{"id":2059,"date":"2010-10-17T17:11:26","date_gmt":"2010-10-17T16:11:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2059"},"modified":"2010-10-18T22:15:33","modified_gmt":"2010-10-18T21:15:33","slug":"samson-und-dalila-karlsruhe-badisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2059","title":{"rendered":"SAMSON UND DALILA &#8211; Karlsruhe, Badisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten und vier Bildern, Libretto: Ferdinand Lemaire, basierend auf dem biblischen<em> Buch der Richter<\/em>, Kapitel 13-16<\/p>\n<p>Regie und Ausstattung: Jos\u00e9 Cura, Dramaturgie: Anabelle K\u00f6hler, Licht: Gerd Meier<\/p>\n<p>Dirigent: Jochem Hochstenbach, Badische Staatskapelle, Staatsopernchor und Extrachor, Einstudierung: Ulrich Wagner<\/p>\n<p>Solisten: Jos\u00e9 Cura (Samson), Julia Gerseva (Dalila), Stefan Stoll (Oberpriester des Dagon), Lukas Schmid (Abimelech, Befehlshaber der Philister), Walter Schreyeck (Alter Hebr\u00e4er), Ulrich Schneider (Stimme des alten Hebr\u00e4ers) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Oktober 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Karlsruhe-Samson.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2060\" title=\"Karlsruhe-Samson\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Karlsruhe-Samson.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Karlsruhe-Samson.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Karlsruhe-Samson-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Fundament der Oper ist die alttestamentarische Geschichte von Samson. Dieser bezwingt mit seinen \u00fcbermenschlichen Kr\u00e4ften die Philister, welche das hebr\u00e4ische Volk grausam unterdr\u00fccken. Seine einzige Schw\u00e4che ist jedoch die Liebe zu Dalila, einer feindlichen Priesterin. Indem sie ihn verf\u00fchrt entlockt sie Samson das Geheimnis um seine Kraft. Geschw\u00e4cht durch den Verlust des langen Kopfhaares, wird Samson gefangen genommen, geblendet und versklavt. In gr\u00f6\u00dfter Verzweifelt wendet er sich an Gott und gelangt noch einmal zur urspr\u00fcnglichen St\u00e4rke: Er rei\u00dft die S\u00e4ulen des heidnischen Tempels ein und wird zusammen mit tausenden Philistern und Dalila unter den herabst\u00fcrzenden Tr\u00fcmmern begraben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Es herrscht Dunkelheit und nur brennende M\u00fclltonnen spenden Licht und W\u00e4rme. Spielende Kinder erst\u00fcrmen die B\u00fchne und werden von den Erwachsenen \u2013 teilweise gewaltsam \u2013 bei ihrem naiv-sorglosen Treiben unterbrochen. Diese Konversion und Verlagerung des hier omnipr\u00e4senten Themenkomplexes um Macht, Gier und Vorherrschaft in die Welt der Kinder wird wesentliches Gestaltungsmittel. Die Philister in milit\u00e4rischen Uniformen zeigen sich gewaltsam und demonstrieren ihre erbarmungslose Macht \u00fcber die Unterjochten. Ein \u00fcbergro\u00dfes wei\u00dfes Tuch ist f\u00fcr den zweiten Akt wie eine Leinwand angebracht. Davor liegt eine Vielzahl wei\u00dfer Kissen, auf denen sich Dalila und ihre Gef\u00e4hrtinnen in freudiger Erwartung der Ankunft Samsons r\u00e4keln. Dalila ist wie ihr Gefolge nun in ein wei\u00dfes Gewandt gekleidet (davor schwarz); doch ahnt man schnell, da\u00df dies kein unschuldiges Wei\u00df ist, sondern der hinterlistigen Verf\u00fchrung n\u00fctzt. Ein Rahmen wird durch die Wiederaufnahme des anf\u00e4nglichen B\u00fchnenbildes f\u00fcr den dritten Akt gebildet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stefan Stoll <\/strong>als grausamer Oberpriester beweist mit dieser Oper einmal mehr, da\u00df ihm die Rolle des heimt\u00fcckischen Antihelden auf den Leib geschnitten ist. Mit dunklem, sonorem Charakterbariton verleiht er seiner Figur Authentizit\u00e4t und wei\u00df gekonnt Emotionen mit seiner Stimme zu transportieren. <strong>Julia Gersteva<\/strong> (Dalila) steigerte sich, nachdem anf\u00e4nglich eine gro\u00dfe Differenz zwischen der dunklen Tonf\u00e4rbung in den tiefen Lagen (was ein leicht metallisches Timbre mit sich brachte) und den strahlenden, schillernden H\u00f6hen zu erkennen war. Dies lie\u00df aber auch das dramatische Potential ihres Mezzosoprans schon erkennen, das sich im zweiten Akt schlie\u00dflich voll entfaltete. Beachtlich war auch <strong>Jos\u00e9 Cura <\/strong>(Samson), der seine Figur mit enormer Intensit\u00e4t in Szene setze. Meisterhaft und zu jeder Zeit glaubw\u00fcrdig bot er mit seinem schlanken Tenor Einblicke in die tiefen seelischen Abgr\u00fcnde seiner Figur \u2013 transparent und mit gro\u00dfer Feinf\u00fchligkeit skizziert er den Konflikt zwischen unersch\u00fctterlicher Gottestreue und der Liebe zur Rivalin.<\/p>\n<p>In den zumeist statischen Chorszenen zeigt sich die urspr\u00fcngliche Anlage des Werkes als Oratorium. Die Leistung der sehr gut positionierten Ch\u00f6re ist bemerkenswert: Hervorragend einstudiert von <strong>Ulrich Wagner,<\/strong> greifen sie die verschiedenen emotionalen Situationen auf und harmonieren seht gut mit den Solisten. Das sich zu Beginn langsam entfaltende Gebet <em>Dieu d\u2019Isra\u00ebl<\/em> \u2013 <em>Gott Isarels<\/em>, verstr\u00f6mt eine and\u00e4chtig-flehende Atmosph\u00e4re und steht nur beispielhaft f\u00fcr die wunderbare Gestaltung der Chorpartien. Ebenso eindrucksvoll erlebt man <strong>Jochem Hochstenbach <\/strong>am Pult. Mit den verschiedenen Musikstilrichtungen, die in dieser Oper zusammentreffen (z.B. Fuge, orientalisch anmutende Melodien) gelingt ihm sehr gut die Klangspektren zu entfalten und belegen damit sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Saint-Sa\u00ebns\u2018 Musik.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Personalunion von Regisseur, Kost\u00fcmdesigner und B\u00fchnenbildner mu\u00df nicht zwingend zu einem k\u00fcnstlerischen Alleingang f\u00fchren. Nichtsdestoweniger war es der Abend eines, in jeder Hinsicht \u00fcberragenden Jos\u00e9 Cura. Man mu\u00df dieses Sujet aus dem <em>Alten Testament<\/em> nicht unbedingt in die Gegenwart verlagern (drei stillgelegte \u00d6lbohrt\u00fcrme) \u2013 da\u00df es mit einer in sich logischen, und durchaus sensiblen Interpretation dennoch sehr stimmig gelingen kann, wird mit dieser Produktion klar gezeigt. Das Publikum feierte die K\u00fcnstler mit frenetischem Applaus.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Jacqueline Krause-Burberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Jos\u00e9 Cura (Samson), Lukas Schmid (Abimelech), Mitglieder des Staatsopernchores, Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten und vier Bildern, Libretto: Ferdinand Lemaire, basierend auf dem biblischen Buch der Richter, Kapitel 13-16 Regie und Ausstattung: Jos\u00e9 Cura, Dramaturgie: Anabelle K\u00f6hler, Licht: Gerd Meier Dirigent: Jochem Hochstenbach, Badische Staatskapelle, Staatsopernchor<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2059\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[91,1],"tags":[],"class_list":["post-2059","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-karlsruhe-badisches-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2059"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2071,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2059\/revisions\/2071"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}