{"id":2005,"date":"2010-09-18T19:25:49","date_gmt":"2010-09-18T18:25:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2005"},"modified":"2010-09-25T09:59:41","modified_gmt":"2010-09-25T08:59:41","slug":"tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg-mainz-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2005","title":{"rendered":"TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG &#8211; Mainz, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in 3 Akten, Text: Richard Wagner, UA: Dresden 1845<\/p>\n<p>Regie: Sandra Leupold, B\u00fchne: Tom Musch, Kost\u00fcme: Julia Burde<\/p>\n<p>Dirigent: Catherine R\u00fcckwardt, Philharmonisches Staatsorchester und Chor, Einstudierung: Sebastian Hernandez-Laverny<\/p>\n<p>Solisten: Hans-Otto Wei\u00df (Hermann, Landgraf von Th\u00fcringen), Alexander Spemamm (Tannh\u00e4user), Patrick Pobeschin (Wolfram von Eschenbach), Alexander Kr\u00f6ner (Walther von der Vogelweide), Heikki Kilpel\u00e4inen (Biterolf), Lucas Vanzelli (Heinrich der Schreiber), Martin Js. Ohu (Reinmar von Zweter), Bettine Kampp (Elisabeth, Nichte des Landgrafen), Patricia Roach (Venus), Marianne u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. September 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Mainz-Tannhaeuser.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2006\" title=\"Mainz-Tannhaeuser\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Mainz-Tannhaeuser.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"211\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Mainz-Tannhaeuser.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Mainz-Tannhaeuser-300x180.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user ist der G\u00f6tterwelt im Venusberg und ihrer s\u00fcndigen Bewohner \u00fcberdr\u00fcssig und kehrt in die Menschenwelt zur\u00fcck. Im Kreise der einstigen Rivalen soll er an einem S\u00e4ngerwettstreit auf der Wartburg teilnehmen, dessen Preis Elisabeth, Nichte des Th\u00fcringischen Landgrafen und Angebetete Tannh\u00e4users, verleiht. Doch Tannh\u00e4user singt sein Preislied mit Verherrlichung der Venus. Nur Elisabeths beherztes Eingreifen bewahrt ihn vor dem Tode. Auf einer Bu\u00dffahrt zum Papst nach Rom soll der S\u00fcnder sein Seelenheil zur\u00fcckerlangen. Doch der Papst erteilt ihm keine Absolution. So kann ihn nur Elisabeth mit ihrem Opfer retten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne ist im Hintergrund ein Wellblech zu sehen. Es herrscht schummriges Licht. Tische und St\u00fchle sind zu einer riesigen quadratischen Tafel zusammengestellt. F\u00fcr den S\u00e4ngerwettbewerb werden die Tische zu Schulb\u00e4nken mit einem Rednerpult umgestellt, schlie\u00dflich ist nur noch das Pult \u00fcbrig, an dem Elisabeth lehnt.<\/p>\n<p>Die Figuren tragen schwarze, bis auf die freiz\u00fcgigen Nymphen und J\u00fcnglinge im Venusberg, zugekn\u00f6pfte Kost\u00fcme aus der Biedermeierzeit. Im Kontrast dazu Tannh\u00e4user mit Jeans, wei\u00dfem Hemd und Sneakers. Der S\u00e4ngerwettstreit wird als tristes Turnier dargestellt, die adeligen G\u00e4ste applaudieren und agieren in Zeitlupe. In kleinen Heften bewertet die Gesellschaft die musikalischen Vortr\u00e4ge. Davon ausgenommen sind nur der hibbelige Tannh\u00e4user und die Venus. Letztere schleicht durch die Reihen, wird aber nur von Tannh\u00e4user wahrgenommen. Dadurch und durch seine Flucht von der B\u00fchne am Ende des ersten Aktes wird Tannh\u00e4users Zaudern erkennbar, seine Hin- und Hergerissenheit zwischen zwei Welten.<\/p>\n<p>Meist bietet sich ein recht statisches Bild dar, sogar die Nymphen im Venusberg sind zwischenzeitlich in Reihen erstarrt und wiegen nur leicht hin und her. Doch als Tannh\u00e4user die Venus besingt, zerf\u00e4llt die Ordnung und die Adeligen st\u00fcrmen wild durcheinander.<\/p>\n<p>Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Szenen, die Wagner im <em>Tannh\u00e4user<\/em> sorgf\u00e4ltig auskomponiert hat, zeigen sich dadurch, da\u00df der Chor sich oft fast unbemerkt von der B\u00fchne schleicht und ebenso wieder hinaufkriecht, und zwar ohne Z\u00e4sur oder vordergr\u00fcndiges Auf- und Abtreten. Am Ende ist Elisabeth wieder auferstanden, was die Menschenmenge jedoch nicht davon abhalten kann, auf Tannh\u00e4user zuzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Glasklar f\u00fchren Fagotte, H\u00f6rner und Klarinetten in die Ouvert\u00fcre ein und bereiten den langen Weg f\u00fcr eine ausgewogene, bewegliche und dynamisch vielseitige Interpretation des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz. <strong>Catherine R\u00fcckwardt<\/strong> gelingt es, das imposante und doch transparente Orchester soweit zur\u00fcckzunehmen, da\u00df Chor und S\u00e4nger problemlos zu h\u00f6ren sind. Kraftvoll und pr\u00e4zise auch die Passagen des M\u00e4nner- sowie des gemischten Chores. <strong>Alexander Spemann<\/strong> (Tannh\u00e4user) braucht zwar etwas Zeit, um sich freizusingen. Er entfaltet dann aber doch noch seinen klangsch\u00f6nen Tenor. Besonders hervorzuheben ist sein glanzvoller und kr\u00e4ftiger Gesang im dritten Akt: Im <em>Inbrunst im Herzen, wie kein B\u00fc\u00dfer noch<\/em> gelingt es ihm meisterlich, seine Wut \u00fcber die Gegens\u00e4tze zwischen ihm und den anderen Pilgern auszudr\u00fccken. Das Papst-Zitat singt er mit unmi\u00dfverst\u00e4ndlichem Tonfall und erregt damit ein Schmunzeln im Publikum. <strong>Patricia Roach<\/strong> (Venus) kann ihren kraftvollen, ausdrucksstarken, warmen und wohlklingenden Sopran entfalten und wird vom Publikum einmal mehr f\u00fcr ihre gesangliche Leistung gefeiert. Auch <strong>Bettine Kampp<\/strong> (Elisabeth) erfreut mit klarem, frischen Klang. Insbesondere in den leiseren Passagen <em>Verzeiht, wenn ich nicht wei\u00df, was ich beginne! <\/em>(2. Akt) erzeugt sie eine enorme Spannung, \u00f6ffnet dann aber wieder zum lauteren Klang mit angenehmem Vibrato. <strong>Hans-Otto Wei\u00df<\/strong> (Landgraf) singt kr\u00e4ftig mit f\u00fclligem Ba\u00df. Die \u00dcbertitel braucht man wahrlich bei einer deutschen Wagner-Inszenierung, wenn die Aussprache der S\u00e4nger so wenig artikuliert ist wie hier.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr wen Musik, Gesang und Handlung der Wagneroper im Vordergrund stehen, der kommt im Mainzer <em>Tannh\u00e4user <\/em>voll auf seine Kosten \u2013 hier lenkt kein unn\u00f6tiges Beiwerk vom eigentlichen Werk ab. Es gab neben dem soliden Applaus aber auch einige Buhrufe f\u00fcr die Regie \u2013 f\u00fcr manche ist die Auff\u00fchrung vielleicht einfach zu trostlos und zu statisch.<\/p>\n<p>Julia Korst<\/p>\n<p>Bild: Martina Pipprich<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hans-Otto Wei\u00df (Landgraf) schickt Alexander Spemann (Tannh\u00e4user) zur Pilgerfahrt nach Rom, um beim Papst um die Vergebung seiner S\u00fcnden zu bitten. Auch die adelige S\u00e4ngerfestgesellschaft findet, da\u00df Tannh\u00e4user f\u00fcr sein Preislied der Venus b\u00fc\u00dfen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in 3 Akten, Text: Richard Wagner, UA: Dresden 1845 Regie: Sandra Leupold, B\u00fchne: Tom Musch, Kost\u00fcme: Julia Burde Dirigent: Catherine R\u00fcckwardt, Philharmonisches Staatsorchester und Chor, Einstudierung: Sebastian Hernandez-Laverny Solisten: Hans-Otto Wei\u00df (Hermann, Landgraf<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2005\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[83,1],"tags":[],"class_list":["post-2005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mainz-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2005"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2009,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2005\/revisions\/2009"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}