{"id":1942,"date":"2010-07-21T08:19:33","date_gmt":"2010-07-21T07:19:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1942"},"modified":"2010-07-21T08:19:33","modified_gmt":"2010-07-21T07:19:33","slug":"konzert-mit-anne-sophie-mutter-baden-baden-festspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1942","title":{"rendered":"Konzert mit Anne Sophie Mutter &#8211; Baden-Baden, Festspielhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Zum diesj\u00e4hrigen Festspielsommer hat sich Baden-Baden den Dirigenten Valery Gergiev und dessen Ensemble des Mariinsky-Theaters St. Petersburg eingeladen. Auf dem Programm standen bislang Rossinis Oper <em>Il viaggio a Reims<\/em> sowie Verdis <em>Requiem<\/em>. Der Rahmen des Konzertabends mit Anne-Sophie Mutter bestand aus zwei kleinen Werken von Richard Wagner und Franz Liszts <em>Dante-Sinfonie<\/em>. Den k\u00fcnstlerischen H\u00f6hepunkt fand der Abend in Sophia Gubaidulinas zweitem Violinkonzert <em>In tempus praesens<\/em>, das die Komponistin vor wenigen Jahren eigens der Geigenvirtuosin Mutter zugeeignet hat.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juli 2010<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Baden-Baden-Mutter.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1943\" title=\"Baden-Baden-Mutter\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Baden-Baden-Mutter.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Baden-Baden-Mutter.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Baden-Baden-Mutter-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst erklang Wagners <em>Siegfried-Idyll<\/em>, ein Werk, das im Zusammenhang mit der Oper <em>Siegfried<\/em> entstand. Dann der <em>Trauermarsch <\/em>aus <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em>, gefolgt von Sophia Gubaidulinas Violinkonzert. Nach der Pause wurde zum Abschlu\u00df die <em>Dante-Sinfonie<\/em> von Franz Liszt gegeben.<\/p>\n<p>Beim Siegfried-Idyll handelt es sich um ein eher ausdruckschwaches Werk, das sich an diesem Abend jedoch durch eine ausgezeichnete Interpretation Geh\u00f6r verschafft. Trotz gro\u00dfer Orchesterbesetzung offenbart sich das Werk \u00fcberraschend intim und kammermusikalisch. \u00dcber einem schlanken Streicherklang haben vor allem die Holzbl\u00e4ser gro\u00dfe Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Auch die Blechbl\u00e4ser stechen nicht schroff aus dem geschmeidigen Gesamtklang heraus. Vielmehr sucht <strong>Valery Gergiev<\/strong> hier nach einer einheitlichen musikalischen Sprache. Die Streicher beeindrucken durch kompakte Einheitlichkeit und Transparenz, den Holzbl\u00e4sern (Querfl\u00f6te, Oboe, Klarinette etc.) gelingen ihre Motivb\u00f6gen in feinsten Nuancen. Der Trauermarsch aus der <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> ist in mehrerlei Hinsicht eine ad\u00e4quate Steigerung der Programmfolge. So sorgt vor allem der erweiterte Bl\u00e4serapparat f\u00fcr den bekannten Wagnerschen Pomp. War das Idyll eher impressionistisch konzipiert, kehrt sich dies nun ins Expressive. Vorbereitend auf den H\u00f6hepunkt des Abends ist dies vor allem deshalb, weil Gubaidulinas zweites Violinkonzert ebenfalls versucht, Gegens\u00e4tzliches zu vereinen. Das eigens f\u00fcr <strong>Anne-Sophie Mutter<\/strong> komponierte Werk scheint ihr auf den Leib geschrieben. Mit spannungsvollem Vibrato und rundem Klang beginnen die ersten Takte bevor das Orchester einsetzt. Der K\u00fcnstlerin und dem Instrument wird in diesem Konzert alles abverlangt. Fein gehauchte Flageolett-Kl\u00e4nge, Doppelgriff-Passagen und Triller in h\u00f6chsten Lagen scheinen ihr mit Leichtigkeit \u201evon der Hand\u201c zu gehen. Ihr gelingt es, dem Instrument das gesamte Klangspektrum zu entlocken, hat sie sich doch zudem noch gegen einen gewaltigen Orchesterapparat zu behaupten. Sobald nach einem massiven Abschnitt des gesamten Orchesters zieht Anne-Sophie Mutter in ihre Solo die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Gro\u00dfe Anspannung und hohe Konzentration waren der Solistin anzusehen, die sich auch einer einzigartigen B\u00fchnenpr\u00e4senz r\u00fchmen kann.<\/p>\n<p>Den Abschlu\u00df des Abends machte Liszts <em>Dante-Sinfonie<\/em>. Hier zeigte sich nochmals Gergievs Verst\u00e4ndnis musikalischer Gestaltung. Einerseits der fanfarenhafte Beginn am H\u00f6llentor auf die Worte <em>Per me si va nella citt\u00e0 dolent \u2013 Durch mich tritt man ein in die Stadt der Schmerzen<\/em>, andererseits die Worte Francescas <em>Non c\u2019\u00e8 nessun maggior dolore \u2013 Es gibt keinen gr\u00f6\u00dferen Schmerz<\/em>. Der rezitativische Aspekt wurde detaillierten dargeboten. Auch die wirbelnden H\u00f6llenwinde konnte man regelrecht sp\u00fcren, ebenso wie die Seufzer der gemarterten Seelen der H\u00f6llenkreise. Valery Gergiev bezaubert vor allem durch fein ausgearbeitete Mischkl\u00e4nge von Holz- und Blechbl\u00e4sern, die nicht autonom gegeneinander stehen, sondern zu wahren Klangfarben verschmelzen. Das <em>Magnificat <\/em>am Ende wurde vom <strong>Damenchor<\/strong> des Mariinsky-Theaters gesungen. Zu den hohen Fl\u00f6ten und flirrenden Geigen mischt sich der auf Erl\u00f6sung hoffende Gesang des Chores. Beinahe f\u00fchlt man sich in die Klangwelt von Wagners <em>Parsifal <\/em>versetzt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein abwechslungsreicher Konzertabend, der gro\u00dfenteils im Zeichen Wagners steht. Mit ihrer Darbietung gelingt es Anne-Sophie Mutter, dank Virtuosit\u00e4t und Klangzauber eine Lanze f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik zu brechen, was vom Publikum r\u00fcckhaltlos anerkannt wurde. Ein Konzertabend auf k\u00fcnstlerisch h\u00f6chstem Niveau!<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Zum diesj\u00e4hrigen Festspielsommer hat sich Baden-Baden den Dirigenten Valery Gergiev und dessen Ensemble des Mariinsky-Theaters St. Petersburg eingeladen. Auf dem Programm standen bislang Rossinis Oper Il viaggio a Reims sowie Verdis Requiem. 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