{"id":1830,"date":"2010-06-10T09:28:10","date_gmt":"2010-06-10T08:28:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1830"},"modified":"2010-06-15T09:31:23","modified_gmt":"2010-06-15T08:31:23","slug":"manon-lescaut-altenburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=1830","title":{"rendered":"MANON LESCAUT &#8211; Altenburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1927), Lyrisches Drama in vier Akten, Libretto nach dem Roman von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost, UA: 1. Februar 1893, Teatro Regio, Turin<\/p>\n<p>Regie: Matthias Oldag, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Mike Hahne<\/p>\n<p>Dirigent: Eric Sol\u00e9n, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera, Opernchor, Chorg\u00e4ste von Theater&amp;Philharmonie Th\u00fcringen<\/p>\n<p>Solisten: Ausrine Stundyte (Manon), Teruhiko Komori (Sergeant Lescaut), Ricardo Tamura (Renato Des Grieux), Olaf Plassa (G\u00e9ronte), Michael Siemon (Emondo), Stanimir Stantschev (Sergeant), Bernhard H\u00e4nsch (Commandante), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. Juni 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Altenburg-Manon.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1831\" title=\"Altenburg-Manon\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Altenburg-Manon.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Altenburg-Manon.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Altenburg-Manon-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Vor einem Wirtshaus trifft Des Grieux die sch\u00f6ne Manon. Sie soll auf Wunsch ihrer Familie von ihrem Bruder ins Kloster gebracht werden. Der arme Student verliebt sich augenblicklich in sie und \u00fcberredet sie zur gemeinsamen Flucht. Manon verl\u00e4\u00dft ihn kurz danach. Mit Hilfe ihres Bruders wird sie die Geliebte des reichen Steuerneintreibers G\u00e9ronte, welcher sie schon seit der gemeinsamen Reise zum Wirthaus begehrte. Doch Manon plagen Gewissensbisse und auch die anhaltende Liebe zu Des Grieux. Dieser gelangt mit Hilfe von Manons Bruder in ihre Gem\u00e4cher. Sie gestehen sich ihre gegenseitige Liebe, doch Manon ist zwischen Reichtum und Liebe hin- und hergerissen. Als sie mit den ihr von G\u00e9ronte geschenkten Juwelen fliehen wollen, werden sie von seinen Wachen aufgehalten. Manon wird verurteilt und soll in eine Strafkolonie nach Amerika gebracht werden. Des Grieux folgt ihr. V\u00f6llig verwahrlost und halb verdurstend finden sich die Liebenden in der amerikanischen W\u00fcste wieder. Manon beteuert noch einmal ihre immerw\u00e4hrende Liebe zu ihm und stirbt qualvoll.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Akt spielt in der Wartehalle eines Flughafens. Die aktuellen Asche-Wolke-Ereignisse des letzten Monats aufgreifend, sind alle Fl\u00fcge gestrichen. Die Reisenden mit \u2013 der Konzeption der Inszenierung entsprechend \u2013 zeitgen\u00f6ssischer Kleidung, sitzen fest. Die im Programmheft erw\u00e4hnte Konfrontation von abend- und morgenl\u00e4ndischer Gesellschaft wird durch drei schwarz verschleierte Frauen, welche scheu die Halle durchqueren, angedeutet (Gl\u00fcck f\u00fcr den, der das Programmheft gelesen hat). Auch Manon selbst wird als islamische Frau mit Kopftuch zun\u00e4chst eingef\u00fchrt, legt dieses aber kurz nach ihrer Begegnung mit Des Grieux ab. Die Gem\u00e4cher Manons im zweiten Akt sind komplett verspiegelt und lassen die K\u00e4lte ihrer Beziehung zu G\u00e9ronte erahnen. Die in schwarze Abendroben gekleideten Chormitglieder beobachten heimlich an aufgestellten Monitoren die intimen Vorg\u00e4nge in Manons Gemach. Der dritte Akt spielt, anstatt an einem Hafen oder Bahnhof, im kargen Betonkeller G\u00e9rontes. Manon wird zusammen mit anderen Liebessklavinnen G\u00e9rontes abgef\u00fchrt. Der letzte Akt greift das anf\u00e4ngliche Bild des Flughafens wieder auf, nur da\u00df dieser nun v\u00f6llig zerst\u00f6rt ist wie das Leben der Liebenden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit detaillierten Dynamikwechseln und angedeuteter klanglicher Transparenz begleitet das <strong>Philharmonische Orchester Altenburg-Gera<\/strong> unter der gewohnt souver\u00e4nen Leitung von <strong>Eric Sol\u00e9n<\/strong> die schweren Partien der S\u00e4nger und unterst\u00fctzt sie. Auch bietet das Vorspiel zum dritten Akt eine gute Gelegenheit, den orchestralen Klangk\u00f6rper gekonnt in den Vordergrund des Geschehens treten zu lassen.<\/p>\n<p>Die herausragende s\u00e4ngerische und schauspielerische Leistung von <strong>Ausrine Stundyte<\/strong> (Manon) steht weit \u00fcber der des \u00fcbrigen Ensembles. Mit ihrem st\u00e4hlernem Sopran beherrscht sie die anspruchsvolle Partie tadellos und gibt auch die Passagen in tieferen Lagen, die in den veristischen Sprechgesang gleiten, sehr gut. Auch schauspielerisch lie\u00df sie nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Daneben wirkt der Tenor <strong>Ricardo Tamura<\/strong> (Des Grieux) darstellerisch eindimensional. Sein Gesang, oft mehr laut als sch\u00f6n, kann ebenfalls nicht \u00fcberzeugen. Einzig <strong>Olaf Plassa<\/strong> stellt mit seiner charismatischen Darstellung des zwielichtigen G\u00e9ronte und seinem dazu passenden ausdrucksstarkem Ba\u00df einen ebenb\u00fcrtigen Gegenspieler zu Manon da.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Wie Manon zwischen zwei gegens\u00e4tzlichen Gef\u00fchlen gefangen ist, so geht man auch aus dieser Premiere mit widerspr\u00fcchlichen Empfindungen heraus. Zum einen ist man erf\u00fcllt von den herausragenden musikalischen Leistungen, besonders dem ergreifenden Tod Manons, zum anderen f\u00fchlt man sich hintergangen von einer unschl\u00fcssigen Regie. Die bereits angesprochene Konfrontation von Ost und West verebbt schon im ersten Akt, nachdem Manon sich von ihrem Kopftuch befreit, und wird lediglich, allerdings ziemlich bem\u00fcht, noch einmal im dritten Akt aufgegriffen, in dem G\u00e9ronte ihr das Tuch um den Kopf legt. Doch zu keinem Zeitpunkt wird dieser politische Z\u00fcndstoff, der die Oper bereichern und in einen, von unserer heutigen Sicht aus, vielleicht sogar verst\u00e4ndlichen Kontext h\u00e4tte stellen k\u00f6nnen, wirklich konkret aufgegriffen und reflektiert. Ein wirklicher Wermutstropfen bei dieser Premiere.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Stephan Walzl<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Zukunft verspielt: Ausrine Stundyte (Manon) ist Olaf Plassa (Geronte) ausgeliefert<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1927), Lyrisches Drama in vier Akten, Libretto nach dem Roman von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost, UA: 1. 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