{"id":1980,"date":"2010-09-13T21:51:31","date_gmt":"2010-09-13T20:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1980"},"modified":"2010-09-14T22:00:20","modified_gmt":"2010-09-14T21:00:20","slug":"peter-grimes-stadttheater-bremerhaven","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1980","title":{"rendered":"PETER GRIMES &#8211; Stadttheater Bremerhaven"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Benjamin Britten (1913-1976), Oper in drei Akten, Libretto: Montagu Slater nach der Dichtung von George Crabbe, deutsche Textfassung: Joachim Herz und Klaus Schlegel, UA: Juni 1945 London<br \/>\nRegie: Petra Luisa Meyer, Ausstattung: Okarina Peter &amp; Timo Dentler, Beleuchtung: Thomas G\u00fcldenberg, Dramaturgie: Juliane Piontek<br \/>\nDirigent: Stephan Tetzlaff, St\u00e4dtisches Orchester Bremerhaven, Opern- und Extrachor Bremerhaven, Kinderstatisterie<br \/>\nSolisten: Paul McNamara (Peter Grimes), Sebastian P\u00f6hlmann (John, stumme Rolle), Miriam Gordon-Stewart (Ellen Orford), Werner Kraus (K\u00e4pit\u00e4n Balstrode), Zdravka Ambri\u0107 (Aunti), Pinelopi Argyropoulou und Lilli W\u00fcnscher (Nichten), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. September 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bremerhaven-Peter-Grimes.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1985\" title=\"Bremerhaven-Peter-Grimes\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bremerhaven-Peter-Grimes.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bremerhaven-Peter-Grimes.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bremerhaven-Peter-Grimes-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der finstere, eigenbr\u00f6tlerische Fischer Peter Grimes lebt in einer kleinen H\u00fctte am Rande der Klippen an der Ostk\u00fcste Englands. Die Bewohner des Dorfes be\u00e4ugen ihn mi\u00dftrauisch, denn er hat in ihren Augen durch den ungekl\u00e4rten Tod seines Lehrlings Schuld auf sich geladen, obwohl der Fall per Gerichtsbeschlu\u00df zu einem Unfall erkl\u00e4rt worden ist. Peter wird nahe gelegt, keinen neuen Lehrling anzunehmen. Trotzdem nimmt er gegen den Widerstand der Dorfbewohner einen Jungen aus dem Armenhaus zu sich. Bei der Kontrollinspektion der Dorfgesellschaft in Peters H\u00fctte geschieht ein tragisches Ungl\u00fcck: Um den Jungen vor der Meute seiner Mitb\u00fcrger zu sch\u00fctzen, schickt Peter ihn durch eine Seitent\u00fcr hinaus. Der Lehrling st\u00fcrzt \u00fcber die Klippen und stirbt. Aufkommende Ger\u00fcchte, die Ablehnung der Dorfbewohner und die eigene Schuld treiben Peter zusehends in den Wahnsinn. Er ertr\u00e4nkt sich schlie\u00dflich in seinem Boot.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Prolog der Oper lie\u00df zun\u00e4chst an eine konzertante Auff\u00fchrung denken. Solisten und Chor traten in Abendgarderobe auf, der Chor hielt S\u00e4ngermappen in den H\u00e4nden. Zum Ende des Prologs wurden an takelageartigen Ger\u00fcsten Kost\u00fcme heruntergelassen: f\u00fcr die Solisten traditionelle Kost\u00fcme ihrer Rolle entsprechend (also Kapit\u00e4nsmantel, Per\u00fccke f\u00fcr den Anwalt, \u00d6lzeug etc.), der Chor erhielt Anz\u00fcge der Arbeiter einer Fischfabrik. F\u00fcr das B\u00fchnenbild der drei folgenden Akte wurden viele Containertonnen und zwei halb transparente Chiffonvorh\u00e4nge variationsreich eingesetzt, um eine Hafenszenerie, eine Kneipe und eine Kirche anzudeuten. Peter Grimes H\u00fctte bestand auch aus den erw\u00e4hnten Tonnen und einigen Schiffsplanken, darauf war ein Seefeldstecher montiert.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter der Leitung von Stefan Tetzlaff gelang dem Ensemble eine gute Gesamtinterpretation der Oper, die Orchester und Chor einiges abverlangt. So gerieten die schnellen L\u00e4ufe der Holzbl\u00e4ser und der hohen Streicher nicht immer sauber in Intonation und Technik. Dennoch verlor das Orchester bei gro\u00dfen Spannungsb\u00f6gen nicht an Energie. Besonders das dritte Orchesterzwischenspiel war von treibender Rhythmik und Vitalit\u00e4t gepr\u00e4gt. Dem Chor mu\u00df Respekt gezollt werden. Er zeichnete sich durch deutliche Textaussprache und eine beeindruckende B\u00fchnenpr\u00e4senz aus. Der einzige Szenenapplaus des Abends galt zu Recht dem Chor nach dem aufw\u00fchlenden St\u00fcck <em>Who holds himself apart <\/em>\u2013 <em>Wer h\u00e4lt ihn von uns fern<\/em>. <strong>Miriam Gordon-Stewart <\/strong>(Ellen Orford) konnte stimmliche Vielfalt und Differenz zeigen. Ihre Sopranstimme war sowohl an schneidenden, scharfen und lauten Stellen, als auch an innig-lyrischen sauber in der Intonation. Eine reine Intonation zeichnete auch den Gesang von Tenor <strong>McNamara<\/strong> aus, dennoch klang er in der H\u00f6he im ersten und zweiten Akt manchmal etwas gepre\u00dft, an wenigen Stellen artikulierte er undeutlich. Gro\u00dfartig allerdings gelang ihm die schauspielerische und stimmliche Darstellung von Peter Grimes, vor allem wie dieser dem Wahnsinn verf\u00e4llt. Der Bariton <strong>Werner Kraus<\/strong> als Kapit\u00e4n Balstrode hatte eine vollt\u00f6nende, klare Stimme und eine sehr deutliche Aussprache. Die anderen Solisten boten ordentliche stimmliche Leitungen, der Text war jedoch nicht immer zu verstehen. Unter ihnen stach die Mezzosopranistin <strong>Ann Juliette Schindewolff<\/strong> hervor. Bei der Interpretation von <em>Mister Swallow!<\/em> <em>Mister Swallow! <\/em>sang sie ihre Partie trotz der mimischen Darstellung h\u00f6chster Erregung durchweg sauber.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem schlicht inszenierten Prolog wurde dem Zuschauer in den drei folgenden Akten eine abwechslungsreiche Inszenierung mit guten Ideen geboten, unter anderem in der Schlu\u00dfszene: Die Dorfbewohner nehmen Platz auf von der Decke heruntergelassenen St\u00fchlen \u2013 eine Reminiszenz an den Prolog, was der ganzen Inszenierung einen Rahmen gibt. Nur ein Stuhl wird wieder hochgezogen, denn Peter Grimes ist aus der Dorfgemeinschaft verschwunden. Ein Schwerpunkt der Inszenierung lag auf der Deutung der psychologischen Vorg\u00e4nge. So wurden zum Beispiel die nagenden Schuldgef\u00fchle im Unterbewu\u00dftsein von Grimes durch eine kleine, wandelnde Kinderleiche dargestellt, die ihn heimsucht. Musikalisch war dieser Abend auf einem ordentlichen Niveau, wozu der Chor viel beitrug. Zu Recht gab es viel Applaus.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: Rillke und Sandelmann Fotografie<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Miriam Gordon-Stewart (Ellen Orford) und Kinderstatisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Benjamin Britten (1913-1976), Oper in drei Akten, Libretto: Montagu Slater nach der Dichtung von George Crabbe, deutsche Textfassung: Joachim Herz und Klaus Schlegel, UA: Juni 1945 London Regie: Petra Luisa Meyer, Ausstattung: Okarina Peter &amp; Timo Dentler, Beleuchtung: Thomas<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1980\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[108,1],"tags":[],"class_list":["post-1980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bremerhaven-stadttheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1980"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1988,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1980\/revisions\/1988"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}