{"id":1845,"date":"2010-06-20T22:37:44","date_gmt":"2010-06-20T21:37:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1845"},"modified":"2010-06-23T22:41:44","modified_gmt":"2010-06-23T21:41:44","slug":"die-lybische-talestris-goethe-theater-bad-lauchstadt-bach-fest-leipzig-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1845","title":{"rendered":"DIE LYBISCHE TALESTRIS &#8211; Goethe-Theater Bad Lauchst\u00e4dt (Bach-Fest Leipzig 2010)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Johann David Heinichen (1683-1729), Oper in drei Akten, Libretto von Georg Christian Lehms, UA: 1709 Michaelismesse Leipzig<\/p>\n<p>Regie: Sigrid T\u2019Hooft, Ausstattung: Stephan Dietrich, Tanz: Jutta Vo\u00df<\/p>\n<p>Dirigent: Susanne Scholz, Barockorchester der Fachrichtung Alte Musik der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater <em>Felix Mendelssohn Bartholdy<\/em><\/p>\n<p>Solisten: Dominic Gro\u00dfe (K\u00f6nig Pelopidus von Lybien), Julia Kirchner (Erbprinz Philotas), Stephan Sch\u00e4rpe (Marton), Amrei B\u00e4uerle (Prinzessin Talestris), Christian Wiese (Syringa), Michal F\u00fchmann (Tarpea, Rixane), Kathleen Danke (Latona), Jozsef Gal (Scandor), Thomas Seidel (Araspel, Priester Bogudes), Iris Meyer (Diana, Venus, Verh\u00e4ngnis).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Juni 2010 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Bad-Lauchstaedt-Lybische-Ta.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1846\" title=\"Bad-Lauchstaedt-Lybische-Ta\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Bad-Lauchstaedt-Lybische-Ta.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Bad-Lauchstaedt-Lybische-Ta.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Bad-Lauchstaedt-Lybische-Ta-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Frauen Lybiens unter der F\u00fchrung der Prinzessin Talestris schw\u00f6ren der Liebe ab, obwohl einige ein Verh\u00e4ltnis haben. Syringa liebt den Feldherrn Marton, Talestris wird vom K\u00f6nig Pelopidus und seinem Sohn Philotas begehrt. Es kommt zu einem Gefecht, bei dem Philotas und sein Gefolge in Gefangenschaft geraten. Philotas wird von den Frauen den G\u00f6ttern geopfert, jedoch von Diana gerettet und als Frau verkleidet zur\u00fcckgeschickt \u2013 in die Gesellschaft Talestris. Marton f\u00fchrt die n\u00e4chste Schlacht: Talestris und ihr Gefolge werden Gefangene des K\u00f6nigs, der nun den Tod seines Sohnes r\u00e4chen will. Das g\u00f6ttliche Verh\u00e4ngnis erscheint in einer Wolke, enttarnt Philotas als Mann, der als neuer K\u00f6nig Talestris heiraten darf, genauso wie Marton Syringa zu sich nehmen darf. Der tolpatschige Kapit\u00e4n Scandor mu\u00df seine h\u00e4\u00dfliche Frau Rixane behalten, zu der er durch einige Mi\u00dfgeschicke gekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die historische barocke B\u00fchnentechnik der Bad Lauchst\u00e4dter B\u00fchne kommt kaum zum Einsatz, jedoch entsprechen die Kulissen der barocken Auff\u00fchrungspraxis und zeigen mit zweidimensionalen Kulissen als Hintergrund der ansteigenden Perspektivb\u00fchne eine W\u00fcstenlandschaft oder eine Oasenlandschaft. Kulissenteile werden von der Seite hereingeschoben und erm\u00f6glichen so den \u00fcberraschenden Auftritt als deus ex machina. Die S\u00e4nger tragen \u00fcppige barocke Gew\u00e4nder, so wie man sich im Barock afrikanische Herrscher vorstellte. Ein Lanze, ein Stock oder ein Schwert reichen als Attribute der Personen aus. Die S\u00e4nger agieren zumeist an der Rampe und unterst\u00fctzen mit Gestik, Kopf-, K\u00f6rperhaltung und Gesichtsmimik ihren Gesang. Drei Ballette, wie z.B. ein franz\u00f6sischer Reigentanz, ausgef\u00fchrt im barocken Tanzstil durch Statisten, \u00a0runden die Vorstellung ab.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wurde diese Oper, die v\u00f6llig ungek\u00fcrzt gegeben wird, f\u00fcr drei sehr gute Koloratursoprane geschrieben. Am besten erf\u00fcllt diese Anforderung <strong>Amrei B\u00e4uerle<\/strong> in der Titelpartie. Die Rolle ist eine Glanznummer f\u00fcr diesen schweren Koloratursopran, der v\u00f6llig problemlos mit jugendlich glockenklarer Stimme auch in die h\u00f6chsten Lagen klettert. <strong>Christiane Wiese<\/strong> ist als Syringa der zweite Koloratursopran, wenn sie auch weicher und lyrischer an die Rolle herangeht. <strong>Julia Kirchner<\/strong> in der Hosenrolle des Philotas hat mehr Erfolg in der dramatischen Ausgestaltung der einzelnen Arien als im technischen Glanz der Koloraturen. <strong>Dominic Gro\u00dfe<\/strong> (K\u00f6nig Pelopidus) m\u00fc\u00dfte man eigentlich als Ba\u00dfbariton charakterisieren, jedoch verf\u00fcgt er \u00fcber ein technisch hervorragendes Falsett, das ihn naht- und ansatzlos auch in die h\u00f6heren Lagen f\u00fchrt. <strong>Jozsef Gal<\/strong> gibt der komischen Rolle des Scandor auch eine musikalische Seite, w\u00e4hrend <strong>Stephan Scherpe<\/strong> als Marton mit viel Durchschlagskraft agiert.<\/p>\n<p><strong>Susanne Scholz<\/strong> f\u00fchrt die 25 Mitglieder des Orchesters fast unbemerkbar von der 1. Violine aus. Das Orchester ist im schmalen Graben \u2013 in historischer Art \u2013 in zwei Reihen gegen\u00fcberstehend und parallel zur B\u00fchne ausgerichtet. Eigentlich f\u00fchren so die Solisten das Orchester als Hintergrund der Arien. Das f\u00fchrt zu mancher \u00fcberraschenden spontanen Reaktion auf beiden Seiten \u2013 was sicherlich manchmal auch der Mischung aus deutschen und italienischen Arien geschuldet ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Lag es an nicht ausreichender Probezeit oder an den sehr jungen Orchestermitgliedern, da\u00df das Zusammenspiel z.B. bei den Holzbl\u00e4sern noch nicht optimal oder manchmal die Eins\u00e4tze nicht ganz stimmten \u2013 vor allem wenn man die Auff\u00fchrung von der ersten Violine aus f\u00fchrt? Jedoch mu\u00df man das Klangbild \u2013 man spielte auf Originalinstrumente \u2013 im Ganzen als hervorragend loben. Dabei ist auch zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df man sich sehr viel M\u00fche mit zahllosen Details gemacht, ein eigenes Auff\u00fchrungsmaterial erstellt und fehlende Tanzeinlagen erg\u00e4nzt hat. Die Leistungsf\u00e4higkeit der Gesangssolisten, obschon noch im Studium, war hier beispielhaft. Und warum die barocke Gestik, die einerseits den Text visualisierte und andererseits bestimmte Situationen hervorhob, sich nicht allgemein auf den B\u00fchnen \u2013 \u00e4hnlich der heute \u00fcblichen Verwendung der Originalinstrumente durchsetzt, ist unverst\u00e4ndlich, zeigte doch die Regisseurin Sigrid T\u2019Hooft mit <em>Radamisto<\/em> bei den H\u00e4ndel-Festspielen in Karlsruhe letztes und dieses Jahr ebenso beispielhaft, wie dadurch die Barockoper auch f\u00fcr uns heutige verst\u00e4ndlicher wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Gert Mothes<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u00a0Amrei B\u00e4uerle (Talestris), ihre Getreuen, Julia Kirchner (Prinz Philotas), Jozsef Gal (Scandor) und dessen J\u00e4ger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johann David Heinichen (1683-1729), Oper in drei Akten, Libretto von Georg Christian Lehms, UA: 1709 Michaelismesse Leipzig Regie: Sigrid T\u2019Hooft, Ausstattung: Stephan Dietrich, Tanz: Jutta Vo\u00df Dirigent: Susanne Scholz, Barockorchester der Fachrichtung Alte Musik der Hochschule f\u00fcr Musik und<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1845\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[80,134,1],"tags":[],"class_list":["post-1845","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bad-lauchstadt-goethe-theater","category-featured","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1845"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1848,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1845\/revisions\/1848"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}