{"id":2080,"date":"2010-10-18T23:11:26","date_gmt":"2010-10-18T22:11:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2080"},"modified":"2010-10-20T23:16:51","modified_gmt":"2010-10-20T22:16:51","slug":"dido-und-aeneas-gera-buhnen-der-stadt-gera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2080","title":{"rendered":"DIDO UND AENEAS &#8211; Gera, B\u00fchnen der Stadt Gera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Henry Purcell (1659-1695) und Howard Arman, Oper in drei Akten und einem Prolog, Libretto: Nahum Tate und Philipp Kochheim<br \/>\nUA: 15. Oktober 2010, B\u00fchnen der Stadt Gera<\/p>\n<p>Regie: Philipp Kochheim; B\u00fchnenbild: Thomas Gruber, Kost\u00fcme: Wiebke Meier<\/p>\n<p>Dirigent: Howard Arman, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Opernchor von Theater &amp; Philharmonie Th\u00fcringen<\/p>\n<p>Solisten: Rachael Lloyd (Dido), Tobias Scharfenberger (Aeneas), Wolfgang Jahn (Aeneas&#8216; Aler Ego), Kim Sheehan (Belinda), Bernhard Landauer (Zauberin) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Oktober 2010 (Premiere und Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Gera-Dido1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2082\" title=\"Gera-Dido\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Gera-Dido1.gif\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Gera-Dido1.gif 221w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Gera-Dido1-189x300.gif 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Aeneas, aus dem zerst\u00f6rten Troja geflohen, erreicht auf seinem Weg zu dem ihm von den G\u00f6ttern versprochenen Italien die K\u00fcsten Karthagos und verliebt sich in die verwitwete K\u00f6nigin Dido. Ihre Liebe ist frisch und rein, doch eine b\u00f6se Zauberin schmiedet mit ihrem Hexengefolge einen fatalen Plan, um das Gl\u00fcck der K\u00f6nigin samt ihrem Reich zu zerst\u00f6ren. W\u00e4hrend einer Jagd beschw\u00f6rt sie einen Sturm. Aeneas bleibt allein zur\u00fcck. Ein Geist erscheint ihm als Merkur und erinnert ihn an seine g\u00f6ttliche Pflicht. Er entscheidet sich trotz seiner Liebe zu Dido noch am gleichen Abend abzureisen. Dido ist entsetzt und wirft ihm Verrat vor. Sie stirbt in derselben Nacht an gebrochenem Herzen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die Musik wird in dieser Urauff\u00fchrung von der barocken Vergangenheit in eine zeitgen\u00f6ssische Gegenwart transportiert, sondern auch der inhaltliche Aspekt der antiken Erz\u00e4hlung \u2013 eine verlorene Liebe \u2013 wird dem Publikum im Heute pr\u00e4sentiert. Regisseur Kochheim schrieb einen deutschsprachigen Prolog, in welchem der alte Aeneas mit seinen jugendlichen Erinnerungen an seine gro\u00dfe Liebe Dido konfrontiert wird. Dabei greift er textlich originale Passagen des englischen Librettos auf. Die Inszenierung beginnt und endet mit ge\u00f6ffnetem Vorhang, welcher den Blick auf das chaotische Gemach des greisen Aeneas freigibt. Im Zentrum der B\u00fchne befindet sich eine zweite, erh\u00f6hte, mit einem zun\u00e4chst blickdichten Schleier abgetrennte B\u00fchne, welche erst nach und nach Einblicke gew\u00e4hrt. Diese stellt ein wei\u00dfes Ikea-Loft dar, in welchem sich die erhaltenen Teile der Originaloper Purcells abspielen. Dido ist hier keine antike K\u00f6nigin mehr, sondern die erfolgreiche Chefin eines Modeunternehmens. Dem in wei\u00df bis bl\u00e4ulich pastellfarben kost\u00fcmierten Gefolge Didos und Aeneas\u2019 werden der in grellen Farben und gothic-punkigen Outfits gesteckte Furienchor samt androgyner Zauberin mit blonder Langhaarper\u00fccke und blau-schwarzem Leopardenmuster-Anzug gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische musikalische Neubearbeitungen vergangener Werke neigen zu aufgepfropfter Modernisierung mit krassen Br\u00fcchen, die mitunter gewollt sind. Das tat der neue GMD des Geraer Theaters und Dirigent dieses Premierenabends Howard Arman aber gerade nicht. Seine hinzugef\u00fcgten Kompositionen stehen teilweise an Stelle derjenigen im \u00e4ltesten Libretto von 1689 erw\u00e4hnten St\u00fccke, welche verloren gegangen sind, teilweise sind sie eigenst\u00e4ndig hinzugef\u00fcgt, z.B. die Ouvert\u00fcre, eine Chaconne und eine Vorhangmusik. Durch den Einsatz zweier Instrumentalensembles \u2013 Streicher und Continuo aus Purcells Partitur sowie ein weiteres Streichensemble zusammen mit Holz-, Blechbl\u00e4sern und Schlagwerk mit dazugeh\u00f6rigem modernen Continuo bestehend aus Harfe und Klavier \u2013 entsteht eine stimmige Mischung aus barocker und zeitgen\u00f6ssischer Klangsprache. Arman bediente sich dabei sowohl bei atonaler Musik als auch beim Jazz und der Filmmusik. Au\u00dfer dem neukomponierten Furienchor mit Schlagwerk und Sprechgesangelementen stammen s\u00e4mtliche Gesangsst\u00fccke von Purcell. Sie wurden vom Solistenensemble und Opernchor sowohl stimmlich als auch darstellerisch gekonnt umgesetzt. Die Mezzosopranistin <strong>Rachael Lloyd<\/strong> (Dido) und der Bariton <strong>Tobias Scharfenberger<\/strong> (Aeneas) interpretierten ihre Rollen souver\u00e4n, manchmal ein wenig zur\u00fcckhaltend in der stimmlichen Pr\u00e4senz. Dagegen wirkte ihre nat\u00fcrliche und schlichte schauspielerische Darstellung des Beziehungsdramas rundum \u00fcberzeugend. Mit ihrem klaren, leichten Sopran verzauberte <strong>Kim Sheehan<\/strong> (Belinda) in ihren Arien das Premierenpublikum. Eine gesanglich und darstellerisch herausragende Zauberin bot der Altist <strong>Bernhard Landauer<\/strong>. Der Schauspieler <strong>Wolfgang Jahn<\/strong> r\u00fchrte in seiner leidenschaftlichen, ergreifenden Interpretation des sterbenden, senilen Alter Ego des Aeneas das Publikum.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dem Geraer Theater gelingt mit dieser Opernbearbeitung ein Schritt in eine neue k\u00fcnstlerische Sph\u00e4re. Der ungewohnte Mix aus barocker und zeitgen\u00f6ssischer Klangsprache in Kombination mit einer durchdachten \u00dcbertragung des inhaltlichen Grundgedankens der Oper in ein modernes Regiekonzept stellt diese Inszenierung weit \u00fcber zuvor gewagte dramatische \u00dcbertragungen, wie sie in der letzten Geraer Spielzeit zu sehen waren. Das Premierenpublikum dankte mit entsprechend langanhaltendem Applaus nach den letzten gehauchten Fl\u00f6tenlauten und den irritierenden, raschelnden Ger\u00e4uschen aus dem Orchestergraben.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Bernhard Landauer (Zauberin) mit seinen Furien sich \u00fcber das schlafende Liebespaar (Tobias Scharfenberger und Rachael Lloyd) lustig machend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Henry Purcell (1659-1695) und Howard Arman, Oper in drei Akten und einem Prolog, Libretto: Nahum Tate und Philipp Kochheim UA: 15. 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