{"id":209,"date":"2008-02-25T13:47:17","date_gmt":"2008-02-25T11:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=209"},"modified":"2008-05-19T10:20:52","modified_gmt":"2008-05-19T08:20:52","slug":"koln-oper-rotter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=209","title":{"rendered":"K\u00f6ln, Oper &#8211; ROTTER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Torsten Rasch, Oper in zwei Akten, Text: Katharina Thalbach und Christoph Schwandt nach Thomas Brasch<br \/>\nUrauff\u00fchrung: 23. Februar 2008, K\u00f6ln<br \/>\nRegie: Katharina Thalbach, B\u00fchnenbild: Momme R\u00f6hrbein<br \/>\nDirigent: Hermann B\u00e4umer, G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln, Chor der Oper K\u00f6ln<br \/>\nHans-Georg Priese (Rotter), Albert Bonnema (Lackner), Regina Richter (Elisabeth), Ulrich Hielscher (Fleischer), Shannon Chad Foley (Hauptmann), Johannes Beck (Vorsitzender), Alexander Fedin (Kunde\/Polizist\/Maschke), Stefan Kohnke (Rotmaler), Hauke M\u00f6ller (Grabow\/1. Arbeiter), David Pichlmaier (Tetzner\/2. Arbeiter), Jong Min Lim (Kutz\/dritter Arbeiter), Julia Giebel (Fr\u00e4ulein Berthold), Machiko Obata (Radio)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. Februar 2008 (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"rotter.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/rotter.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"rotter.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/rotter.jpg\" \/><\/a>Du bist der Gleiche geblieben, der du immer warst. Diese Erkenntnis am Ende des St\u00fccks liest sich wie ein Fazit aus den letzten zwei Stunden Operngeschehen, aber auch aus einem gesamten Menschenleben. Karl Rotter, ein Kind der Weimarer Republik, durchl\u00e4uft verschiedene Stationen des Zeitgeschehens des 20. Jahrhunderts in Deutschland: Erst ist er Metzgerlehrling, dann im SS-Hemd und schlie\u00dflich Baustellenleiter in der noch jungen DDR. Daneben bestimmen ihn eine gescheiterte Ehe mit Elisabeth, eine Ha\u00dfliebe zu seinem Gegenspieler Lackner und die \u00fcber Jahre hinweg qu\u00e4lende Frage, ob das Kind, das Elisabeth nicht bekommen hat, von ihm oder doch von Lackner war.<br \/>\nRotter will immer weitermachen, auch, wenn um ihn herum alles schon mit neuen Dingen besch\u00e4ftigt ist. Er l\u00e4\u00dft sich benutzen, ohne es zu merken, wird er l\u00e4stig, schickt man ihn in den Ruhestand. Selbst im Angesicht des Todes will er wieder von neuem anfangen. Er ist der Gleiche geblieben, auch wenn sich um ihn alles ver\u00e4ndert hat.<br \/>\n<strong>Inszenierung<\/strong><br \/>\nEin st\u00e4ndiges Kommen und Gehen beherrscht das Geschehen. Da liegt es nahe, die Haupthandlungsst\u00e4tte eines Bahnhofs als B\u00fchnenbild dominieren zu lassen. Geschickt lassen sich die Stahlkonstruktionen, die an St\u00fctzen einer Bahnhofs\u00fcberdachung erinnern, im zweiten Akt zu einer Baustelle neu herrichten, zumal auch hier das Motiv der Eisenbahn in Gestalt einer Werksbahn erneut auftritt.<br \/>\nDie Kost\u00fcme sind schl\u00fcssig aus dem jeweils dargestellten Zeitabschnitt deutscher Geschichte gew\u00e4hlt, Charlestont\u00e4nzer sind dadurch genauso legitimiert wie NS-Uniformen und FDJler.<br \/>\nKatharina Thalbachs Regie orientiert sich nah an den Konventionen des Schauspiels, was f\u00fcr eine Oper, die sich politischen Themen widmet, mehr als angebracht ist, um den Handlungsstrang klar, direkt und ohne unn\u00f6tige Ausschm\u00fcckungen darzustellen. Daneben frischen innovative Elemente, die durchaus durch den Text begr\u00fcndet sind, wie Samba tanzende Schweine, das Gezeigte auf.<br \/>\n<strong>Komposition<\/strong><br \/>\n<strong>Torsten Rasch<\/strong> beweist mit seiner ersten Oper einen originellen Geist. Er wei\u00df mit der menschlichen Stimme umzugehen und traditionelle Opernelemente sinnvoll einzusetzen. W\u00e4hrend im Gros der Oper der syllabische Stil \u00fcberwiegt, dienen z.B. Melismen der Textausdeutung, ein Wort besonders zu betonen, so geschehen beim Erw\u00e4hnen des F\u00fchrers, bei dem durch eine aberwitzige Koloratur die Verbundenheit und Bewunderung Rotters f\u00fcr diese Person ausgedr\u00fcckt wird. Das Instrumentarium ist besonders in den tiefen Lagen und im Schlagwerk erweitert. Die dadurch entstehenden klanglichen M\u00f6glichkeiten stimulieren sehr genau das Gef\u00fchl (die Affekte): So dient ein Glissando in den Streichern dazu, Rotters Zur\u00fcckstreichen der Haare, um dem F\u00fchrer zu \u00e4hneln, zu untermalen, Hammerschl\u00e4ge auf der Baustelle werden lautmalerisch im Schlagwerk dargestellt. Nahezu symbolhaft ist der Einsatz der Celesta, die immer dann erklingt, wenn die Alten Kinder als Chor auftreten, vergleichbar mit dem kommentierenden Chor des antiken griechischen Dramas. Aber auch wenn Kinder agieren oder ein Kinderlied angestimmt wird, erklingt das Schlagwerk der Celesta wie eine Spieluhr aus der Ferne.<br \/>\nInsgesamt ist die Komposition freitonal, es treten jedoch auch kurze lyrische Passagen auf, die ein tonales Zentrum aufweisen. Diese Stellen sind gezielt gesetzt und dienen der Textverdeutlichung, z.B. w\u00e4hrend der Deportation von Juden. Durch diese kurzen tonalen Momente erscheint der Aufbruch ins Freitonale noch krasser und der Zuschauer verliert sich nicht im blo\u00dfen Zuh\u00f6ren, sondern wird immer wieder zum genauen Hinh\u00f6ren aufgefordert. Besonders imponierend ist das Orchesterzwischenspiel vor der f\u00fcnften Szene des ersten Aktes. Hier wird das Kriegstreiben lautmalerisch ausgedeutet. Dazu findet auf der B\u00fchne eine groteske Engf\u00fchrung von Schlacht, T\u00e4nzerinnen, spielenden Kindern und Schneegest\u00f6ber statt, was den beklemmenden Charakter der Musik unterst\u00fctzt.<br \/>\n<strong>Ausf\u00fchrende<\/strong><br \/>\nDie Besetzungswahl ist weitestgehend \u00fcberzeugend. Leider gelingt es nicht allen S\u00e4ngern, insbesondere in den Nebenrollen, \u00fcber das in Extremlagen spielende Orchester hinweg in den Zuschauerraum vorzudringen.<br \/>\nBeeindruckend ist die Leistung von <strong>Hans-Georg Priese<\/strong> in der Rolle des Karl Rotter. Nahezu in jeder Szene mu\u00df er stimmlich und schauspielerisch pr\u00e4sent sein. Da er vor drei Jahren vom Baritonfach ins schwere Tenorfach wechselte, beherrscht er auch die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig tiefen Passagen einwandfrei. <strong>Regina Richter<\/strong> (Elisabeth) brilliert mit ihrem klaren Mezzosopran und wei\u00df ihn sowohl verf\u00fchrerisch, als auch energisch und verbittert einzusetzen. Einzig die Wahl, die Figur Lackners, dessen Partie \u00fcberwiegend im Parlandostil geschrieben ist, mit dem aus den Niederlanden stammenden <strong>Albert Bonnema<\/strong> zu besetzen, bleibt bisweilen fragw\u00fcrdig. Gerade in einem St\u00fcck, in dem beinahe jedes Wort von politischer Relevanz ist, sollte besonderer Wert darauf gelegt werden, da\u00df, trotz der mitlaufenden \u00dcbertitel, das Gesungene durchweg verst\u00e4ndlich ist.<br \/>\nDas <strong>G\u00fcrzenich-Orchester K\u00f6ln<\/strong> erweist sich unter der Leitung von <strong>Hermann B\u00e4umer<\/strong> als \u00fcberaus f\u00e4hig, den Anspr\u00fcchen einer durchdachten Komposition gerecht zu werden. Der<strong> Chor der Oper K\u00f6ln<\/strong> kann insbesondere in den sph\u00e4risch anmutenden Passagen durch einen \u00e4u\u00dferst homogenen Klang \u00fcberzeugen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMan mu\u00df schon eine gewisse Neigung zu Neuer Musik haben, um von Rotter begeistert zu werden. Doch auch dann wird einem die Auff\u00fchrung nicht gefallen, wenn man nur in die Oper geht, um (frei nach Brecht) romantisch zu glotzen. Was einen erwartet, ist durchaus schwere Kost, die zu probieren, es sich allerdings sehr lohnt.<br \/>\nChristine Lauter \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Klaus Lefebvre<br \/>\nDas Bild\u00a0zeigt Lackner (Albert Bonnema) und Chor der Oper K\u00f6ln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Torsten Rasch, Oper in zwei Akten, Text: Katharina Thalbach und Christoph Schwandt nach Thomas Brasch Urauff\u00fchrung: 23. 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