{"id":2127,"date":"2010-09-19T09:27:05","date_gmt":"2010-09-19T08:27:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2127"},"modified":"2010-10-27T09:35:42","modified_gmt":"2010-10-27T08:35:42","slug":"iphigenie-en-tauride-%e2%80%93-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2127","title":{"rendered":"IPHIG\u00c9NIE EN TAURIDE \u2013 Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Trag\u00e9die-op\u00e9ra in 4 Akten, Libretto: Nicolas-Fran\u00e7ois Guillard, in franz\u00f6sischer Sprache, UA: 1779, Paris<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchnenbild: Tobias Hoheisel<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Chor und Ballett Landestheater Coburg<\/p>\n<p>Solisten: Betsy Horne (Iphig\u00e9nie), Benjamin Werth (Oreste), Roman Payer (Pylade), Rainer Scheerer (Thoas), Joanna Stark (erste Priesterin), Gabriele Bauer-Rosenthal (zweite Priesterin), Marie Smolka (Diane, Griechin), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. September 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Coburg-Iphigenie.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2128\" title=\"Coburg-Iphigenie\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Coburg-Iphigenie.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Coburg-Iphigenie.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Coburg-Iphigenie-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Auf Tauris dient Iphig\u00e9nie der G\u00f6ttin Diane als Oberpriesterin. Zu ihren Pflichten geh\u00f6rt die Opferung jedes Fremden, der Tauris betritt. Durch einen Sturm stranden ihr Bruder Orest und sein Gef\u00e4hrte Pylade auf Tauris und sollen geopfert werden. Orest wird, seit er den Tod des Vaters durch die Ermordung der Mutter Klyt\u00e4mnestra r\u00e4chte, von den Furien verfolgt. Als er Iphig\u00e9nie begegnet, sie jedoch nicht erkennt, da er sie f\u00fcr tot h\u00e4lt, berichtet er von den furchtbaren Ereignissen im Vaterhaus. Iphig\u00e9nie will den Fremden, der sie an den eigenen Bruder erinnert, retten und mit einer Botschaft zur Schwester schicken. Doch Orest droht mit seinem Selbstmord, bis sie Pylade schickt. Iphig\u00e9nie erkennt Orest, aber K\u00f6nig Thoas ist erz\u00fcrnt \u00fcber die Flucht von Pylade und Iphig\u00e9nies Weigerung ihrer Pflicht nachzukommen. Rechtzeitig kehrt Pylade zur\u00fcck und t\u00f6tet Thoas. Diane verzeiht Orest und verhei\u00dft den Geschwistern eine gute Heimfahrt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Einheitsb\u00fchnenbild zeigt eine schmucklose steinerne Rampe, die an drei Seiten von einer Holz-Palisade umgeben ist. Zum Betreten kann man in dem Zaun schmale Luken \u00f6ffnen und eine Leiter herunterklettern. Man kann aber auch \u00fcber den Zaun schauen und Iphig\u00e9nie dabei zusehen wie ungern sie mit einem schmalen Dolch die Opferungen vornimmt. Allerdings bleiben die Leichen nicht liegen, sondern bel\u00e4stigen Iphig\u00e9nie erst noch etwas und winden sich dann von der B\u00fchne. Nachdem Orest und Pylade mit verbundenen Augen auf die Rampe geworfen wurden, werden sie von vier Klyt\u00e4mnestra-Doubles verfolgt. Thoas wird von schwarzen Stocktr\u00e4gern unterst\u00fctzt. Am Ende senkt sich ein helles Licht vom ersten Rang auf die B\u00fchne, Diana verk\u00fcndet Ihre Botschaft von dort. Die Kost\u00fcme lassen sich weder Zeit noch Ort zuordnen, die Damen tragen bunte Wickelgew\u00e4nder und einen Turban, die Herren helle Hosenanz\u00fcge, Thoas einen schwarzen Anzug und einen tiefschwarzen Bubikopf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch war dieser Abend sicherlich eine Sternstunde. Vater des Erfolges der neue GMD Roland Kluttig, der das Philharmonische Orchester zu einer enormen Energieleistung trieb \u2013 die Instrumente waren manchmal deutlich zu laut. Farbenreichtum, fein ausgewogene Lautst\u00e4rke- und Tempowechsel versinnbildlichten die Gef\u00fchle, die die Hauptdarsteller auf der B\u00fchne darzustellen hatten. Durch die Einheit von B\u00fchne und Orchester wurden die geschilderten Abgr\u00fcnde in der menschlichen Seele f\u00fchlbar, wie z.B. von <strong>Betsy Horne<\/strong> (Iphig\u00e9nie), die ihren Rollenwechsel vom Mezzo zum dramatischen Sopran vorf\u00fchrte. Sie war stark in den dramatischen Momenten, lyrisch verhalten und technisch gl\u00e4nzend in den nachdenklichen Momenten. Ebenso ausdrucksstark <strong>Benjamin Werth<\/strong> als Orest, der sich als Bariton im italienisch-franz\u00f6sischen Fach mit klarer H\u00f6he empfahl. Dagegen konnte sich <strong>Roman Payer<\/strong> als Pylades nicht durchsetzen. Obschon er ein Tenor ist, h\u00f6rten sich seine H\u00f6hen heiser und unsch\u00f6n an. Dem Wahnsinn verfallen ist der Massenm\u00f6rder Thoas, dargestellt von <strong>Rainer Scheerer<\/strong>. Er gibt der Hysterie seiner Figur Gestalt und f\u00fchrt die Monologe an der Grenze zwischen intensiver Dramatik und dem \u00dcberschlagen der Stimme. F\u00fcr diese Rolle war seine s\u00e4ngerische Leistung grandios, aber ob er \u00fcber weitere klangliche Feinheiten verf\u00fcgt, mu\u00df er noch in anderen Rollen zeigen. <strong>Marie Smolka<\/strong> als Diana und Griechin war kaum zu h\u00f6ren, da sie von der T\u00fcr zum Foyer aus singen mu\u00dfte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Coburger Verh\u00e4ltnisse frenetischer und \u00fcberlanger Beifall f\u00fcr die erste Produktion unter dem neuen Intendanten Bodo Busse. Mit einer hervorragenden musikalischen Umsetzung \u2013 gepr\u00e4gt durch ein harmonisch aufeinander abgestimmtes S\u00e4ngerensemble \u2013 setzt er einen Ma\u00dfstab, der hoffentlich seine Amtszeit pr\u00e4gen wird. Eine Weiterentwicklung des (bisher schon guten) S\u00e4ngerensembles ist z.B. mit dem Zugang von Betsy Horne augenf\u00e4llig. F\u00fcr die szenische Umsetzung in einer zeitlosen, etwas nichtssagenden B\u00fchne ist er nicht verantwortlich, aber man h\u00e4tte den Regisseur Jakob-Peters-Messer wohl darauf hinweisen sollen, da\u00df Menschenopfer zur Bes\u00e4nftigung griechischer G\u00f6tter eigentlich nur in einem antiken griechischen Zusammenhang glaubhaft sind. Eine detaillierte Personenf\u00fchrung und eine gute Bewegungschoreographie des Chores lieferte er aber dennoch ab. Selten hat man die Beziehung zwischen Iphig\u00e9nie und Orest bzw. Zwischen Orest und Pylade so erhellend auf den Punkt gebracht gesehen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Henning Rosenbusch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Das Licht f\u00e4hrt vom ersten Rang hinunter: Kronleuchter blenden mit Licht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Trag\u00e9die-op\u00e9ra in 4 Akten, Libretto: Nicolas-Fran\u00e7ois Guillard, in franz\u00f6sischer Sprache, UA: 1779, Paris Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchnenbild: Tobias Hoheisel Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Chor und Ballett Landestheater Coburg Solisten: Betsy Horne (Iphig\u00e9nie), Benjamin Werth<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2127\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-2127","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-coburg-landestheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2127"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2127\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2130,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2127\/revisions\/2130"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}