{"id":1938,"date":"2010-07-20T08:07:52","date_gmt":"2010-07-20T07:07:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1938"},"modified":"2010-07-21T08:13:24","modified_gmt":"2010-07-21T07:13:24","slug":"la-clemenza-di-tito-%e2%80%93-die-milde-des-titus-schwetzingen-mozartsommer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1938","title":{"rendered":"LA CLEMENZA DI TITO \u2013 DIE MILDE DES TITUS &#8211; Schwetzingen, Mozartsommer"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma serio per musica in zwei Akten, Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach Pietro Metastasio von, UA: 6. September 1791 Prag<\/p>\n<p>Regie: G\u00fcnter Kr\u00e4mer, B\u00fchne: Herbert Sch\u00e4fer, Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Alexander Alber, Dramaturgie: Anselm Dalferth<\/p>\n<p>Dirigent: Dan Ettinger, Chor: Tilman Michael<\/p>\n<p>Solisten: Lothar Odinius (Tito), Marie-Belle Sandis (Vitellia), Katharina G\u00f6res (Servilia), Valer Barna-Sabadus (Sesto), Yuriy Mynenko (Annio), Frank van Hove (Publio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Juli 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Mannheim-Titus.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1939\" title=\"Mannheim-Titus\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Mannheim-Titus.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Mannheim-Titus.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Mannheim-Titus-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Vitellia, Tochter des entmachteten Kaisers Vitellius, plant ein Attentat auf Kaiser Tito. Dieser hat nicht sie, sondern Berenice, Prinzessin von Jud\u00e4a, zur Gemahlin erw\u00e4hlt. In ihrem Verlangen nach dem Thron stiftet sie Sesto, den engsten Vertrauten des Kaisers, zum Komplott an. Aus Liebe zu Vitellia steckt er das Kapitol in Brand. In diesem Moment erf\u00e4hrt Vitellia, da\u00df sie von Tito zur Throngemahlin ausgerufen wurde. Titus entkommt dem Mordanschlag, ist aber fest von der Unschuld Sestos \u00fcberzeugt. Als Sesto ihm die Gr\u00fcnde seiner Tat verschweigt, unterzeichnet Tito im Zorn dessen Todesurteil. Nun erst erkennt Vitellia die Folgen ihrer Intrige und ist bereit, dem Kaiser alles zu beichten. Tito ist bereit, allen zu verzeihen. Nie w\u00fcrde er es zulassen, als gestrenger und strafender Kaiser in Roms Geschichte einzugehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Vor Beginn der Ouvert\u00fcre hebt sich der Vorhang. Man erlebt die Vorgeschichte zwischen Berenice und Titus, bevor die eigentliche Oper beginnt. Auf der B\u00fchne befindet sich linkerhand ein diagonaler \u00fcberdimensionaler Schriftzug mit dem Namen des Kaisers, davor eine ebenso lange Stuhlreihe, wo sp\u00e4ter der Opernchor Platz nehmen wird. Rechts prangt ein \u00fcberdimensionales Schwarzwei\u00df-Abbild des Kaisers. Schauspielerisch sind die Protagonisten sich selbst \u00fcberlassen. In der Szene finden sich keine bespielbaren Elemente, so da\u00df sich die Darstellung auf gegenseitige Interaktionen beschr\u00e4nkt. Beim ersten Auftritt des Chors verbergen alle ihre Gesichter hinter Repliken einer Kaiserphotographie. Annio versucht sich in der Finalszene des ersten Akts als Bombenleger und soll infolge dessen im zweiten Akt durch das Henkerbeil sterben. W\u00e4hrend des gesamten zweiten Teils ist der Chor in das den Namenszug <em>Titus<\/em> tragende Ger\u00fcst gezw\u00e4ngt, w\u00e4hrend bei der letzten gro\u00dfen Vitellia-Arie bereits alle Solisten in Erwartung der Finalszene auf der B\u00fchne herumtummeln.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester unter Dan Ettinger experimentiert mit einem Mischklang aus barocken Blechbl\u00e4sern und modernem Streicherkorpus. Die Rezitative sind stark gek\u00fcrzt. Vitellias erste Worte sind in der \u00dcbertitelung zu Satzfragmenten zusammengestrichen, da\u00df zwar noch der Inhalt, nicht aber die eigentliche Poesie zur Geltung kommt. Titus deklamiert seine Rezitative h\u00f6chst langsam im Fl\u00fcsterton mit ungew\u00f6hnlich vielen Pausen. Im zweiten Akt werden, abgesehen von der Unterredung zwischen Sesto und Titus und dem Titusmonolog, fast alle Dialoge ausgelassen. Damit verkommt die Oper beinahe zu einer blo\u00dfen Aneinanderreihung musikalischer Nummern. Publios Arie ist ganz gestrichen. <strong>Lothar Odinius<\/strong> (Tito) zeigt vor allem in hohen Lagen Pr\u00e4senz. Er ist dieser Partie gewachsen, auch wenn die radikalen Tempo-Wechsel Ettingers innerhalb der Arien ihm (wie \u00fcbrigens auch den anderen) viel Expressivit\u00e4t rauben. <strong>Marie-Belle Sandis<\/strong> scheint sich in ihrer Rolle als Vitellia nicht sonderlich wohl zu f\u00fchlen. Ihre stimmlichen Vorz\u00fcge, mit denen sie ansonsten das Publikum begeistert, finden nicht den Weg zur bei Mozart erforderlichen Intimit\u00e4t. Sie intoniert hart und ist gegen ihre Ensemblepartner stimmlich zu pr\u00e4sent. <strong>Katharina G\u00f6res<\/strong> bew\u00e4hrt sich als einf\u00fchlsame Servilia und singt mit klarem, hellen Sopran ihr <em>S\u2019altro che lagrime \u2013 Nichts anderes als Tr\u00e4nen<\/em>. Ihre Stimme klingt zart und zur\u00fcckhaltend. Am beeindruckendsten waren die beiden Counterten\u00f6re <strong>Valer Barna-Sabadus<\/strong> (Sesto) und <strong>Yuriy Mynenko<\/strong> (Annio). Ihr erstes Duett <em>Deh prendi un dolce amplesso<\/em> l\u00e4\u00dft ob der stimmliche Anpassungsf\u00e4higkeit aufhorchen. Sie finden zu einem lyrischen Einklang, den man im Ensemble sonst oft vergebens sucht. Auch in den gro\u00dfen Solo-Arien beweist <strong>Barna-Sabadus<\/strong> sein ganzes K\u00f6nnen. Mit seinem schmelzend-sehns\u00fcchtigen Timbre findet er stets den ad\u00e4quaten Ausdruck zwischen Liebe <em>Parto, ma tu ben mio \u2013 Ich gehe, aber du<\/em> und Freundschaft <em>Deh per questo istante solo \u2013 Ach, nur f\u00fcr diesen Augenblick<\/em>. Nur schade, da\u00df Counterten\u00f6re in Mozartopern ein unverzeihbarer dramaturgischer Fehlgriff sind.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine musikalisch \u00fcberm\u00e4\u00dfig affektierte Interpretation trifft auf eine aussageschwache Inszenierung. Solange jedoch das Publikum den ad\u00e4quaten Gestaltungswillen nicht vermi\u00dft, darf man auch in Zukunft mit tosenden Applausst\u00fcrmen rechnen.<\/p>\n<p>Daniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Chor, Lothar Odinius (Tito), Marie-Bella Sandis (Sesto)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma serio per musica in zwei Akten, Libretto: Caterino Tommaso Mazzol\u00e0 nach Pietro Metastasio von, UA: 6. 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