweiten Bild des zweiten Aktes ist die B\u00fchne blau- und lila gef\u00e4rbt. Diese Farben kennzeichnen die Nacht sowie das heraufziehende Unheil. Die Spitzenbord\u00fcre, die Maria als Kind zum Spielen nutzte, h\u00e4ngt riesengro\u00df von der Decke herab. Zentrales Element zur Entwicklung der Geschichte ist das Material des Untergrunds: einmal sind es Holzschnitzel, ein anderes Mal verbrannte Erde, mal Uferbestfestigung, dann eine Grabstelle und Bl\u00e4tterhaufen. Der Schrecken der Folter und die Gewaltherrschaft des Mazeppa werden nur angedeutet, z.B. indem die Szene abbricht, bevor der mit Benzin \u00fcbergossene Iskra angez\u00fcndet wird oder indem sich in einem Restaurant zwei erstochene Menschen befinden. Einige Besonderheiten sind erw\u00e4hnenswert, z.B. die Vorf\u00fchrung von kleinen Judokas anstelle des Tanzes im ersten Bild und des Auftritts der Kinder im dritten Akt, wo auch das Sinnbild der verlorenen Schlacht \u2013 ein Bild der Vernichtung \u2013 wiedergegeben wird: der Strom wird abgestellt und Maria mit schief sitzender Frisur, schaukelndem Gang und irrem L\u00e4cheln ist nicht mehr sie selbst.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert sind die hervorragenden Bl\u00e4ser, denen das Spiel im Piano gut gelingt und die S\u00e4nger nicht \u00fcbert\u00f6nen. Immer wieder leuchten Stellen auf, an denen Instrumente die melodische Phrase eines S\u00e4ngers aufnehmen. Der Chor singt klangvoll, wobei der M\u00e4nner- den Frauenchor durch seine Geschlossenheit noch \u00fcbertrifft. An erster Stelle ist <strong>Nadine Lehner<\/strong> (Maria) zu nennen, die mit ihrer wunderbaren Sopranstimme und ihrem schauspielerischen K\u00f6nnen die gesellschaftliche Konventionen sprengende, verliebte, verzweifelnde und wahnsinnige Maria wiedergibt. <strong>Jacek Strauch<\/strong> (Mazeppa) singt mit einnehmendem Bariton, und es gelingt ihm, trotz der unbeschreiblichen Brutalit\u00e4t seiner Figur, \u00fcberzeugend darzustellen, da\u00df seine Liebe zu Maria echt und gut ist. Der Ba\u00dfstimme von <strong>Loren Lang<\/strong> (Kotschubej) fehlt ab und zu das Volumen in der Tiefe, doch f\u00fcllt er stimmlich und schauspielerisch die Rolle des gequ\u00e4lten Vaters und des gefolterten Gefangenen gut aus. Ein musikalischer H\u00f6hepunkt des Abends ist das Gebet vor seiner Hinrichtung. Die schauspielerische Darstellung der durch Rache getriebenen Mutter von <strong>Tamara Klivadenko<\/strong> (Ljubow Kotschubej) ist gekonnter als ihre stimmlichen Leistungen. <strong>Michael Baba<\/strong> (Andrej) fehlt in der H\u00f6he manchmal Stabilit\u00e4t, doch gewinnt er stimmlich und auch an dramatischen Ausdruck w\u00e4hrend des dritten Aktes.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine selten aufgef\u00fchrte Oper, die auf historische Tatsachen zur\u00fcckgeht und eine allgemeing\u00fcltige Geschichte erz\u00e4hlt, die sich nicht nur die Machtk\u00e4mpfe im Ru\u00dfland zu Anfang des 18. Jahrhunderts, sondern auch auf die aktuellen in unserer Zeit beziehen l\u00e4\u00dft. Eine in sich geschlossene, stimmige Inszenierung, in der es den S\u00e4ngern gelingt, das dramatische Geschehen nachvollziehbar zu machen.<\/p>\n<p>Das Publikum bedankte sich nach dreieinhalb Stunden Auff\u00fchrung mit Bravorufen und Applaus.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Mazeppa (Jacek Strauch) erkl\u00e4rt Maria (Nadine Lehner) seinen Plan der Machtergreifung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Piotr I. Tschaikowsky (1840-1893), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten und V.P. Burenin nach dem Poltawa von A.S. Puschkin, UA: 13. 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