{"id":202,"date":"2008-02-16T20:38:10","date_gmt":"2008-02-16T18:38:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=202"},"modified":"2008-02-18T19:58:17","modified_gmt":"2008-02-18T17:58:17","slug":"berlin-komische-oper-theseus-teseo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=202","title":{"rendered":"Berlin, Komische Oper &#8211; THESEUS (TESEO)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Oper in f\u00fcnf Akten, Text von Niccol\u00f2 Francesco Haym nach dem Libretto von Philippe Quinault zur Trag\u00e9die en musique Th\u00e9s\u00e9e von Jean-Baptiste Lully, deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze; UA: 1713 London<br \/>\nInszenierung: Benedikt von Peter. B\u00fchnenbild: Natascha von Steiger,<br \/>\nKost\u00fcme: Katrin Wittig, Licht: Frank Evin<br \/>\nDirigent: Alessandro de Marchi, Orchester der Komischen Oper<br \/>\nSolisten: Elisabeth Starzinger (Theseus), Marina Rebeka (Agilea), Stella Doufexis (Medea), Hagen Matzeit (\u00c4geus), Karolina Andersson (Clizia), David DQ Lee (Arkane)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 10. Februar 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/berlin-theseus.jpg\" TITLE=\"berlin-theseus.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/berlin-theseus.jpg\" ALT=\"berlin-theseus.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Medea, die Zauberin aus Kolchis, liebt den athenischen Kriegshelden Theseus, der wiederum Agilea liebt. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die beiden zu trennen, beschlie\u00dft Medea, Agilea zu t\u00f6ten und macht sich K\u00f6nig \u00c4geus zum Komplizen. Als der sich jedoch daran macht, Theseus zu vergiften, erkennt er ihn an seinem Schwert als seinen vermi\u00dften Sohn. Medea, die nun die ganze Welt vernichten will, wird durch das Eingreifen einer g\u00f6ttlichen Macht daran gehindert.<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nEs handelt sich bei dieser Inszenierung um das Berliner Deb\u00fct des 1977 geborenen Regisseurs <strong>Benedikt von Peter<\/strong>. Wie auch die anderen Kr\u00e4fte seines Teams stehen die meisten seiner S\u00e4nger am Beginn ihrer Karrieren. Von einem solch jungen Ensemble wird man eine k\u00fchne, unkonventionelle, vielleicht sogar rebellische Lesart des Textes erwarten. Und die bekam man geboten.<\/p>\n<p>Um es gleich vorauszunehmen: Wer mit den Operninszenierungen etwa eines <strong>Christoph Schlingensief<\/strong>, ihrer oft sehr lockeren, assoziativen und multimedialen Bildgebung prinzipiell nicht zu Recht kommt, f\u00fcr den war der Abend schon gelaufen, bevor der erste Ton gespielt war.<br \/>\nIn dem St\u00fcck sieht kein Schauplatz auch nur ann\u00e4hernd so aus, wie man ihn sich nach den Vorgaben des Librettos vorstellen w\u00fcrde. Die Darsteller bewegen sich viel und oft aufgeregt, praktisch immer sind mehr Personen auf der B\u00fchne, als gerade singen, um stumme Aktionen auszuf\u00fchren, der Umgang mit der Musik ist stellenweise sehr frei, es kommt zu Unterbrechungen mit kurzen gesprochenen Monologen (z.B. wird Heiner M\u00fcllers Gedicht Verkommenes Ufer im 4. Akt rezitiert), Laiendarsteller wirken mit (eine arabische Familie), die Darsteller werden mit K\u00fcbeln begossen, dekorieren sich gegenseitig mit Schlagsahne usw.<br \/>\nDer komplette erste und der Beginn des vierten Aktes spielen vor dem eisernen Vorhang, der Rest der Handlung auf der vollkommen mit Schlamm bedeckten Opernb\u00fchne. Allein aus diesen wenigen Beispielen wird ersichtlich, was f\u00fcr eine Strategie mit dieser Inszenierung verfolgt wird. Wer allerdings mit dieser zum Teil anarchisch anmutenden \u00c4sthetik keine Schwierigkeiten hat, auf den wartete ein \u00fcberaus am\u00fcsanter und dar\u00fcberhinaus musikalisch bravour\u00f6s gemeisterter Abend.<br \/>\nDa es viel zuviel zu sehen und \u2013 wenn man erst einmal das Programmheft zur Hand nimmt \u2013 zu deuten gibt, um alles zu erw\u00e4hnen, l\u00e4\u00dft sich der Gesamteindruck der Inszenierung in etwa so zusammenfassen:<br \/>\nMan wird Benedikt von Peters Arbeit wegen der Freiheit seiner Deutung sicherlich einiges vorwerfen k\u00f6nnen, aber nicht, sie sei langweilig, humorlos, ignoriere das musikalische Geschehen und sei nicht sachkundig. Das Timing der Aktionen ist \u2013 dank der hervorragenden Darsteller \u2013 brillant, so da\u00df w\u00e4hrend der dreieinhalbst\u00fcndigen Oper keinerlei Leerlauf aufkommt. Das Libretto mit seinen mitunter wenig \u00fcberzeugenden Entwicklungen wird sowohl in seiner Absurdit\u00e4t als auch seinen ethischen Momenten ernst genommen.<br \/>\nH\u00e4ndels Stoff bietet eine F\u00fclle verwickelter Liebesbeziehungen und besitzt zugleich, da die Oper, wie f\u00fcr das 17. und fr\u00fche 18. Jh. typisch ist, im Milieu der Helden, K\u00f6nige und Halbg\u00f6tter spielt, eine politische Dimension. Dies kommt in der Inszenierung ebenso zum Ausdruck wie der Umstand, da\u00df die Handlung vor dem Hintergrund eines Krieges zu sehen ist, eines Krieges, der die Protagonisten zeichnet.<\/p>\n<p><strong>Die Musik und die S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nDas Orchester der Komischen Oper brachte, in historischer Aufstellung und mit historischen Instrumenten angereichert, unter der Leitung von <strong>Alessandro de Marchi<\/strong> einen kr\u00e4ftig-dunklen, dabei ungemein genau artikulierten und akzentuierten Klang hervor. Das Zusammenwirken mit den S\u00e4ngern in ihren Koloraturarien, die, wie in den einschl\u00e4gigen Ensembles seit ein paar Jahren \u00fcblich, in einem sehr schnellen Tempo genommen wurden, war in seiner Pr\u00e4zision wirklich atemberaubend. Alle Solisten wurden v\u00f6llig zu Recht mit Bravorufen f\u00fcr ihre Leistungen bedacht. S\u00e4mtliche S\u00e4ngerinnen und die beiden Counter-Ten\u00f6re verf\u00fcgen \u00fcber eine hochspezialisierte Technik, die ihnen gestattet, exakt phrasierte, schnelle L\u00e4ufe und Figurationen ebenso souver\u00e4n zu singen wie auch einen forcierten, raumf\u00fcllenden Ton zu erzeugen.<br \/>\nDie Nuancierungsm\u00f6glichkeiten aller S\u00e4nger, etwa von <strong>Stella<\/strong> <strong>Doufexis<\/strong> als Medea, stehen auf h\u00f6chstem Niveau. Von der Regie wurde bisweilen in ihre Partien eingriffen, indem einige kurze Rezitativphrasen gesprochen oder nur halb gesungen und in den Arien einzelne T\u00f6ne verl\u00e4ngert oder Glissandi eingef\u00fcgt wurden; doch betrifft dies nur einen sehr kleinen Teil der Partitur. Alle Ch\u00f6re und B\u00fchnenmusiken kamen, zum Teil elektronisch verfremdet, vom Band.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch ist diese Inszenierung ein Traum. Sie ist jedoch wirklich nur etwas f\u00fcr Leute, die offen f\u00fcr \u00dcberraschungen sind, oder f\u00fcr Freunde des modernen, experimentierfreudigen Theaters. In jedem Falle sehr kurzweilig.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust\t\t\t\t\t\t\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685 \u2013 1759), Oper in f\u00fcnf Akten, Text von Niccol\u00f2 Francesco Haym nach dem Libretto von Philippe Quinault zur Trag\u00e9die en musique Th\u00e9s\u00e9e von Jean-Baptiste Lully, deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze; UA: 1713<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=202\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36],"tags":[],"class_list":["post-202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-komische-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}