{"id":204,"date":"2008-02-16T20:53:01","date_gmt":"2008-02-16T18:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=204"},"modified":"2008-02-18T19:57:42","modified_gmt":"2008-02-18T17:57:42","slug":"stuttgart-staatsoper-der-fliegende-hollander","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=204","title":{"rendered":"Stuttgart, Staatsoper &#8211; DER FLIEGENDE HOLL\u00c4NDER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 2. Januar 1843 in Dresden, hier verwendet die in Paris abgelehnte Urfassung von 1841.<br \/>\nRegie: Calixto Bieito, B\u00fchnenbild: Susanne Gschwender &amp; Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Anna Eiermann<br \/>\nDirigent: Enrique Mazzola, Staatsorchester und Staatsopernchor Stuttgart<br \/>\nSolisten: Attila Jun (Donald), Barbara Schneider-Hofstetter (Senta), Lance Ryan (Georg), Hilke Andersen (Mary), Torsten Hofmann (Steuermann), Yalun Zhang (Holl\u00e4nder), Dirk Zalm (D\u00e4mon, Stumme Rolle)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 8. Februar 2008<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"stuttgart-hollaender.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/stuttgart-hollaender.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"stuttgart-hollaender.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/stuttgart-hollaender.jpg\" \/><\/a>Das Schiff des Daland sucht Schutz vor einem Sturm in einer Bucht. W\u00e4hrend die Mannschaft ruht, landet auch das Schiff des Holl\u00e4nders, der einst die Natur und Gott herausgefordert hatte und dazu verdammt ist, ewig auf See zu sein. Nur alle sieben Jahre darf er an Land, um eine Frau zu finden, die ihn durch ihre Treue erl\u00f6st. Deshalb wirbt er bei Daland um dessen Tochter Senta. Daland, beeindruckt von den Sch\u00e4tzen des Holl\u00e4nders, stimmt zu.<br \/>\nDie M\u00e4dchen zuhause erwarten singend und spinnend die R\u00fcckkehr ihrer zur See fahrenden Liebsten. Senta bittet statt dessen ihre Amme Mary, vom Fliegenden Holl\u00e4nder zu erz\u00e4hlen, sie f\u00fchlt sich berufen, den \u201earmen Mann\u201c zu erl\u00f6sen. Senta wird vom jungen J\u00e4ger Erik umworben. Pl\u00f6tzlich erscheint ihr Vater mit dem Holl\u00e4nder, und sofort verlieben sich beide ineinander. Man r\u00fcstet zum Fest. Herausfordernd will man auch die Mannschaft des Holl\u00e4nders einladen, doch aus dem Schiff schallt nur be\u00e4ngstigendes geisterhaftes Dr\u00f6hnen zur\u00fcck. Erik erinnert Senta, da\u00df sie ihm Treue gelobt habe, was Senta erschrocken leugnet. Der Holl\u00e4nder hat das Gespr\u00e4ch mitgeh\u00f6rt und ist sich sicher, da\u00df Senta ihm nicht die erhoffte Treue halten kann und eilt zu seinem Schiff, um auf ewig unerl\u00f6st zu bleiben. Doch Senta setzt ihm nach, verk\u00fcndet ihm treu bis zum Tod zu sein und st\u00fcrzt sich vom Felsen ins Meer. Die Erl\u00f6sung f\u00fcr beide!?<br \/>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\n<strong>Calixto Bieito<\/strong> \u00e4u\u00dferte sich zu der Produktion auf der Internet-Seite der Oper Stuttgart (Podcast) mit folgender Inhaltsangabe: Meine Interpretation des Holl\u00e4nders ist im Prinzip einfach. Es ist die Geschichte eines westeurop\u00e4ischen Mannes, heute, der seinen Job verliert, in dieser Art von Wirtschaftssystem, welches wir gegenw\u00e4rtig haben. Er ist depressiv und gr\u00fcbelt dar\u00fcber nach, wo er Loyalit\u00e4t, Treue, Solidarit\u00e4t, wo er etwas wirklich Wahres finden kann. Wir leben in einem sehr starken System mit einer sehr starken Wirtschaft, welche Werte z\u00e4hlen denn wirklich noch? Gott ist es nicht!<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEin gescheitertes Management auf Rafting-Tour?<br \/>\nDieser etwas \u00fcberraschende Ansatz, entstanden w\u00e4hrend einer \u00dcbernachtung auf dem Flughafen Z\u00fcrich, f\u00fchrt zu einem bunten Bilderreigen und zu folgender Version: Eine Gruppe von Managern strandet im Nirgendwo des Heute auf einer Sandbank in einem Gummiboot. Offensichtlich gescheitert und deprimiert werfen sie mit Papier aus ihren Aktenkoffern um sich. Daland und Holl\u00e4nder (zwei vom gleichen Schlag) sitzen nat\u00fcrlich im selben Boot. Der Steuermann findet sein M\u00e4del in einer nahen H\u00fctte, wo es als D\u00e4mon unter Gogo-Girls lebt. Derweil sitzen die Ehefrauen zu Hause, f\u00fcllen ihren K\u00fchlschrank auf und frieren ihre Kleinkinder dort ein. Der Gespensterchor wird durch Licht im Publikum dargestellt, zur Schlu\u00df-Szene wird jemand im Gummiboot ans Kreuz genagelt und der Holl\u00e4nder legt erwartungsfroh seinen Kopf auf den K\u00fchlschrank in Erwartung des Steuermannes, der ein Hackebeil schwingt.<br \/>\nDas ist sicherlich optisch eindrucksvoll und die Handlung sehr unterhaltsam, hat aber mit dem Fliegenden Holl\u00e4nder von Richard Wagner so gut wie nichts mehr gemein. Verfremdungseffekte hin, werkimmanente Kapitalismuskritik her, es ist zuviel des Guten. Die Auffassung geht am Thema des St\u00fccks komplett vorbei.<\/p>\n<p>Die gew\u00e4hlte Urfassung von 1841 hat unter anderem in der Orchestrierung eine St\u00e4rkung des Bleches vorgesehen, da die Leistung des Bleches 1841 nicht so \u201elaut\u201c war, wie die sp\u00e4teren Instrumente. Wenn man nun mit heutigen Instrumenten spielt (wie in Stuttgart geschehen), so mu\u00df man das Blech stark zur\u00fccknehmen, so da\u00df man die Ma\u00dfnahme des Komponisten in der sp\u00e4teren Dresdner Fassung vorwegnimmt.<br \/>\nWenn man sich aber ernsthaft mit der Urfassung und deren Effekten bzw. romantischen Wirkung tats\u00e4chlich auseinandersetzen will, so ist man mit der Studioaufnahme von <strong>Bruno Weil<\/strong> (auf Originalinstrumenten) besser aufgehoben. Die \u00fcbrigen Feinheiten der Urfassung gehen dann auch nicht im Gewusel auf der B\u00fchne unter, was man auch dem unverbindlichen Dirigat von <strong>Enrique Mazzola<\/strong> anlasten kann.<br \/>\nAber die Leistung des ausgezeichneten Orchesters sollte man unbedingt davon trennen, das neben dem bestens vorbereiteten Chor zu den St\u00fctzen des Abends z\u00e4hlt.<br \/>\n<strong>Die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nWirklich hervorragend besetzt ist nur<strong> Lance Ryan<\/strong> (Georg, sp\u00e4ter Eric), ein lyrischer Tenor mit Durchschlagsverm\u00f6gen und auch in der Trainingshose \u00fcberzeugend. Das ist jemand mit Entwicklungspotential!<br \/>\n\u00dcberzeugend auch <strong>Torsten Hofmann<\/strong> (Steuermann) und <strong>Hilke Andersen<\/strong> als Mary, die im Gegensatz zu \u00fcblichen Besetzungen nicht mit einer abgesungenen Soubrette besetzt ist. Die Ba\u00dfpartie des Holl\u00e4nders ist mit <strong>Yalun Zhang<\/strong>, einem hellen Bariton ohne Kraft und H\u00f6he, leider fehlbesetzt.<br \/>\nInsgesamt betrachtet ist das solides Staatsopern-Mittelma\u00df. Ein unterhaltsamer Abend. Mehr nicht!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Thiemo Hehl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 2. Januar 1843 in Dresden, hier verwendet die in Paris abgelehnte Urfassung von 1841. 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