{"id":189,"date":"2008-02-08T22:40:59","date_gmt":"2008-02-08T20:40:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=189"},"modified":"2008-02-18T20:01:52","modified_gmt":"2008-02-18T18:01:52","slug":"staatsoper-hannover-simplicius-simplicissimus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=189","title":{"rendered":"Staatsoper Hannover &#8211; SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Karl Amadeus Hartmann (1905 \u2013 1963), Oper in drei Teilen, Text von Hermann Karl Scherchen, Wolfgang Petzet und Karl Amadeus Hartmann<br \/>\nUA: 20. Oktober 1949, Theater der Stadt M\u00fcnchen; (2.Fassung): 9. Juli 1957, Nationaltheater Mannheim<br \/>\nRegie: Frank Hilbrich, B\u00fchnenbild: Volker Thiele<br \/>\nDirigent: Lutz de Veer, Nieders\u00e4chsisches Staatsorchester Hannover, Chor der Staatsoper Hannover (Dan Ratiu)<br \/>\nSolisten: Simplicius Simplicissimus (Olivia Stahn), Einsiedel (Hans Sojer), Gouverneur (Latchezar Pravtchev), Landsknecht (Jin-Ho Yoo), Hauptmann (Albrecht P\u00f6hl), Bauer (Allan Evans), Dame (Veronika Steinb\u00f6ck), Sprecher (Franz Mazura)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 19. Januar 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Inhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/simplicus-hannover.jpg\" TITLE=\"simplicus-hannover.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/simplicus-hannover.jpg\" ALT=\"simplicus-hannover.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Der Oper zugrunde liegt der im Jahre 1669 erschienene bekannte Bestseller Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Simplicius Simplicissimus, der Einfachste der Einfachen, ist im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg aufgewachsen und wei\u00df vom wirklichen Leben eigentlich nichts \u2013 seine Erfahrungen beschr\u00e4nken sich auf die furchtbaren Eindr\u00fccke des Krieges. In dem Roman werden die Beobachtungen dieses \u201ereinen Toren\u201c aus dessen Perspektive geschildert; so ist es recht am\u00fcsant und informativ zu erfahren, was sich ein v\u00f6llig unbedarfter Mensch beispielsweise beim Anblick dessen denkt oder denken k\u00f6nnte, was Mann und Frau manchmal so miteinander treiben, ohne da\u00df er sich einen rechten Reim darauf machen kann.<br \/>\nIm ersten Teil der Oper beginnt Simplicius beim Schafe h\u00fcten zu tr\u00e4umen. Er sieht einen Baum, in dem Menschen h\u00e4ngen, eine Anspielung auf die Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse. Landsknechte st\u00fcrmen die scheinbar friedliche Szenerie, Simplicius\u2019 Vater wird ermordet, nur er selbst kann das nackte Leben zu einem Einsiedler retten, bei dem er im zweiten Teil der Oper Unterschlupf und eine zumindest religi\u00f6se Erziehung genie\u00dft. Im dritten Teil begegnen wir Simplicius am Hofe des Gouverneurs wieder, der mit seinen Getreuen, allen voran eine sog. Dame, eine w\u00fcste Orgie feiert. Dem Gouverneur imponiert die gradlinige und wahrheitsgetreue Rede des Einfaltspinsels, und er ernennt ihn zum Hofnarren. Da erinnert sich Simplicius an seinen Traum des Baumes, der ihm nun als Spiegel ungerechter Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse erscheint. Seine Vision aufgeh\u00e4ngter Menschen wird Wirklichkeit: der Mob \u00fcberrennt die Herrschenden und allein Simplicius kann dem Massaker entkommen. Der Sprecher \u2013 h\u00f6chst eindrucksvoll Franz Mazura \u2013 wiederholt seine Eingangsworte: \u201e1618 wohnten 12 Millionen Menschen in Deutschland, 1648 (nach Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges) wohnten noch 4 Millionen Menschen in Deutschland\u201c \u2013 die fatale Bilanz menschlicher Torheit!<br \/>\n<strong>Die Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nZur Auff\u00fchrung kam der \u201eSimplicius\u201c mit dem Untertitel: Drei Szenen aus seiner Jugend in der Neufassung von 1956\/1957.<br \/>\nSchon vor der Ouvert\u00fcre \u2013 Vorhang gibt\u2019s keinen \u2013 kann man ein Wohnzimmer, 60er Jahre w\u00fcrde ich mal vermuten, betrachten. Es hat himmelhohe W\u00e4nde, alles in wei\u00df, vor einer Verandat\u00fcr (?) an der hinteren Wand h\u00e4ngt ein grauer Vorhang.  Zwei gr\u00fcne Sessel stehen verlassen umher, ein Spielzeug-Bauernhof stimmt auf die Handlung ein. Unter Kl\u00e4ngen, die an Marschmusik erinnern, und weniger dissonant sind als bef\u00fcrchtet, erwacht die Szenerie zum Leben: Ein \u00e4lterer Herr deklamiert die Formel vom Krieg (s.o.) und verw\u00fcstet st\u00f6hnend den Bauernhof \u2013 da merkt sogar der d\u00fcmmliche Opernbesucher (wof\u00fcr uns wohl die Regisseure halten) von heute, was die Glocke geschlagen hat: Simplicius ist heute mal ein M\u00e4del im hellen Strampelanzug \u2013 warum auch nicht, Schicksal und\/oder Einf\u00e4ltigkeit sind ja nicht geschlechtsspezifisch. Simplicius h\u00e4ngt Schafe in den Baum (der Gesellschaft), warum auch nicht, man nennt dumme Menschen \u2013 und sind die, die Krieg f\u00fchren, etwa nicht dumm? \u2013 ja auch \u201eSchafe\u201c. Simplicius \u00fcberlebt das Gemetzel und unter beschaulicheren T\u00f6nen, die von J.S. Bach entlehnt scheinen, begibt er sich zum Einsiedler, bei dessen Begr\u00e4bnis dann die W\u00e4nde in Form herunter rollender Tapeten einst\u00fcrzen. Im dritten Teil sind wir bei dem Fest im Hause des Gouverneurs. Dieser und sein l\u00fcsterner Hauptmann wiegen je 4 Zentner und unten rum darf man auch einen Blick aufs kleine Gem\u00e4chte erhaschen, von welchem beim Auftritt der \u201eDame\u201c im Luftballongewand auch reger Gebrauch gemacht wird. Simplicius wird gezwungen, ordentlich Champagner zu saufen, was ihm aber nicht bekommt \u2013 er \u00fcbergibt sich mit armdickem Strahl. Inzwischen ist das aufgebrachte Volk in den Palast eingedrungen und lyncht kurzerhand die ganze fr\u00f6hliche Gesellschaft; nur Simplicius Simplicissimus ist mal wieder entkommen.<br \/>\n<strong>Dirigent und S\u00e4nger<\/strong><br \/>\n<strong>Lutz de Veer<\/strong> hielt den Abend, die B\u00fchne, die S\u00e4nger und das Orchester mit festem Stab zusammen und lie\u00df mit geh\u00f6rigem Enthusiasmus musizieren, die Stimmungen der Handlung angemessen interpretierend. Hervorragende k\u00f6rperliche, s\u00e4ngerische und darstellerische Leistung der engagierten <strong>Olivia Stahn<\/strong> als Simplicius Simplicissimus. Auch wenn der Original-Simpel eigentlich ein Junge war, ein Bub h\u00e4tte das nicht besser gemacht! Simplicius\u2019 Papa <strong>Allan Evans<\/strong> bot eine gute Leistung: viel Gelegenheit hatte er ja nicht, sein K\u00f6nnen zu demonstrieren, da er alsbald von einem mit feinem Bariton bestens aufgelegten <strong>Jin-Ho Yoo<\/strong> als Landsknecht erschlagen wurde. <strong>Hans Sojer<\/strong> als Einsiedel geh\u00f6rt ja zu den festen Gr\u00f6\u00dfen der Staatsoper Hannover, so auch zuverl\u00e4ssig heute abend. Geiler Gouverneur und versoffener Hauptmann wurden in Teamwork bestens dargeboten von <strong>Latchezar Pravtchev <\/strong>und <strong>Albrecht P\u00f6hl<\/strong>. Kernige Stimmgewalt und k\u00f6rperlicher Gro\u00dfeinsatz waren angesagt \u2013 und geboten. Beeindruckend die Artistik, Ballett w\u00e4re untertrieben, gepaart mit k\u00f6rperlicher Ausdrucksf\u00e4higkeit der sog. \u201eDame\u201c <strong>Veronika Steinb\u00f6ck<\/strong>. Manches recht obsz\u00f6n, sicher Geschmackssache, aber doch recht hart an der Grenze, f\u00fcr empfindsamere Naturen sicher schon dar\u00fcber.<br \/>\nViel Beifall f\u00fcr <strong>Olivia Stahn<\/strong>, <strong>Veronika Steinb\u00f6ck<\/strong> und <strong>Franz Mazura<\/strong>. Ein vereinsamter Buhrufer war mit der Regie offenbar unzufrieden.<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Ehlert \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bild: Staatsoper Hannover<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karl Amadeus Hartmann (1905 \u2013 1963), Oper in drei Teilen, Text von Hermann Karl Scherchen, Wolfgang Petzet und Karl Amadeus Hartmann UA: 20. Oktober 1949, Theater der Stadt M\u00fcnchen; (2.Fassung): 9. Juli 1957, Nationaltheater Mannheim Regie: Frank Hilbrich, B\u00fchnenbild:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=189\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57,1],"tags":[],"class_list":["post-189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hannover-staatsoper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=189"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}