{"id":2055,"date":"2010-10-14T10:29:25","date_gmt":"2010-10-14T09:29:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2055"},"modified":"2010-10-15T10:33:41","modified_gmt":"2010-10-15T09:33:41","slug":"gotterdammerung-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2055","title":{"rendered":"G\u00d6TTERD\u00c4MMERUNG &#8211; Essen, Aalto Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em> in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA 17. August 1876 Bayreuth<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker, Herrenchor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Regie: Barrie Kosky, B\u00fchne: Klaus Gr\u00fcnberg, Kost\u00fcme: Klaus Bruns<\/p>\n<p>Solisten: Jeffrey Dowd (Siegfried), Heiko Trinsinger (Gunther), Attila Jun (Hagen), Caroline Whisnant (Br\u00fcnnhilde), G\u00fcnter Kiefer (Alberich), Francisca Devos (Gutrune), Ieva Prudnikovaite (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. Oktober 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Essen-Gdaemmerung.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2056\" title=\"Essen-Gdaemmerung\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Essen-Gdaemmerung.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Essen-Gdaemmerung.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Essen-Gdaemmerung-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der Ring des Nibelungen ewige Macht. Dieser Ring ist mit einem Fluch belegt. Auch der Nibelungenspro\u00df Hagen, Halbbruder des F\u00fcrsten Gunther, m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt \u2013 den Ring hat er bei seiner Braut Br\u00fcnnhilde zur\u00fcckgelassen \u2013 verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde. Er will sie sogar Gunther als Frau zuf\u00fchren. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und beschuldigt ihn, sich ihr unsittlich gen\u00e4hert zu haben. Daraufhin fordert Hagen Siegfrieds Tod f\u00fcr seinen Betrug an Gunther. Auf der Jagd t\u00f6tet Hagen Siegfried, doch Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr den Toten brennenden Scheiterhaufen. Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch. Sein Verschwinden bringt auch das Ende der G\u00f6tter mit sich, die \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c ist angebrochen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang minutenlange Stille: Vor dem Vorhang schiebt eine nackte alte Frau (die G\u00f6ttin Erda) einen Karton \u00fcber die B\u00fchne, aus dem sie drei St\u00fchle nimmt. Der Karton wird zu einem zentralen Motiv des Abends. Er dient der Entf\u00fchrung und dem Abtransport von Br\u00fcnnhilde und ist auch beim Mord an Siegfried hilfreich. Alberich, hier ein Jude mit langen Schl\u00e4fenlocken, entsteigt dem Karton bei seinem Gespr\u00e4ch mit Hagen. Bevor jedoch die Handlung beginnt, nehmen die Nornen Platz auf den St\u00fchlen. W\u00e4hrend sie die Vorgeschichte rekapitulieren, l\u00e4uft zur Illustration ein Zeichentrickfilm aus den \u201eWalhall Studios\u201c. Danach vergn\u00fcgt sich Siegfried mit Br\u00fcnnhilde in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung. Siegfried ist ein hyperaktiver Lausebengel, der an Gunthers Hof seine Schuhe auf den Tisch stellt und gleich \u00fcber Gutrune herf\u00e4llt. Gunther schrecken solche rohen Sitten nicht: Im zweiten Akt erweisen sich seine Gefolgsleute als eine Horde von biertrinkenden und gr\u00f6lenden Skinheads. Der dritte Akt beginnt im Nachtclub \u201eRheingold\u201c mit Revuegirls und einer dem Karton entsteigenden Phalanx von Kriegern aus verschiedenen Jahrhunderten (einschlie\u00dflich Superman). Es kommt zu einer Orgie, an der sich auch ein Jude (Alberich?) beteiligt. Nachdem reichlich Blut geflossen ist, \u00fcbergibt Br\u00fcnnhilde den Ring an Erda. Eine \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c findet nicht statt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Der Funke will nicht so recht \u00fcberspringen: Trotz sattem Streicherklang und fl\u00fcssigen, dabei sich dramatisch zuspitzenden Tempi k\u00f6nnen <strong>Stefan Soltesz<\/strong> und seine <strong>Essener Philharmoniker <\/strong>ihre herausragende Leistung der vorherigen <em>Ring<\/em>-Teile nicht wiederholen. Zu unsicher sind die Blechbl\u00e4ser, vor allem die H\u00f6rner, und immer wieder kommt es zu Abstimmungsschwierigkeiten mit der B\u00fchne. Vom Solistenensemble hinterl\u00e4\u00dft <strong>Heiko Trinsinger <\/strong>(Gunther) mit warm timbriertem, noblem Bariton und der intensiven Darstellung eines verklemmten Dandys den st\u00e4rksten Eindruck. Ein charismatischer Darsteller ist auch <strong>Jeffrey Dowd<\/strong> (Siegfried), der diesmal aber stimmlich kraft- und farblos bleibt, wohl auch deshalb, weil er noch an den Folgen einer Erk\u00e4ltung leidet. <strong>Caroline Whisnant <\/strong>(Br\u00fcnnhilde) ist jenseits blo\u00dfer Lautst\u00e4rke um eine differenzierte Interpretation bem\u00fcht und hat einige leuchtende Spitzent\u00f6ne parat. Die tiefere Lage klingt bei ihr jedoch gepre\u00dft \u2013 oder fehlt ganz. <strong>Attila Jun<em> <\/em><\/strong>ist ein sadistischer Hagen mit unersch\u00f6pflichen stimmlichen Kraftreserven und einem rauhen, ungeschlachten Timbre. <strong>G\u00fcnter Kiefer<\/strong> (Alberich) dagegen vereint d\u00e4monische Schw\u00e4rze und Eleganz pr\u00e4chtig miteinander. <strong>Ieva Prudnikovaite<\/strong> (Waltraute) vermag das Publikum zu ber\u00fchren mit ihren weit gespannten Melodieb\u00f6gen. Seine Auftritte als stimmgewaltige, verst\u00f6rende Masse kostet der Herrenchor<em> <\/em>spielfreudig aus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch durchwachsen und szenisch auf dem Tiefpunkt \u2013 dies ist die Bilanz des Essener <em>Ring<\/em>-Finales. Der mit kr\u00e4ftigen Buhs bedachte Regisseur <strong>Barrie Kosky<\/strong> hat sich offensichtlich vorgenommen, alle g\u00e4ngigen Klischees der Wagner-Rezeption auf einmal auf die Schippe zu nehmen \u2013 und verzettelt sich dabei mit einer Abfolge sinnentleerter Situationen ohne jeden roten Faden. Daran \u00e4ndern auch einzelne starke Bilder \u2013 z.B. Hagen, der seinen Vater Alberich tr\u00f6stend in den Armen h\u00e4lt \u2013 nichts. Bleibt zu hoffen, da\u00df sich wenigstens die musikalischen Schw\u00e4chen in den kommenden Auff\u00fchrungen zu einem gro\u00dfen Teil korrigieren lassen. Der Jubel des Publikums f\u00e4llt in dieser Hinsicht denn auch deutlich schw\u00e4cher aus als noch vor einem Jahr bei <em>Siegfried<\/em>.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Matthias Jung<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Attila Jun (Hagen, stehend), Jeffrey Dowd (Siegfried), Francisca Devos (Gutrune)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA 17. August 1876 Bayreuth Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker, Herrenchor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2055\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,1],"tags":[],"class_list":["post-2055","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essen-aalto-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2055"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2058,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2055\/revisions\/2058"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}