{"id":2090,"date":"2010-10-23T14:32:12","date_gmt":"2010-10-23T13:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2090"},"modified":"2010-10-23T14:35:14","modified_gmt":"2010-10-23T13:35:14","slug":"andrea-chenier-stockholm-konigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2090","title":{"rendered":"ANDREA CH\u00c9NIER &#8211; Stockholm, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>von Umberto Giordano (1867-1948), lyrisches Historiendrama in vier Akten, Libretto: Luigi Illica, UA: 1896 Mailand<\/p>\n<p>Regie: Dmitri Bertman, B\u00fchne: Hartmut Sch\u00f6rghofer, Kost\u00fcm\/Maske: Corinna Crome, Licht: Hans-\u00c5ke Sj\u00f6kvist<\/p>\n<p>Dirigent: Pier Giorgio Morandi, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: Folke Alin und Christina H\u00f6rnell<\/p>\n<p>Solisten: Lars Cleveman (Ch\u00e9nier), Jeremy Carpenter (Charles G\u00e9rard), Katarina Dalayman (Madeleine de Coigny), Susann V\u00e9gh (Bersi), Ingrid Tobiasson (Gr\u00e4fin de Coigny), Gunnar Lundberg (Roucher) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Oktober 2010 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Stockholm-Chenier.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2091\" title=\"Stockholm-Chenier\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Stockholm-Chenier.gif\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Stockholm-Chenier.gif 232w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Stockholm-Chenier-198x300.gif 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns in der Zeit der Schreckensherrschaft Robespierres. Der Dichter Andrea Ch\u00e9nier, der vor der Revolution in adeligen Kreisen verkehrt hat, steht auf der Liste der Polizei als Feind der Revolution. Sein Freund Roucher versucht, ihn zur Flucht zu \u00fcberreden, doch Ch\u00e9nier will wissen, wer hinter den anonymen Briefen steckt, die er seit f\u00fcnf Jahren bekommt. Sie stammen von Madeleine de Coigny, die sich in Paris versteckt h\u00e4lt. Doch bei ihrem Treffen werden beide von Charles G\u00e9rard, Madeleines ehemaligem Diener, der ihr in heimlicher Liebe verfallen ist, entdeckt. Ch\u00e9nier wird verhaftet und zum Tode verurteilt, obwohl G\u00e9rard w\u00e4hrend der Verhandlung seine eigene Anklageschrift als F\u00e4lschung entlarvt. In seiner Todeszelle bekommt der Dichter Besuch von Madeleine, die sich entschlie\u00dft, mit ihm zusammen in den Tod zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild wird von einem riesigen goldenen Bilderrahmen dominiert, der sich in alle Richtungen drehen l\u00e4\u00dft und die Szene klar in Hinter- und Vordergrund unterteilt. Das Fest am Hofe der de Coignys im ersten Akt wird von S\u00e4ngern in bonbonfarbenen Rokokokost\u00fcmen bev\u00f6lkert, die sich zumeist wie aufgezogene Spieluhren \u00fcber die Szene bewegen. Das abgewetzt wirkende Make-up der Darsteller symbolisiert das seine letzten Tage erlebende Ancien R\u00e9gime. In den \u00fcbrigen drei Akten, die im Jahre 1794 spielen, sieht man historisch inspirierte Kost\u00fcme und Masken mit einigen verfremdenden Elementen. Beispielsweise tritt Charles G\u00e9rard, der sich vom Diener zum Sansculotten (Pariser Arbeiter und Kleinb\u00fcrger) gewandelt hat, hier in einem blutroten Frack auf w\u00e4hrend Bersi, die ehemalige Kammerfrau Madeleines, wie ein Skelett oder eine heidnische Schamanin kost\u00fcmiert erscheint. Die Positionswechsel der S\u00e4nger sind rasch, und der Chor steht sehr gedr\u00e4ngt, vor allem im ersten Akt<strong>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Star dieses Abends war zweifelsohne <strong>Lars Cleveman<\/strong> in der Titelpartie. Giordano stellt die S\u00e4nger durch seine massive Instrumentation vor enorme Herausforderungen, der sich einige S\u00e4nger der kleineren Partien an diesem Abend geschlagen geben mu\u00dften. Nicht aber Cleveman: Mit ungeheurer Kraft und Pr\u00e4zision setzte er seine T\u00f6ne auch im lautesten Fortissimo exakt und wohlklingend. Es gab keine Stelle, an der seine Stimme im Orchesterklang verschwand, und beim Schlu\u00dfduett des vierten Aktes <em>\u00c8 la morte!<\/em> \u2013 <em>Es ist der Tod!<\/em> mit <strong>Katarina Dalayman<\/strong> (Madeleine de Coigny) war es der Tenor und nicht der Sopran, der am deutlichsten herauszuh\u00f6ren war. Einziger Minuspunkt ist Clevemans etwas stereotypes Spiel. Katarina Dalayman wu\u00dfte an diesem Abend mit ihrer gro\u00dfen Stimme f\u00fcr sich einzunehmen, auch bei ihrer Glanznummer <em>La mamma morta<\/em> \u2013 <em>Die Mutter starb<\/em> im zweiten Akt. Doch ist bei einigen T\u00f6nen der Mittellage eine gewisse Spr\u00f6digkeit des Ansatzes zu sp\u00fcren. <strong>Jeremy Carpenter<\/strong> (Charles G\u00e9rard) hat eine beeindruckend durchschlagende Baritonstimme mit tenoraler Spitze. Lediglich die allertiefsten T\u00f6ne seiner Partie haben bei ihm \u00fcberhaupt keinen K\u00f6rper, was er allerdings mit seiner hervorragenden schauspielerischen Leistung mehr als wettmachte.<\/p>\n<p><strong>Pier Giorgio Morandi<\/strong> hatte die K\u00f6nigliche Hofkapelle an diesem Abend fest im Griff. Die dynamisch nicht selten stark miteinander kontrastierenden Abschnitte, wozu in erster Linie die rhythmisch schwierigen Chorauftritte in den beiden mittleren Akten z\u00e4hlen, gelangen ausnehmend gut. Alles war auf eine kr\u00e4ftige Farbgebung hin angelegt. Da\u00df im ersten Akt einige Gesangspassagen im Orchesterklang verschwanden ist nicht dem Dirigenten, sondern dem Komponisten anzulasten. Der Chor h\u00e4tte im ersten Akt etwas zupackender auftreten k\u00f6nnen, wie er es dann in den beiden n\u00e4chsten Akten tat. Diese leichte anf\u00e4ngliche Unsicherheit k\u00f6nnte dem engen Platz auf der B\u00fchne und den zum Teil recht sperrigen Kost\u00fcmen geschuldet gewesen sein.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Giordanos wuchtiges Werk wird dank der hervorragenden Besetzung der drei wichtigsten Partien und einer beeindruckend sicher spielenden Hofkapelle in Stockholm musikalisch auf h\u00f6chstem Niveau gegeben. Die Handlung des Originallibrettos ist bindend f\u00fcr diese Inszenierung, der rote Faden bleibt f\u00fcr den Zuschauer stets zu erkennen, und der Musik wird Raum zur Entfaltung gegeben. Dramatische und musikalische Spannungsb\u00f6gen befinden sich in vollkommener \u00dcbereinstimmung. Uneingeschr\u00e4nkt empfehlenswert!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Carl Thorborg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ingrid Tobiasson (Gr\u00e4fin de Coigny), und Katarina Dalayman (Madeleine de Coigny)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Umberto Giordano (1867-1948), lyrisches Historiendrama in vier Akten, Libretto: Luigi Illica, UA: 1896 Mailand Regie: Dmitri Bertman, B\u00fchne: Hartmut Sch\u00f6rghofer, Kost\u00fcm\/Maske: Corinna Crome, Licht: Hans-\u00c5ke Sj\u00f6kvist Dirigent: Pier Giorgio Morandi, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: Folke Alin<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2090\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,96],"tags":[],"class_list":["post-2090","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-stockholm-konigliche-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2090"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2090\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2095,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2090\/revisions\/2095"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2090"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}