{"id":1956,"date":"2010-08-06T13:45:28","date_gmt":"2010-08-06T12:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1956"},"modified":"2010-08-06T13:45:28","modified_gmt":"2010-08-06T12:45:28","slug":"baden-baden-festspielhaus-berlioz-und-wagner-%e2%80%93-sir-simon-rattle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1956","title":{"rendered":"Baden-Baden, Festspielhaus &#8211; Berlioz und Wagner \u2013 Sir Simon Rattle"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dirigent: Sir Simon Rattle, Orchestra of the Age of Enlightenment<\/p>\n<p>Solisten: Ben Heppner (Tristan), Violeta Urmana (Isolde), Franz-Josef Selig (Marke), Sarah Connolly (Brang\u00e4ne), Timothy Robinson (Melot\/Kurwenal)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. August 2010<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Baden-Baden-Tristan.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1957\" title=\"Baden-Baden-Tristan\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Baden-Baden-Tristan.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Baden-Baden-Tristan.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Baden-Baden-Tristan-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Eine interessante Kombination zweier Werke von Hector Berlioz und Richard Wagner gab es an diesem Abend in Baden-Baden zu erleben. Nicht nur thematisch stehen sich Berlioz\u2019 <em>Sc\u00e8ne d\u2019amour<\/em> seiner <em>Rom\u00e8o et Juliette<\/em> \u2013 Sinfonie und der zweite Aufzug von Wagners <em>Tristan und Isolde <\/em>nahe. Von tragischer Liebe l\u00e4\u00dft sich ebenso beim Verh\u00e4ltnis der beiden Komponisten sprechen: W\u00e4hrend Wagner beim H\u00f6ren der dramatischen Sinfonie ma\u00dflos begeistert war, konnte der Tristan-Stoff bei Berlioz Zeit seines Lebens keine Begeisterung erwecken.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im orchestralen Allegretto-Adagio aus <em>Rom\u00e8o et Juliette<\/em> exponiert Berlioz meisterhaft kontrastierende Themen und Motive und stellt diese auf immer neue Weise neben- und gegeneinander. Beeindruckend auch wie <strong>Simon Rattle<\/strong> und dem <strong>Orchestra of the Age of Enlightenment<\/strong> die musikalische Umsetzung gelingt. Lyrisch-poetische Passagen, dominiert von sanften Holzbl\u00e4ser- und vibratoreichen Streicherkl\u00e4ngen, mischen sich mit bedrohlich-pochenden Rhythmusfiguren der Ba\u00dfinstrumente. Die Blechbl\u00e4ser dagegen nutzt Rattle zur reinen Klangfarbenbereicherung und h\u00e4lt diese dezent im Hintergrund. Weiterer Detailreichtum l\u00e4\u00dft sich im fein nuancierten und st\u00e4ndig wiederkehrenden Absterben und Wiederauflebenlassen des musikalischen Satzes erkennen, der kurz vor dem Erliegen immer wieder zu neuem Leben erwacht. Der Klangk\u00f6rper reagiert auf s\u00e4mtliche rhythmisch-motivischen Eigenheiten der Komposition. Allerdings verzichtet die Interpretation auf die bei Berlioz vorhandene schicksalhafte Schattenseite des musikalischen Ausdrucks zugunsten eines stets gegenw\u00e4rtigen Wagnerschen Liebesdunstes, was dem Zuh\u00f6rer das heraufd\u00e4mmernde Schicksal zwar vor Augen f\u00fchrt, jedoch stets auf wenig bedrohlicher Distanz h\u00e4lt. Nach einer \u00fcberraschend fr\u00fchen Pause war nun der zweite Aufzug aus Wagners <em>Tristan und Isolde<\/em> konzertant zu erleben. Rasch fliegen die ersten Takte vor\u00fcber und f\u00fchren zum Dialog zwischen <strong>Violeta Urmana<\/strong> (Isolde) und <strong>Sarah Connolly<\/strong> (Brang\u00e4ne). Leider wurden die Solisten beinahe den ganzen Abend von den Klangmassen des Orchesters \u00fcberrollt. Einzig das Rauschen des Waldes und Pl\u00e4tschern des B\u00e4chleins erinnern in ihrer Idylle an das Waldweben aus der Oper <em>Siegfried<\/em>. <strong>Urmana <\/strong>scheint sich von der orchestralen \u00dcbermacht dies nicht anmerken zu lassen. Mit ihrer beweglichen, sanften Stimme setzt sie sich zwar nicht gegen die Klanglawinen durch, doch gelingen ihr Spitzent\u00f6ne und heikle Spr\u00fcnge mit gro\u00dfer Leichtigkeit. Leider wirkt die malerisch konzipierte Passage <em>Des k\u00fchnsten Mutes K\u00f6nigin<\/em> rasch und verhetzt, was der S\u00e4ngerin keinen gro\u00dfen Gestaltungsraum l\u00e4\u00dft. Ebenso <strong>Connolly<\/strong>, die trotz alledem mit gro\u00dfem Nachdruck ihr <em>Vor Melot sei gewarnt<\/em> \u00fcber die B\u00fchne bringt.<\/p>\n<p>Anders <strong>Ben Heppner<\/strong> (Tristan), der seine gro\u00dfe Anspannung, sich gegen das Orchester zu behaupten, nicht verbergen konnte. Klar und einschneidend im Timbre, obertonreich in der Kopfstimme, schien er auf gl\u00fchenden Kohlen zu stehen, um seiner Rolle an diesem Abend gerecht zu werden. Auch der Beginn des Liebesduettes <em>Sink hernieder Nacht der Liebe<\/em> rauscht schnell vor\u00fcber und nimmt der Szene den zentralen Moment des Innehaltens. Allerdings zeigt sich hier in den leisen Orchesterpassagen die deutliche Artikulation der beiden Solisten, wobei Heppner, zu stark in sich selbst gekehrt, seine Duettpartien zu Teilmonologen umgestaltet.<\/p>\n<p>Lob geb\u00fchrt an diesem Abend vor allem <strong>Franz-Josef Selig<\/strong> (Marke), der seiner Rolle als alternder K\u00f6nig viel Pathos verleiht. Gebrochenen Herzens singt er von verlorenem Vertrauen und vergangener Liebe, wobei vor allem die trostlose innere Einsamkeit des Herrschers Mitgef\u00fchl erregt. Mit diesen Voraussetzungen w\u00fcrde er sicherlich einen gro\u00dfartiger K\u00f6nig Philipp in Verdis <em>Don Carlos<\/em> abgeben. Im gro\u00dfen und ganzen scheinen die S\u00e4nger jedoch allein gelassen, w\u00e4hrend Rattle die <em>Tristan<\/em>-Partitur (wortw\u00f6rtlich hinter dem R\u00fccken der S\u00e4nger!) vor allem sinfonisch interpretiert.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein durchwachsenes Konzerterlebnis, bei welchem sich r\u00fcckblickend vor allem der erste Teil als ma\u00dfgebend und interpretatorisch wertvoll herausstellt. Eine Zusammenkunft routinierter K\u00fcnstlerindividuen, denen es leider nicht gelungen ist, ein musikalisches Ganzes zu vermitteln. Allerdings war der Zuh\u00f6rer vorgewarnt. Auf den ersten Seiten des Programmheftes findet sich das Rossini-Zitat: <em>Herr Wagner hat sch\u00f6ne Augenblicke, aber schlimme Viertelstunden. <\/em><\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sir Simon Rattle (Dirigent), Orchestra of the Age Enlightenment, Violeta Urmana (li.), Ben Heppner (re.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirigent: Sir Simon Rattle, Orchestra of the Age of Enlightenment Solisten: Ben Heppner (Tristan), Violeta Urmana (Isolde), Franz-Josef Selig (Marke), Sarah Connolly (Brang\u00e4ne), Timothy Robinson (Melot\/Kurwenal) Besuchte Auff\u00fchrung: 4. 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