{"id":2190,"date":"2010-11-04T23:22:17","date_gmt":"2010-11-04T22:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2190"},"modified":"2010-11-12T23:32:04","modified_gmt":"2010-11-12T22:32:04","slug":"der-leuchtende-fluss-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2190","title":{"rendered":"DER LEUCHTENDE FLUSS &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Johanna Doderer (*1969), Oper in drei Akten, Text von Wolfgang Hermann<\/p>\n<p>Regie: Guy Montavon; B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peter Sykora<\/p>\n<p>Dirigent: Walter E. Gugerbauer; Philharmonisches Orchester Erfurt, Opernchor des Theater Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: John Bellemer (Ira Hayes), Marisca Mulder (May), Florian G\u00f6tz (Taylor), Peter Sch\u00f6ne (General Curtis), St\u00e9phanie M\u00fcther (Captain Smith), Marwan Shamiyeh (Verwundeter), Sebastian Pilgrim (Onkel\/Soldat), Franziska Kr\u00f6tenheerdt (Kind) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. Oktober 2010 (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Erfurt-Leuchtende-Fluss.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2191\" title=\"Erfurt-Leuchtende-Fluss\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Erfurt-Leuchtende-Fluss.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Erfurt-Leuchtende-Fluss.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Erfurt-Leuchtende-Fluss-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6sterreichische Komponistin Johanna Doderer ist in ihrer musikalischen Sprache von keinerlei kompositorischen Dogmen beengt, wie sie selbst in einem Interview klarstellte. Diese Freiheit und stilistische Bandbreite merkt man ihrer Musik nur allzuschnell an. Denn viel, vielleicht zu viel, bietet die Musik dieser Oper. Mit dem konventionellen Instrumentarium eines Opernorchesters schafft Doderer einerseits starke emotionale Momente durch den Einsatz einer cineastischen Klangsprache. Der H\u00f6rer kann sich dieser Musik reflexionslos hingeben, da sie unseren von Film und Fernsehen gepr\u00e4gten H\u00f6rgewohnheiten entspricht. Auch Elemente der Klangmalerei, vor allem in der Kriegsszene, k\u00f6nnen so wahrgenommen werden. Immer wieder verpufften aber diese gro\u00dfartigen, leidenschaftlichen Musikmomente und der Zuschauer wurde in ein klangliches und leider auch dramaturgisches Nirgendwo bef\u00f6rdert. Auf indianische Musik ging Doderer durch den Einsatz von Perkussionsinstrumenten ein. Wenn auch kein Klangmaterial der Pima-Indianer mehr erhalten ist, h\u00e4tte dieses Element doch auch Eingang in die vokale Klangsprache finden k\u00f6nnen. Diese war im Gegensatz zur Musik aber eher unmelodisch-prosaisch, eher ein Sprechgesang, und nur selten arios.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Pima-Indianer Ira Hayes schlie\u00dft sich der amerikanischen Armee im Zweiten Weltkrieg an, im Glauben, damit seinem hungerleidendem Volk, welches von den Amerikaner seiner Wasserversorgung beraubt wurde, zu helfen. Zusammen mit Taylor, dem Bruder seiner Geliebten May, und anderen M\u00e4nnern seines Stammes wird er zur Rache f\u00fcr Pearl Harbor nach Japan geschickt. Auf der kleinen Insel Iwo Jima kommt es zum Kampf. Viele seiner Kameraden sterben. Auf dem Berg Suribachi hissen sechs Soldaten die amerikanische Flagge, unter ihnen auch Ira. Das Foto dieses historischen Moments macht Ira zu einem Kriegshelden. Er wird f\u00fcr Kriegspropaganda nach Amerika geschickt. Doch kann er die Schrecken des Krieges und seine ethnische Herkunft nicht vergessen. Er verf\u00e4llt dem Alkohol. Seine Vorgesetzten machen ihn glauben, da\u00df May gestorben sei. Doch die Indianer haben begonnen, sich gegen die Unterdr\u00fcckung durch die Amerikaner zu wehren. Bei der Befreiungsaktion Iras wird er von seinen eigenen Kameraden erschossen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung und Ausstattung ist klar strukturiert: W\u00e4hrend die dominierenden Amerikaner in hellen S\u00e4ulenhallen und strahlend wei\u00dfen Paradeuniformen auf der oberen Ebene der Hebeb\u00fchne Sekt trinken, vegetieren die hungerleidenden Indianer mit zeitgen\u00f6ssischen, verschlissenen Jeans und T-Shirts bekleidet in d\u00fcstrer Landschaft auf dem unteren Teil vor sich hin. Nur eine klapprige Treppe mit einer Luke verbindet diese beiden kontrastierenden Welten. Die mit Teilen der amerikanischen Verfassung bedruckte S\u00e4ulenhalle wird im Verlauf der Oper mehrfach umgedeutet: durch Beleuchtungseffekte und vom Schn\u00fcrboden herabgelassene Soldatenpuppen zum Schlachtfeld auf Iwo Jima, durch sich \u00fcberlappende Fotoprojektionen von Indianern in traditionellem Schmuck und Bewegung der S\u00e4ulen zu Iras Alptraum, durch Rednerpult und St\u00fchle zu einer Pressekonferenz. Dem Titel der Oper Ehre erweisend hebt sich zur Schlu\u00dfapotheose die B\u00fchne etwas und l\u00e4\u00dft ein leuchtendes Lichtbanner unterhalb der \u00f6den Indianerwelt in den Zuschauerraum hineinstrahlen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Dirigat von<strong> Walter E. Gugerbauer<\/strong> schuf das <strong>Philharmonische Orchester Erfurt<\/strong> die bereits erw\u00e4hnten grandiosen musikalischen Momente dieser Urauff\u00fchrung. Bl\u00e4ser und Schlagwerk \u00fcbert\u00f6nten mehrfach das Klanggeschehen in unangenehmer Weise. Der Tenor <strong>John Bellemer<\/strong> (Ira Hayes) interpretierte seine Rolle \u00fcberzeugend. Wegen der Beschaffenheit seiner Gesangspartie konnte er nur bedingt seine stimmlichen M\u00f6glichkeiten unter Beweis stellen. Ihm zur Seite begeisterte die Sopranistin <strong>Marisca Mulder<\/strong> als Geliebte May mit ihrer glasklaren Stimme, einer besonders deutlichen Artikulation und darstellerischen Leistung vor allem in ihrer Klage im dritten Akt. Auch der Bassist <strong>Florian G\u00f6tz<\/strong> (Taylor) zeigte sich stark in der szenischen Darstellung. Seine Stimme neigte allerdings in der H\u00f6he zu unangenehmer Enge. <strong>Peter Sch\u00f6ne<\/strong> (General Curtis) war die wohl einzige \u201eArie\u201c, in der Auftrittsszene <em>Amerika braucht euch<\/em>, verg\u00f6nnt. Mit seinem geschmeidigen Bariton und, als einer der wenigen an diesem Abend, mit deutlicher Textverst\u00e4ndlichkeit, erfreute er nicht zum ersten Mal das Erfurter Publikum. Die Mezzosopranistin <strong>St\u00e9phanie M\u00fcther<\/strong> (Captain Smith) rundete sowohl darstellerisch als auch stimmlich das durch mehrere kleinere Solopartien erweiterte Solistenensemble w\u00fcrdig ab. Besonders im Duett mit John Bellemer konnte sie ihre weiche, unverdunkelte Stimme spielerisch zeigen.<\/p>\n<p>Die wahrscheinlich anspruchsvollste Gesangpartie hatte der <strong>Opernchor des Theater Erfurt <\/strong>zu bew\u00e4ltigen. Als Masse Volk war er sowohl auf als auch unter und hinter der B\u00fchne aktiv, und auch die au\u00dfergew\u00f6hnlichen Sprachen Japanisch und Indianisch waren f\u00fcr die Choristen keine Schwierigkeit.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn auch das musikalische sowie das dramaturgische Gesamtkonzept der Oper nicht durchweg vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugen konnten, so war es dennoch ein spannender Premierenabend und eine unbedingt zu w\u00fcrdigende Leistung, diesen gesellschaftskritischen Stoff einer nicht allzu weit entfernten Epoche der amerikanischen Geschichte auf die Erfurter B\u00fchne bringen und diese damit einem anderen Publikum, als den durchschnittlichen Kinog\u00e4ngern (in Gestalt von <em>Flags of our fathers<\/em> und <em>Letters from Iwo Jima<\/em>), n\u00e4her zu bringen. Sowohl Komponistin und Librettist als auch Regieteam und Opernensemble wurden anschlie\u00dfend mit langanhaltendem Applaus belohnt.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: John Bellemer (Ira Hayes) hilft den Soldaten beim Hissen der amerikanischen Flagge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johanna Doderer (*1969), Oper in drei Akten, Text von Wolfgang Hermann Regie: Guy Montavon; B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peter Sykora Dirigent: Walter E. 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