{"id":219,"date":"2008-03-12T21:21:59","date_gmt":"2008-03-12T19:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=219"},"modified":"2018-10-14T15:32:58","modified_gmt":"2018-10-14T14:32:58","slug":"london-covent-garden-salome","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=219","title":{"rendered":"London (Covent Garden) &#8211; SALOME"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss, Drama in einem Akt, Libretto: Hedwig Lachmanns \u00dcbersetzung des Dramas Salom\u00e9 (1891) von Oscar Wilde, redigiert von Richard Strauss. UA: 9. Dezember 1905, Dresden<br \/>\nRegie: David Mc Vicar, B\u00fchnenbild: Es Devlin, Licht: Wolfgang G\u00f6bbel, Video: Leo Warner und Mark Grimmer<br \/>\nDirigent: Philippe Jordan, Orchestra Royal Opera House<br \/>\nSolisten: Thomas Moser (Herodes), Michaela Schuster (Herodias), Nadja Michael (Salome), Michael Volle (Jochanaan), Joseph Kaiser (Narraboth), Daniela Sindram (Page), Adrian Thompson, Martyn Hill, Hubert Francis, Ji-Min Park, Jeremy White (Juden), Iain Paterson, Julian Tovey (Nazarener), Vuyani Mlinde (ein Kappadozier)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 8. M\u00e4rz 2008 (Premiere: 21. Februar 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a title=\"london-salome.jpg\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/london-salome.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/london-salome.jpg\" alt=\"london-salome.jpg\" align=\"right\" \/><\/a>Die Oper beginnt mit einem Geburtstagsfest im K\u00f6nigspalast. Herodias Tochter Salome hat die Festgesellschaft ihres Stiefvaters Herodes aus Langeweile verlassen und kommt in den Palastkeller zu den Soldaten. Diese bewachen Jochanaan, der in einer Zisterne gefangen gehalten wird. Die Stimme von Jochanaan h\u00f6rt man aus einem Gitter, das die Zisterne verschlie\u00dft. Er verw\u00fcnscht das ehebrecherische Verhalten von Herodias und Herodes, denn Herodes hatte die Frau seines Bruders Philipp geheiratet. Von Jochanaans Stimme erregt zwingt Salome die Soldaten, diesen trotz des strikten k\u00f6niglichen Verbots ihr vorzuf\u00fchren. Seine ungeschlachte Art, sein wildes Aussehen, seine verfilzten Haare reizen Salome noch mehr: sie ger\u00e4t geradezu in eine Obsession. Sie ber\u00fchrt ihn, streift mit den H\u00e4nden durch seine Haare und will ihn schlie\u00dflich k\u00fcssen. Doch Jochanaan weist sie brutal zur\u00fcck und wird in sein Erdloch zur\u00fcckgeworfen.<br \/>\nVon der Terrasse herunter kommen ihr Stiefvater, ihre Mutter Herodias und die Festg\u00e4ste in das Kellergescho\u00df. Herodes ist so sehr vernarrt in seine Stieftochter, da\u00df er sie bittet, f\u00fcr ihn zu tanzen. Als sie sich weigert, schw\u00f6rt er, ihr alle seine Sch\u00e4tze und sogar die H\u00e4lfte seines K\u00f6nigsreichs zu geben. Endlich tanzt sie. Danach fordert sie den Kopf des Jochanaan. Ihre Mutter ist dar\u00fcber entz\u00fcckt. Br\u00fcsk weist Salome alle Kleinodien, die Herodes ihr bietet, zur\u00fcck. Schlie\u00dflich wird ihr das Haupt Jochanaans auf einer Silbersch\u00fcssel pr\u00e4sentiert. Ganz au\u00dfer sich k\u00fc\u00dft sie ekstatisch den Mund des abgeschlagenen Kopfes. Da l\u00e4\u00dft Herodes sie umbringen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nIn drei ineinander \u00fcbergehende R\u00e4umen, die an eine Schl\u00e4chterei (s. Abb.) erinnern, sieht man ein an den Beinen aufgeh\u00e4ngtes Schwein mit abgeschlagenem Kopf. Einige Soldaten mit Gewehren bewachen einen in den Boden gelassenen Rost, aus dem Jochanaans Verw\u00fcnschungen schallen. Zwei Frauen, die eine in Unterw\u00e4sche, die andere v\u00f6llig nackt, dienten offenbar den Soldaten zur Lustbefriedigung. Sie ziehen sich langsam an. Wie Strauss es vorschreibt, schreitet \u00fcber eine geschwungene Treppe rechts Prinzessin Salome in einem engen Abendkleid herab.<br \/>\nBei Salomes Tanz wird dem Zuschauer die Illusion vermittelt (wohl Videokunstst\u00fcck), da\u00df sie durch sieben Pforten hindurchtanzt. Die R\u00e4ume hinter den Pforten sind allesamt leer, nur einmal steht darin ein ovaler Spiegel. Dann findet Salome auf einem Kleiderst\u00e4nder ein wei\u00dfes Abendkleid (ist es ein Hochzeitskleid?). Sie streift es sich \u00fcber, dreht ekstatische Pirouetten und tanzt schlie\u00dflich Walzer mit Herodes. Am Ende sehen wir wieder den gefliesten Keller, worin sich dann das schreckliche Finale mit Jochanaans und ihrem eigenen Tod ereignet.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Nadja Michael<\/strong> (Salome) ist best\u00fcrzend wirklichkeitsnah, dabei mitrei\u00dfend und absto\u00dfend zugleich \u2013 wie es ihre Rolle erfordert. Ihr Sopran ist lyrisch, schrill und \u2013 beim Fordern des Hauptes von Jochanaan \u2013 dunkel belegt, so da\u00df das sechsmal ge\u00e4u\u00dferte Fordern von Jochanaans Tod in den verschieden Tonarten wohl bei jedem Zuschauer ein Fr\u00f6steln hervorruft. <strong>David Mc Vicar<\/strong> versteht es ungemein eindrucksvoll, diese verw\u00f6hnte und schlie\u00dflich \u00fcbergeschnappte junge Frau ihrer Rolle gem\u00e4\u00df zu f\u00fchren. Mit wachsender Spannung verfolgt man ihre perverse Erotik, die schlie\u00dflich in den nekrophilen K\u00fcssen des abgeschlagenen Kopfes kulminiert. Eine kolossale schauspielerische und s\u00e4ngerische Leistung!<br \/>\n<strong>Michael Voll<\/strong>e (Jochanaan) stellt den vitalen Propheten mit den verfilzten langen Haupthaaren, dessen Gesicht und Kutte nur so vor Schmutz starren, vollendet dar. Die ruhigen Prophetien \u00fcber den Erretter der Welt, die als einzige Musik in geordneten Harmonien unser Ohr treffen, bringt er mit seinem grundigen Bariton ungemein \u00fcberzeugend heraus. Salomes unmi\u00dfverst\u00e4ndlichen Ann\u00e4herungen und seine brutale Zur\u00fcckweisung gestaltet er so plastisch, da\u00df man keines seiner Worte zu verstehen braucht, um dennoch alle Aktionen sofort richtig zu deuten. Doch Volle prononciert dennoch so deutlich \u2013 im Gegensatz zu Nadja Michael \u2013 da\u00df der spannungsgeladene Handlungsablauf eine fast unertr\u00e4gliche Intensit\u00e4t erreicht.<br \/>\nAu\u00dferordentlich gekonnt gestalten die f\u00fcnf Juden ihr Gez\u00e4nk, ob Jochanaan Gott gesehen habe oder nicht. Dieses kompositorische Meisterst\u00fcck, an Kakophonie mit den \u00fcbereinander get\u00fcrmten verschiedenen Tonarten (Bitonalit\u00e4t) f\u00fcr die damalige Zeit (1905) ungeheuer neu, wird auch hier auf der B\u00fchne meisterhaft dargestellt. Alle anderen S\u00e4nger, voran nat\u00fcrlich <strong>Thomas Moser<\/strong> (Herodes) und<strong> Michaela Schuster<\/strong> (Herodias), sind auf gleichem s\u00e4ngerischen Niveau wie die beiden Hauptdarsteller.<br \/>\nDas Riesenorchester begleitet allermeist gut, ohne \u2013 wie es leider oft geschieht \u2013 allzuviel vordergr\u00fcndig aufzuspielen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine umwerfende, nervenaufreizende, gleichzeitig anziehende und absto\u00dfende Auff\u00fchrung, so wie Strauss sich auch einmal schriftlich dazu ge\u00e4u\u00dfert hat. Salomes Tanz mit dem Durchschreiten der sieben Pforten ist eine in der heutigen Regie und B\u00fchnengestaltung ganz ungew\u00f6hnliche geistige Leistung.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<br \/>\nBild: Clive Barda<br \/>\nDas Bild zeigt Jochanaan (Michael Volle), links , Narraboth (Joseph Kaiser), Mitte,<br \/>\nSalome (Nadja Michael), rechts<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss, Drama in einem Akt, Libretto: Hedwig Lachmanns \u00dcbersetzung des Dramas Salom\u00e9 (1891) von Oscar Wilde, redigiert von Richard Strauss. UA: 9. 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