{"id":1989,"date":"2010-09-15T20:00:42","date_gmt":"2010-09-15T19:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1989"},"modified":"2010-09-15T20:00:42","modified_gmt":"2010-09-15T19:00:42","slug":"aida-theater-basel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1989","title":{"rendered":"AIDA &#8211; Theater Basel"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni, nach einem Szenarium des \u00c4gyptologen Auguste Mariette Bey.<\/p>\n<p>Regie: Calixto Bieito, B\u00fchnenbild: Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Ingo Kr\u00fcgler, Licht: Hermann M\u00fcnzer, Dramaturgie: Ute Vollmar, Chor: Henryk Polus, Dirigent: Maurizio Barbacini, Sinfonieorchester Basel, Chor und Extrachor des Theater Basel<\/p>\n<p>Solisten: Michelle de Young (Amneris), Angeles Blancas (Aida), Sergej Khomov (Radam\u00e8s), Daniel Golossov (Ramfis) Alfred Walker (Amonasro), Andrew Murphy (K\u00f6nig), Karl-Heinz Brandt (ein Bote), Rena Harms (eine Priesterin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. September 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Basel-Aida.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1990\" title=\"Basel-Aida\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Basel-Aida.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Basel-Aida.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Basel-Aida-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Aida, \u00e4thiopische Prinzessin und Tochter des Amonasro, befindet sich unerkannt in \u00e4gyptischer Gefangenschaft und verliebt sich in den feindlichen Hauptmann Radam\u00e8s. Diesen w\u00fcnscht sich jedoch Amneris, die Tochter des K\u00f6nigs von \u00c4gypten, zum Mann. Nachdem Radam\u00e8s die \u00e4gyptischen Truppen zum Sieg \u00fcber die \u00c4thiopier gef\u00fchrt hat, steht die Hochzeit mit Amneris bevor. Bei einem geheimen Treffen wird Aida von Radam\u00e8s in den Schlachtplan der \u00c4gypter eingeweiht. Dieses Gespr\u00e4ch wird belauscht woraufhin Radam\u00e8s wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wird: Er soll lebendig begraben werden. Doch Aida l\u00e4\u00dft sich zusammen mit ihrem Geliebten einmauern \u2013 Amneris bleibt alleine zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Arena ist zu sehen, die wegen \u00fcppiger Reklamebanner hinter den Trib\u00fcnen an ein Fu\u00dfballstadion erinnert. Der Chor nimmt auf den blauen Plastiksitzen Platz, w\u00e4hrend eine Plastikkuh in die Mitte der B\u00fchne geschoben wird. Die S\u00e4nger schm\u00fccken sich mit Pharaokronen und schmettern <em>Gloria <\/em><em>all&#8217;Egitto<\/em><em>, ad <\/em><em>Iside<\/em> \u2013 <em>Ruhm f\u00fcr \u00c4gypten und Isis<\/em>. Erst jetzt wird das Licht im Zuschauerraum gedimmt. Ramfis, in der Manier eines Fu\u00dfballtrikots in den Landesfarben \u00c4gyptens bemalt, liest in den Eingeweiden eines Kadavers und sp\u00e4ter eines Pferdes, um den Anf\u00fchrer gegen die \u00c4thiopier zu bestimmen. Amneris bereitet sich auf die Heimkehr des siegreichen Radam\u00e8s vor \u2013 der eigentlich hier vorgesehene Tanz der Mohrenknaben weicht einem bunten Aerobic-Bauchtanzkurs.<\/p>\n<p>Zum <em>Marcia trionfale \u2013 Triumphmarsch<\/em> wird eine Gruppe blutbeschmierter, \u00e4thiopischer Gefangene in die Arena getrieben und dabei vom Chor mit Essen beworfen, Kinder schieben N\u00e4hmaschinen mit verschiedenen Landesflaggen auf die B\u00fchne und beginnen daran zu arbeiten. Amonasro (wie fast alle m\u00e4nnlichen Protagonisten im Anzug, nur der K\u00f6nig tr\u00e4gt eine Milit\u00e4runiform) wird als Kriegstroph\u00e4e im K\u00e4fig auf die B\u00fchne gezogen. Die Masse randaliert im Stadion, das sich nach der Pause dann auch reklamefrei und ohne Sitze pr\u00e4sentiert. Aufgrund seines Hochverrats zum Tode verurteilt, wird Radam\u00e8s in ein eigens ausgehobenes Erdloch in der B\u00fchne begraben, der Bote ersticht Amneris. Aida \u2013 blutig und geschunden \u2013 ist bereit, an der Seite ihres Geliebten zu sterben.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Angeles Blancas<\/strong> singt ihre Rolle als Aida gr\u00f6\u00dftenteils sehr klar, besonders im zweiten Teil, in dem ihr lyrischer Sopran zum Tragen kommt und sie nicht mehr gegen die imposanten Massenszenen ank\u00e4mpfen mu\u00df, denn dabei gerieten die H\u00f6hen etwas zu grell. <strong>Michelle de Young<\/strong>, gibt eine \u00fcberzeugend eifers\u00fcchtige Amneris und zeigt ein gro\u00dfes Gesp\u00fcr f\u00fcr dynamische Nuancen. Ihr \u2013 zur Rivalin \u2013 kontrastiver, dunkler Mezzosopran besticht durch deutliche Pr\u00e4senz, ein (inszenatorisches?) Problem f\u00fcr <strong>Sergej Khomov<\/strong> (Radam\u00e8s), der ihr nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch stimmlich nicht gewachsen scheint. Sein <em>Celeste Aida<\/em> \u2013 <em>Himmlische Aida<\/em> zu Beginn ger\u00e4t etwas ausdruckslos, wenngleich er seinen strahlenden Tenor technisch solide pr\u00e4sentiert. <strong>Andrew Murphy<\/strong> (K\u00f6nig) findet sich mit seinem sonoren Ba\u00df in seiner Rolle gut zurecht, ebenso wie <strong>Daniel Golossov <\/strong>(Ramfis). <strong>Alfred Walker <\/strong>(Amonasro) besticht durch einen dramatischen Bariton, dem es weder an Durchschlagskraft noch feinf\u00fchliger Nuancierung mangelt. Besonders zu erw\u00e4hnen ist auch der penibel einstudierte <strong>Chor<\/strong> und <strong>Extrachor<\/strong>, der sehr pr\u00e4sent und ausgezeichnet positioniert ist.<\/p>\n<p>Am Pult entfesselt <strong>Maurizio Barbacini<\/strong> eine unglaubliche Dynamik. Das <strong>Sinfonieorchester Basel <\/strong>stellt einmal mehr seine hervorragenden Qualit\u00e4ten im italienischen Fach unter Beweis. Vor allem der zweite Teil der Oper wird musikalisch vorz\u00fcglich in Szene gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wie kaum anders zu erwarten (wenngleich auch mit angezogener Handbremse) ignoriert Bieito das Sujet zugunsten seiner ihm eigenen, blutr\u00fcnstigen und gewaltgeladenen Lesart, die mit der eigentlichen Oper kaum noch etwas gemein hat. Man stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, wie die Inszenierung ausgefallen w\u00e4re, wenn Spanien nicht die Fu\u00dfballweltmeisterschaft gewonnen h\u00e4tte. In summa konnte man einen gef\u00e4lligen Opernabend erleben, was nicht zuletzt den S\u00e4ngern und einem \u00fcberragenden Orchester zu verdanken ist \u2013 die Leistung von S\u00e4nger und Orchester wurde vom Publikum geb\u00fchrend belohnt. Wenig \u00dcberraschung bot die Beurteilung der Regiearbeit: Buh-Rufe wie Bravo-Rufe und Pfiffe demonstrierten die polarisierende Arbeit des Teams.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Hans-J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Vorne v.l.n.r.: Angeles Blancas (Aida), \u00a0Andrew Murphy (K\u00f6nig),\u00a0 Daniel Golossov (Ramfis), Alfred Walker (Amonasro), Sergej Khomov (Radam\u00e8s), Michelle DeYoung(Amneris), Chor und Extrachor und Statisterie des Theater Basel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni, nach einem Szenarium des \u00c4gyptologen Auguste Mariette Bey. 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